Anlagenbau-Projekt

Konsortium plant industrielle Power to Liquid-Anlage in Stade

16.04.2019 Unter dem Titel GreenPower2Jet (GP2J) wollen Dow, BP mit BP Lingen und Air BP, Airbus, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Hoyer Logistik und die Technische Universität Hamburg (TUHH) nach einem Pre-Engineering eine industrielle Power to Liquid-Anlage (PtL) bauen.

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Dow Stade Blue Hour

In Dow-Werk in Stade soll die Power to Liquid-Anlage im Industriemaß entstehen; sie soll auf dem Verfahren der Fischer-Tropsch-Synthese beruhen. (Bild: Dow)

Die Anlage soll vor allem nachhaltige synthetische Kohlenwasserstoffe liefern, um grüne, klimaneutrale Flugkraftstoffe zu produzieren.

Im Rahmen der Absichtserklärung haben sich die Konsortialpartner neben dem GP2J-Projekt auf eine gemeinsame Forschung verständigt. Sie beteiligen sich damit an dem vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) ausgeschriebenen ‚Ideenwettbewerb Reallabore der Energiewende‘ und stellen einen Förderantrag zum Bau der industriellen Demonstrationsanlage. Die Experten wollen so in Erfahrung bringen, inwieweit sich die PtL-Technik wirtschaftlich und ökologisch optimieren lässt beziehungsweise wie die energiewirtschaftlichen Bedingungen sein müssten, damit derartige Konzepte tragfähig werden.

In einem ersten Schritt und nach einer sechsmonatigen Pre-Engineering-Phase kann im Einvernehmen der Partner bis etwa 2021/22 eine industrielle Power to Liquid-Anlage auf Basis der Fischer-Tropsch-Synthese (Hydrierung von Kohlenmonoxid) beim Chemieunternehmen Dow in Stade entstehen. Die dort produzierten synthetischen Kohlenwasserstoffe sollen als Grundlage für die weitere Produktion an die BP Raffinerie in Lingen geliefert werden. Dort wird diese Mischung aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen zu Kerosin aufbereitet. Dieses Kerosin soll dann ein grüner, klimaneutraler Flugkraftstoff sein. Voraussetzung dafür wäre, dass die beiden Ausgangsprodukte der Fischer-Tropsch-Synthese, Wasserstoff und Kohlenmonoxid, bereits mit klimaneutralen Verfahren hergestellt wurden. In der Pressemitteilung der TUHH ist davon die Rede, dass auch „grüne, elektrische Energie“ eingesetzt werde; dies deutet auf eine Wassserelektrolyse hin. Es gibt allerdings noch keine klare Aussage dazu, auf welchem Wege die beiden Ausgangsprodukte der Fischer-Tropsch-Synthese hergestellt werden oder woher sie kommen. Von Lingen aus geht der Kraftstoff dann zu den Airbus-Flugzeugen am Flughafen Hamburg. Aus den verbleibenden Nebenprodukten der Kerosin-Herstellung wird ‚grüner‘ Diesel erzeugt.

Auch wenn die finalen Investitionsentscheidungen noch nicht getroffen sind, betreten die Beteiligten mit der Herstellung von Kraftstoffen in einer Power to Liquid-Anlage kostenintensives und technisch äußerst anspruchsvolles Neuland, schreibt die TUHH in ihrer Pressemitteilung. Dazu sollte man wissen, dass es in Deutschland 1942/43 eine Jahreskapazität von 620.000 t/a synthetischen Kraftstoff gab, erzeugt nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren.

Ulf Neuling von der TUHH, der den Projektantrag koordiniert: „Durch dieses Vorhaben kann erstmals eine signifikante Menge an PtL-Produkten in Deutschland erzeugt und verkehrsträgerübergreifend – im Luftverkehr, auf dem Wasser und im schweren Straßengüterverkehr – genutzt werden.“ Nach heutigen Maßstäben wird keiner der auf diese Weise hergestellten Kraftstoffe wirtschaftlich sein, schreibt die TUHH weiter. Daher seien regulatorische Anreize und Fördermittel notwendig, damit diese Technik weiterentwickelt werde, um die Emission von Treibhausgasen zu vermindern. Denn gerade der Flugverkehr wird künftig weiter deutlich wachsen. Der Luftfahrtverband IATA prognostiziert einen Anstieg von etwa 3,5 % pro Jahr weltweit für die nächsten Jahrzehnte. (dw)

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