Führen, bündeln, schützen

Kabel-Management bringt Ordnung und Sicherheit

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13.11.2012 Voraussetzung für den einfachen, schnellen und dauerhaften Einsatz von Kabeln und Leitungen ist ein umfassendes Kabel-Management. Kabelschutz-systeme werden vorrangig im Maschinenbau eingesetzt, finden sich aber auch im Outdoor-Bereich und in der Chemie-Industrie. Ein umfassendes Kabel-Management beinhaltet die Segmente Kabelführung, Kabelbündelung und Kabelschutz.  

Entscheider-Facts Für Anwender

  • Ein umfassendes Kabel-Management - mit Kabel­führung, Kabelbündelung und Kabelschutz - macht die Verlegung von Kabel und Leitungen leichter und den Einsatz auf lange Zeit sicherer.
  • Verdrahtungskanäle, Kabeltrassen oder Kabelführungs­ketten, Spiralschläuche und Kabelbinder aus Kunststoff oder Metall, dazu Markierungs-Materialien und weitere Komponenten aus einem breiten Zubehörprogramm - vorteilhaft ist es für den Anwender, wenn er alles aus einer Hand bekommt.
  • Will man Kabel und Leitungen in elek-trischen Anlagen eindeutig zuordnen, ist eine systematische Kennzeichnung unerlässlich.
  • Eine schnelle und wirtschaftliche Markierung ist eine Prozesskette aus mehreren einzelnen Arbeitsschritten. Nur durch das reibungslose Zusammenspiel dieser Prozessschritte wird das Ziel, schneller und wirtschaftlicher zu markieren, erreicht.

Die Kabelführung und -verlegung sollte sich für den Anwender so einfach und flexibel wie möglich gestalten. Dazu werden – in unterschiedlichen Farben und Ausführungen – Verdrahtungskanäle benötigt. Sie kommen in den Schaltschränken des Maschinen- und Anlagenbau zum Einsatz, und zwar je nach Anforderung in halogenfreien und halogenhaltigen Varianten.

Mit Kabelführung Ordnung schaffen
In der Gebäudetechnik werden Kabel in Kabeltrassen verlegt, die auch Kabelpritschen genannt werden. Die Kabel werden dabei meist an der Decke oder am Boden entlang geführt. Die Kabel­trassen müssen auf jeden Fall leicht zugänglich sein, damit Kabel auch ohne großen Aufwand noch nachträglich verlegt werden können.
Zum Verlegen der Kabel wird meist ein offenes – gelochtes oder ungelochtes – U-förmiges Stahlblech verwendet, in dem die Kabel meist ohne weitere Befestigung geführt werden. Durch die offene Form der Trasse lassen sich die Kabel leicht verlegen und problemlos nachrüsten. Geschlossene Varianten kommen bei Trassen zum Einsatz, die gerade nicht leicht zugänglich sein sollen – etwa auf Flughäfen und Bahnhöfen oder in Parkhäusern.
Für Kabel, die nicht starr in einem Verdrahtungskanal oder einer Kabel­trasse verlegt werden, sondern an beweglichen Maschinen, gibt es Kabelführungsketten – auch Energieführungsketten genannt. Die Führungskette dient als Träger der Kabel und schützt diese zugleich vor Beschädigung. In der Führungskette kann das Kabel nicht über den vorgegebenen Biegeradius des Kabels gebogen werden. Die Kabelführungsketten aus Kunststoff oder Metall sind je nach Anforderung schmaler oder breiter gestaltet.
In öffentlichen Gebäuden sind halogenfreie Verdrahtungskanäle nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch sicherer. Im Brandfall ist die Rauchgasentwicklung bei PVC hoch – dabei werden korrosive Gase freigesetzt, die nicht nur gesundheitsschädlich sind, sondern auch Spuren an Gebäuden hinterlassen. Dennoch wird weiterhin PVC eingesetzt, und zwar aus folgenden Gründen: schwere Entflammbarkeit, chemische Beständigkeit, selbstverlöschendes Verhalten. Sowohl Sauerstoff als auch Ozon greifen PVC nicht an.

