Zeit für Plan Beton

Klimabilanz der Zementindustrie

25.03.2019 Ein akutes Problem stellt Beton in der öffentlichen Meinung kaum dar: Er besteht nicht aus fossilen Brennstoffen und schwimmt nicht wie hässliche und gefährliche Plastikabfälle in den Ozeanen. Doch der Eindruck täuscht, die CO2-Bilanz des Baustoffs fällt verheerend aus.

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Wäre die Zement-Industrie ein Staat, sie läge bei den CO2-Emissionen an dritter Stelle, hinter China und den USA. Bild: Adobe Stock – 7crafts / podsolnykh

Beton ist eigentlich recht einfach: Er besteht aus Sand, eventuellen Zusätze wie Kies, Wasser und einem Bindemittel, Letzteres in der Regel auf der Basis von gebranntem Kalk. Die Vorteile dieses Baumaterials liegen auf der Hand: Es ist relativ günstig, es ist geradezu sprichwörtlich unnachgiebig, und es lässt sich in beinahe beliebige Form gießen und damit vielseitig einsetzen. Aufgrund dieser Vorzüge ist Beton nach Wasser die industriell am zweitmeisten genutzte Substanz.

Eine Tonne CO2 für jede Tonne Zement

Allerdings drücken Beton und dessen Bestandteil Zement aufs Klima: Die Zementherstellung ist, je nach Rechenweg und einbezogenen Produktionsprozessen, verantwortlich für 4 bis 8 % der globalen CO2-Emissionen. Gut die Hälfte davon entsteht beim Brennen von Zementklinker, wo für jedes produzierte Molekül Kalziumoxid ein Molekül CO2 austritt. Hinzu kommt die nötige Energie zum Heizen, die ebenfalls noch zum großen Teil aus fossilen Energieträgern stammt. Zusammengerechnet führt das dazu, dass für jede Tonne Zement bei der Produktion eine Tonne CO2 anfällt. Wäre die Zement-Industrie ein Staat, sie läge bei den CO2-Emissionen an dritter Stelle, hinter China und den USA.

Zwar haben viele der großen Zementhersteller in den letzten Jahren in energieeffiziente Brennöfen investiert und so neben den Energiekosten auch die CO2-Emissionen gesenkt. Allerdings verschwindet diese Emissions-Einsparung im gigantischen und gleichzeitig wachsenden Bedarf: In den letzten 30 Jahren ist die weltweite Jahresproduktion von Zement von 1 Mrd. t auf über 4 Mrd. t angestiegen. Zum Vergleich: Die Menge an Plastik, die in den letzten 60 Jahren insgesamt produziert wurde, beträgt etwa 8 Mrd. t. Die Zementindustrie produziert mehr als das in zwei Jahren.

Kreislaufwirtschaft noch illusorisch

Laut einem Bericht des britischen „Guardian“ wären die Zementhersteller aufgrund dieser Zahlen in der Lage, im Alleingang die Ziele des Klimaschutzabkommens von Paris zu kippen oder zumindest stark zu gefährden. Demnach müssen, um die Erderwärmung auf 2 °C zu begrenzen, die jährlichen Treibhausgas-Emissionen in den nächsten zehn Jahren um mindestens 16 % sinken. Ohne einen Beitrag der Zementindustrie ist das kaum zu schaffen. Die weiteren drastischen Senkungen, die in der Folgezeit notwendig sind, sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

Dabei gibt es Alternativen: Aus Nebenprodukten anderer Industrien, wie Schlacke aus der Stahlproduktion oder Flugasche aus Kohlefeuerungen, lassen sich zementähnliche Materialien herstellen. Allerdings fehlt es noch an Großprojekten, die die Möglichkeiten solcher Baustoffe zeigen. Die Industrie bleibt somit vorerst beim Altbewährten. Helfen könnte es auch, wenn sich Beton-Elemente zurückverfolgen ließen. Dann wäre es auch möglich, ihre genaue Zusammensetzung festzustellen, und nach dem Abriss eines Gebäudes könnten einzelne Bestandteile für neue Bauten verwendet werden. Bislang landet Beton-Bauschutt auf Deponien, eine Kreislaufwirtschaft ist unter den derzeitigen Bedingungen illusorisch. Einige festbetonierte Meinungen und Strukturen gibt es noch zu überwinden.

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Heftausgabe: März/2019
Ansgar Kretschmer, Redaktion

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