„Kräfte für Wachstum bündeln“

Interview mit Stefan Elsner, Geschäftsführer bei Voith Industrial Services

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03.12.2010 Voith Industrial Services will den Fokus schärfen und bündelt dazu das Industrieservice-Portfolio: In der neuen Division „Energy-Petro-Chemicals“ will der Instandhaltungs-Dienstleister spezielle Lösungen für Prozessindustrien anbieten. Die Redaktion sprach mit Stefan Elsner, Geschäftsführer im Bereich Energy-Petro-Chemicals, über die neue Strategie.

CT: Wie hat sich Voith Industrial Services neu aufgestellt?

Elsner: Wir haben beschlossen, den Schwerpunkt unserer branchenspezifischen Leistungen auf die beiden Branchen „Automotive“ und „Energy & Petro Chemicals“ zu legen, weil wir glauben, dass dies zukünftig Bereiche sein werden, in denen wir Wachstum generieren können. Beides sind hochspezialisierte Industrien, in denen der Dienstleistung eine besondere Verantwortung zukommt.

CT: Geht es Ihnen im Energie- und Chemiebereich vor allem um Turnarounds?

Elsner: Ein großer Teil sind Turnarounds, vorwiegend im Öl- und Gasgeschäft und bei den Energieerzeugern, aber auch das unterjährige Instandhaltungsgeschäft. Letzteres sind im Wesentlichen Rahmenverträge, beispielsweise in der mechanischen Instandhaltung, EMSR-Technik, Planung etc.

CT: Und welcher der beiden Bereiche hat für Sie das größere Potenzial?

Elsner: Beide Bereiche bieten für uns Wachstumspotenziale, aber wir brauchen das Flächengeschäft, um ganzheitlich erfolgreich zu sein. Insbesondere bei Klein-Stillständen ist es deutlich einfacher, solche Projekte abzuwickeln, wenn man eine Mannschaft vor Ort hat. Die Mobilisierungskosten sind dann wesentlich geringer, und wir kennen die Infrastruktur des Kunden bereits. Deshalb ist es wichtig, dass man beim Kunden das unterjährige Instandhaltungsgeschäft ebenfalls bedient.

CT: Wie entwickelt sich das Onsite-Servicegeschäft derzeit?

Elsner: Im Onsite-Geschäft wollen wir uns vom Wettbewerb durch unsere spezifizierten Leistungen unterscheiden. Das ist beispielsweise das Condition-Monitoring mit Schwingungsüberwachung und Thermografie. Wir werden in Zukunft verstärkt die Nischen besetzen und einen kompletten Strauß an Leistungen im Bereich der Instandhaltung anbieten. Auch komplette Betriebsübergänge sind hier eine Option. Die Verstärkung durch Zukäufe schließen wir ebenfalls nicht aus.

CT: Wie hat sich der Instandhaltungsmarkt durch die Wirtschaftskrise verändert?

Elsner: Betreiber haben in Folge der Wirtschaftskrise Instandhaltungsbudgets gekürzt. In der Chemie wurden Anlagen außer Betrieb gesetzt, so dass keine Instandhaltung notwendig war. In solchen Krisen lebt man mehr von der Substanz und versucht Kosten zu sparen. Wir stellen aber mittlerweile fest, dass wieder investiert wird.

CT: Bedeutet dies auch Investitionen in eigene Instandhaltungs-Kapazität?

Elsner: Aktuell sind wir hier gut aufgestellt. Wir sehen eher den Einkauf fremder Servicedienstleistungen. Unser Geschäft zieht wieder deutlich an.

CT: Wie regional oder überregional sind Sie orientiert?

Elsner: Im Shutdown-Geschäft sehen wir uns als Marktführer in Europa und sind sehr international aufgestellt. Wir denken intensiv darüber nach, in diesem Geschäft über die europäische Grenze hinauszugehen. Im Onsite-Geschäft sind wir in Zentraleuropa aufgestellt. Auch dort wollen wir deutlich an Internationalität hinzugewinnen.

CT: Wie wollen Sie diese Internationalisierung erreichen?

Elsner: Uns ist bewusst, dass organisches Wachstum nicht ausreichen wird, um unsere ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Das wird sicher auch über Akquisitionen gehen.

CT: Wie bedeutend sind für Sie kleine und mittelständische Chemieunternehmen als Zielgruppe für Ihre Dienstleistungen?

Elsner: Wir sind hier bereits aktiv – zum Beispiel im Raum Ludwigshafen. Wenn man sich nur auf Großunternehmen fixiert, ist man in Krisensituationen sehr viel anfälliger.

CT: Welches sind Ihre nächsten Schritte als neu geformte Voith Industrial Services?

Elsner: Die Integrationsaufgaben sind weitgehend abgeschlossen. Wir bündeln nun unsere Kräfte für Wachstum. Durch die Reorganisation haben wir einen wesentlich besseren Blick auf den Markt. Wir können wesentlich schneller analysieren und neue Pläne aufstellen als in der Vergangenheit, als alles noch dezentral organisiert war.

CT: Was hat der Kunde von der neuen Struktur von Voith Industrial Services?

Elsner: Der Kunde profitiert von unserem zukünftig breiteren Dienstleistungsportfolio. Wir können wesentlich mehr aus einer Hand bieten. Auch bei kleinen Stillständen kann er auf einen großen Pool an Spezialisten zugreifen. Unser Personal wird nun zentral verwaltet – innerhalb der Organisation können wir Spezialisten nun sehr schnell finden und für ein Projekt mobilisieren.[AS]

„Die Integrationsaufgaben sind weitgehend abgeschlossen. Wir bündeln nun unsere Kräfte für Wachstum“
Stefan Elsner ist bei Voith Industrial Services Geschäftsführer für den Bereich Energy-Petro-Chemicals

Heftausgabe: Dezember 2010

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Scheuermann
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