An der Norm führt kein Weg vorbei
Auch bei den Kabeln und Leitungen selbst kommt es auf die richtige Auswahl an. In nationalen Normen wie in der DIN VDE 0472 sowie in deren interna­tionalem Pendant IEC 60332 werden Brandverhalten und Gasentwicklung beschrieben. Auch Zulassungen helfen bei der Auswahl des Materials. Viele Zulassungen sind länderspezifisch. Andere – wie etwa die amerikanische UL (Underwriters Laboratories)-Zulassung – haben sich weltweit durchgesetzt und dürfen bei Produkten, die international vermarktet werden, nicht fehlen. Eine Zulassung der Produkte nach UL ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, wie es bei der CE-Kennzeichnung der Fall ist, dennoch kann es bei nicht zugelassenen Produkten besonders im amerikanischen Raum zu Problemen bei der Einfuhr kommen.
Neben länderspezifischen Zulassungen gibt es branchenspezifische Normen und Zulassungen, etwa der Germanisch Lloyd oder Bureau Veritas im Schiffbau. In der Chemie-Industrie ist die DIN EN ISO 175 von Bedeutung – sie dokumentiert die Beständigkeit gegenüber bestimmten Chemikalien. Bei den Produkten von Phoenix Contact kann der Anwender aus zahlreichen unterschiedlichen Materialien auswählen. Darüber hinaus sind nahezu alle relevanten Zulassungen – wie UL, CSA (Canadian Standards Association), GOST (Gosudarstvenne Komitet Standartov) und VDE (Verband Deutscher Elektrotechniker e.V.) – vorhanden. Auch Sonderprüfungen werden auf Anfrage rasch durchgeführt.

Kabelbündelung mittels Schläuchen und Bindern
Zur Bündelung der Kabel existieren Spiralschläuche und Kabelbinder. Spiralschläuche können aufgrund ihrer Wendelstruktur nachträglich schnell und einfach an eine beliebige Stelle montiert werden. Daher wird im Anlagen- und Schaltschrankbau auf diese Art der Kabelbündelung gern zurückgegriffen. Auch in der Automobilbranche wird diese Methode wegen der Silikon- und Halogenfreiheit der Produkte gern eingesetzt. Spiralschläuche bieten neben ihrem Schutz bei leichter mechanischer Beanspruchung auch ein optisch ansprechendes Bild im Schaltschrank.
An Kabelbinder werden höhere Anforderungen gestellt – ihr Einsatzbereich ist kaum einzugrenzen. Neben den Anforderungen, die aus den oben erwähnten Zulassungen resultieren, kommen applikationsspezifische Anforderungen hinzu. Im Außeneinsatz zum Beispiel müssen die Kabelbinder gegen Witterungseinflüsse und UV-Strahlung beständig sein. Getestet wird dies nach ISO 4892 (QUV-B 600 h) – was bei konstant hoher Temperatur eine Beständigkeit im Freien von rund zehn Jahren dokumentiert. Auch eine Temperatur von 145 °C müssen sie kurzzeitig aushalten. Es gibt auch die Anforderung, dass das Material detektierbar ist – eine Anforderung der Lebensmittlelindustrie, die gegen Verunreinigungen im Produktionsprozess an das Material gestellt wird. Ein exakt abgestimmter Anteil an speziellen Metallen wird dem Kunststoff zugefügt, sodass dieser zum einen durch seine auffällige Farbe optisch gut erkennbar ist. Zum anderen kann der Kunststoff mittels Röntgengeräten und Metalldetektoren oder auch magnetisch identifiziert werden.

Schutz der Kabel vor Temperatur und Chemikalien
Beim Kabelschutz findet man ein ähnlich breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten wie bei den Kabelbindern. Einsatztemperaturen von -200 bis zu 600 °C werden als Anforderung an den Schutzschlauch gestellt – bei speziellen Anwendungen sogar darüber hinaus. Öl-, Fett-, Säure- und Lösemittelbeständigkeit sind nur ein Teil der Anforderungen an den Schutzschlauch – wie sie etwa aus der Petrochemie kommen.
Der Schutzschlauch muss neben dem harten mechanischem Schutz und den Schutz gegen Witterungseinflüsse auch je nach Anforderung den Schutzarten nach DIN EN 60529 genügen, die sich teilweise auch in der DIN 40050 finden. In der DIN EN 60529 sind die Schutzarten von IP20 bis IP68 klassifiziert. Da­rüber hinaus bietet die Schutzart IP69k Schutz gegen Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung – derartige Schutzarten spielen etwa bei Straßenfahrzeugen eine Rolle. Bei jeder Schutzart kommt es auch auf die Kombination von Schlauch und Schlauchverschraubung an, nur durch die Kombination wird die erforderliche Schutzart erreicht. Auch hier stehen zahlreiche Produkte zur Verfügung, darunter Kunststoffschläuche und Metallschläuche, die in Kombination mit der Schlauchverschraubung Schutzarten von IP40 bis zu IP69k ermöglichen.

Heftausgabe: November 2012
Berni Loerwald

Über den Autor

Berni Loerwald

Autor Sven Heier, Produktmanager Marking and Installation Phoenix Contact

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