Konzepte in der Instandhaltung

Instandhaltung optimieren – wer macht was?

Probabilistik: eine Frage der Zeit

Probabilistische Konzepte erweitern die „Wenn-Dann“-Struktur der Deterministik um die Größe der Wahrscheinlichkeit. Dahinter steht die Auffassung, dass ein technisches Versagen nur eine Frage der Zeit ist. Das Risiko lässt sich mit der quantitativen Risikoanalyse (QRA) oder der probabilistischen Sicherheitsanalyse (PSA) berechnen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fragen: Was kann versagen? Wie wahrscheinlich ist das und welche Auswirkungen hat das?

Dieser Ansatz ist systemisch und nicht komponentenorientiert. Der funktionale Zusammenhang der Anlage muss analysiert und bewertet werden. So können die Ausfallwahrscheinlichkeit der Anlage bzw. ihrer Teilsysteme ermittelt und mögliche Auswirkungen realistisch eingeschätzt werden. Ereignisabläufe werden anhand von Risiko-Akzeptanzkriterien beurteilt. Das ermöglicht eine fundierte Priorisierung von Maßnahmen bei der Instandhaltung. Transparent dokumentiert, ist auch dieses Vorgehen mit geltendem Recht vereinbar.

Das Verfahren ist jedoch generell mit Unsicherheiten behaftet. Die modellierte Abbildung des realen Systems ermöglicht nur eine grobe Annäherung an reale Abläufe. Daher ist ein tiefgehendes und umfängliches Wissen über die Anlage nötig, um Schadensmechanismen und Indikatoren kritischer Systeme und Komponenten identifizieren und bewerten zu können. In der Praxis mangelt es jedoch häufig an dieser umfänglichen Kenntnis der systemischen Zusammenhänge.

Strategien auf Organisation abstimmen

Die Total Productive Maintenance (TPM) verfolgt ebenfalls einen ganzheitlichen Ansatz. Die Mitarbeiter bringen ihre Erfahrung und Kenntnis über das Betriebsverhalten der Anlage in den Instandhaltungsprozess ein und übernehmen Instandsetzungs- und Pflegeaufgaben an ihrem Arbeitsbereich der Anlage. Dies setzt allerdings eine strategische Einführung innerhalb des Unternehmens voraus, da deutlich mehr Mitarbeiter eingebunden sind als bei klassischen Instandhaltungskonzepten. Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und zu delegieren, muss vorhanden sein. Wenn Strategien nicht auf das Unternehmen und dessen Strukturen abgestimmt sind, können die Probleme größer als vor der Umstellung sein.

Das Ergebnis einer erfolgreichen Implementierung ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der die Instandhaltungsabteilung entlastet. Die praxisorientierte Kombination von Methoden und Strategien ermöglicht eine qualifizierte Risikobeurteilung. Im Kontext einer ganzheitlichen Analyse muss nicht jeder „Fehler“ – beispielsweise eine Inhomogenität oder eine flächige Trennung im Material – behoben werden, wenn er sich bei der Beurteilung unter definierten Betriebsparametern als tolerierbar herausstellt und durch wiederkehrende Prüfungen kontrolliert wird. Durch gezielte Objektanalysen und optimierte Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen lassen sich so auch ältere Anlagen sicher weiterbetreiben.

Ausblick – aber sicher!

Die Schwerpunkte der Instandhaltung werden künftig in der Anlagenoptimierung liegen, um Ausfälle zu vermeiden. Geeignete Instandhaltungsstrategien sollten die spezifischen Besonderheiten der Anlage in die systemische Gesamtbetrachtung einbeziehen, ohne Sicherheitsaspekte zu vernachlässigen. Die zugehörigen Methoden sowie ihre Umsetzung im Tagesprozess sollten unter Berücksichtigung der betrieblichen Organisation definiert werden. Modische Schlagworte wie „TPM“, „RBI“ und „Wertorientierung“ allein sind da wenig hilfreich.

TÜV Süd Industrie Service unterstützt Anlagenbetreiber dabei, die optimale Strategie zur Instandhaltung zu finden und zu implementieren. Systemisches Wissen und pragmatische Ansätze sind hier die Grundsteine für ein optimales Anlagenmanagement – mit langfristiger Betriebssicherheit bei höchstmöglicher Verfügbarkeit. Top31016

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Heftausgabe: September 2016
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Über den Autor

Hans Christian Schröder, Senior Expert Kraftwerks- und Anlagenservice, TÜV Süd Industrie Service
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