„Nach wie vor sehr hohe Nachfrage“

Interview mit Tom Henning, Präsident des DSIV

12.04.2019 Schüttgüter sind anders. Diese Erfahrung machen nicht nur Betreiber von Anlagen, sondern auch die Anbieter entsprechender Technik. Diesen gibt der „Deutsche Schüttgut-Industrie Verband“ eine Heimat. Der neue Präsident Tom Henning erklärt im CT-Interview die aktuellen wirtschaftlichen und technischen Trends.

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Der Schüttgut-Industrieverband ist seit seiner Gründung vor sieben Jahren auf inzwischen 80 Mitglieder angewachsen. Da es in Deutschland nicht an Verbänden mangelt, ist das beachtlich. Was sind die Gründe für den Erfolg?
Henning: Mittlerweile hat unser Verband sogar mehr als 90 Mitglieder. Wir hören, dass bei unseren Unternehmen und den persönlichen Mitgliedern die Spezialisierung auf Schüttgut sehr gut ankommt. Ob Anbieter von Technik oder Dienstleistung, alle unsere Mitglieder sind echte Experten, die sich in größeren Verbänden nicht wiederfinden. Diese Marktlücke besetzt der Deutsche Schüttgut-Industrie Verband sehr erfolgreich. Der Innovation Summit, der dieses Jahr am 8. Mai im Haus der Technik in Essen stattfindet, ist das beste Beispiel. Die Fachvorträge halten Spezialisten, die ganz konkrete Lösungen oder Untersuchungen vorstellen. Kunden oder Nutzer erfahren kompakt an einem Tag, welche Vorteile sie davon haben. Das Format war schon im vorigen Jahr sehr erfolgreich.

Zur Person: Tom Henning

Tom Henning ist seit 2005 alleiniger Geschäftsführer und Inhaber des Unternehmens SHA GmbH in zweiter Generation. SHA entwickelt und produziert Förderschnecken-Mischtechnik und Silozubehör. Im November 2018 hat Tom Henning das Amt des Präsidenten des Deutschen Schüttgut-Industrie Verbands (DSIV) übernommen.

Wie geht es der Branche und den Herstellern von Schüttguttechnik derzeit?

Henning: 2018 war ein außergewöhnlich gutes Jahr, unsere Mitglieder waren sehr zufrieden. Viele Unternehmen verzeichnen nach wie vor eine sehr hohe Nachfrage. Andere berichten davon, dass sie jetzt mit etwas weniger Druck arbeiten können. Das ist auch eine gute Nachricht, weil sie ohne Überstunden und Volllast auskommen. Unter dem Strich zeigen sich der Markt und die Nachfrage auch in diesem Jahr sehr robust.

Die Unwägbarkeiten im Markt nehmen zu. Die Stichworte sind schwächeres Wachstum, Brexit – wie gehen die Verbandsmitglieder damit um?
Henning: Unwägbarkeiten bietet nicht nur das Brexit-Chaos. Politische Krisen gibt es leider auf der ganzen Welt. Auch der Nahe und Ferne Osten, Russland, die Unsicherheit durch Trump halten die Branche auf Trab. Viele unserer Mitglieder bieten Lösungen an, die weltweit im Einsatz sind, deswegen interessiert sie nicht nur der Brexit oder die Nachfrage in Deutschland oder der Europäischen Union. Im Geschäft mit Großbritannien zeigt sich, dass Entscheidungen für eine Investition zum Teil deutlich länger dauern. Als Verband sind wir ständig im Austausch mit Kollegen und internationalen Partnerverbänden. Auf der Powtech haben wir uns mit Verbänden aus Großbritannien, Japan, den Niederlanden und Spanien getroffen. Unsere Mitglieder bleiben so über Tendenzen und Trends auf der ganzen Welt auf dem Laufenden. Die Informationen sollen auch dabei helfen, etwaige Ängste zu nehmen.

Welche technischen Trends bewegen die Branche und den Verband derzeit?
Henning: Ich mag den Begriff Industrie 4.0 nicht. Aber egal, wie sie es nennen: Die Veränderung durch Digitalisierung kommt, auch wenn wir oft nicht genau wissen, wohin die Reise geht. Anlagenbauer zum Beispiel beschäftigt das Thema schon länger, die Chargenrückverfolgbarkeit erfolgt durch digitale Technik noch schneller und direkter. Auch Zulieferer kommen nicht darum herum, sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen.

Wie steht es um den Umweltschutz?
Henning: Es handelt sich um einen weltweiten Trend. Es hilft unserer Branche, dass wir im Umweltschutz schon lange Trendsetter sind. Unter unseren Mitgliedern gibt es zum Beispiel Marktführer in den Bereichen Entstaubung und Filtertechnik, aber auch zur Energieeinsparung und anderes mehr. Damit können wir international punkten.

Welche Ziele haben Sie als DSIV-Präsident?
Henning: Die meisten Mitglieder sind in verschiedenen Industriebereichen aktiv, haben vielfältige Schnittstellen mit anderen Herstellern und Anbietern. Mein Unternehmen hat 55 Mitarbeiter, andere einige Hundert Beschäftigte, dazu kommen viele Einzelmitglieder. Der DSIV bietet allen eine Bühne, sich zum gegenseitigen Vorteil einzubringen. Das soll so bleiben. Mein Vorgänger und die Geschäftsführung haben hervorragende Arbeit geleistet. Auf dieser Basis möchte ich neue Impulse geben. Ich glaube, dass wir sehr attraktiv für neue Mitglieder sind. Wichtig ist mit dabei, dass wir gesund wachsen.

Zu den Websites des DSIV.

 

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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