Ein sauberer Prozess spart bares Geld

Kosten in der Industriereinigung partnerschaftlich optimieren

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03.09.2020 Die industrielle Reinigung von Maschinen und Anlagen ist ein zentraler Baustein für einen zuverlässigen und reibungslosen Ablauf der Produktion. Gerade in der Chemie­industrie ist der Einsatz von Reinigungsdienstleistern aber alles andere als günstig. Wie lassen sich hier Kosten optimieren?

Entscheider-Facts

  • Die industrielle Reinigung von Maschinen und Anlagen hat einen direkten Einfluss auf die Anlageneffektivität innerhalb des Produktionsprozesses.
  • Da die Reinigung in der Chemieindustrie stark von Spezial­equipment geprägt ist, haben die wenigen verfügbaren Dienstleister eine starke Marktpoisition, was zu hohen Kosten führt.
  • Ein strategischer Einkaufsprozess und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit können helfen, hier viel Geld zu sparen.

Tankreinigung

Bild: danielkoke – stock.adobe.com

Die Industriereinigung hat einen direkten Einfluss auf die Anlageneffektivität innerhalb des Produktionsprozesses. Nicht vorschriftsgemäß gereinigte Anlagen vermindern die Qualität der Produkte und die realisierte Output-Menge. Zudem führen schlecht oder nicht gereinigte Anlagen oder Geräte – wie zum Bespiel Wärmeübertrager – zu einem erhöhten Energieverbrauch.

Dienstleister nutzen ihre starke Marktposition

Da die Reinigung in der Chemieindustrie stark von Spezialequipment geprägt ist, gibt es nur wenige Lieferanten, die diese Dienstleistungen anbieten. Zudem fehlen zur Durchführung einer umfangreichen Ausschreibung detaillierte Leistungsverzeichnisse über die zu verrichtenden Dienstleistungen. Im besten Fall existiert bereits ein stundenbasiertes Leistungsverzeichnis als Grundlage für die Ausschreibung, sodass meist nur der bestehende Lieferant, der die Produktionsanlagen kennt, ein konkretes und vermeintlich wettbewerbsfähiges Angebot einreichen kann. Durch die fehlende Definition der Leistungen, die enge Einbindung des Industriereinigers in die Produktionsabläufe und die meist langjährige Zusammenarbeit ist die Hemmschwelle hoch, einen Lieferantenwechsel ernsthaft ins Auge zu fassen.

Die meist stundensatzbasierende Abrechnung und die starke Marktposition der Lieferanten führen dazu, dass Lohnsteigerungen in der Regel vollständig vom Lieferanten an den Kunden weitergegeben werden. Zudem werden Reinigungskräfte, Saugwagen und HD-Geräte abgerechnet, ohne dass eine Überprüfung der Arbeitseffizienz stattfindet. Dabei wird oftmals überdimensioniertes Equipment zum Einsatz gebracht und teuer abgerechnet. Die Abrechnung nach Stundensatz bringt für die Lieferanten zudem keinen Anlass, Produktivitätssteigerungen voranzutreiben. Einsparungen lassen sich daher fast nur durch langfristig angelegte partnerschaftliche Kostenoptimierung erreichen. Deshalb ist die Durchführung des strategischen Einkaufsprozesses zur Auswahl eines geeigneten Lieferanten für den Aufbau einer langfristigen Lieferantenbeziehung in der Industriereinigung besonders wichtig.

Strategischer Einkaufsprozess in vier Schritten

Strategischer Fokus

Ein strategischer Einkaufsprozess hilft dabei, Kosten für die Industriereinigung zu sparen. Bild: Höveler Holzmann

Um langfristig Produktivität, Arbeitssicherheit und Kosten zu optimieren, müssen bessere Anreize für den Lieferanten her. Konkret heißt das: von einem stundenbasierten Abrechnungssystem hin zu einer leistungsbasierten Bemessung der Dienstleistung. Der Lieferant hat dadurch ein eigenes Interesse, notwendiges Gerät und Personal möglichst effizient einzusetzen und auch langfristig zu optimieren.

Der strategische Einkaufsprozess unterteilt sich dabei in vier Schritte. Im ersten Schritt müssen eindeutige Leistungseinheiten definiert werden, die eine Bewertung und Vergleichbarkeit ermöglichen. Zur Erfassung der Leistungseinheiten sollten neben dem zu reinigenden Equipment, einer detaillierten Beschreibung der Reinigungsleistung und dem Reinigungsintervall auch die Verschmutzungsgrade und der gewünschte Reinigungsgrad beschrieben sein. Hierzu empfiehlt es sich, Verschmutzungsgrade und Soll-Zustand durch Fotos zu dokumentieren. Für die erste Ausschreibung können zunächst auch nur die wichtigsten, repräsentativen Anlagen herangezogen werden. Anschließend lassen sich in Zusammenarbeit mit dem ausgewählten Lieferanten alle anderen Geräte und Anlagen weiter aufnehmen. Nicht alle Tätigkeiten der Dienstleister können durch Fixpreise je Leistungseinheit definiert werden. Um die Transparenz zu erhöhen, sollte der Anteil der Fixpreispositionen aber stetig steigen.

Blick über den Tellerrand kann sich lohnen

Im zweiten Schritt erfolgt die Einkaufsmarktanalyse. Hierbei lohnt es sich, durch die begrenzte Anzahl an Anbietern in der Chemiebranche zusätzlich in anderen Branchen nach Industriereinigern zu recherchieren. Teilweise kommen in anderen Industrien – wie in Kraftwerken – die gleichen Geräte zur Reinigung der Anlagen zum Einsatz wie in der Chemieindustrie. Die Leistungseinheiten, die dokumentierten Verschmutzungsgrade und Soll-Zustände werden innerhalb der Ausschreibung allen potenziellen Lieferanten mitgeteilt. Die Angebote der Lieferanten lassen sich so quantitativ miteinander vergleichen und der wettbewerbsfähigste Lieferant finden (Schritt 3).

Im vierten Schritt sollten die Einkäufer die definierten Leistungseinheiten und Fixpreise für möglichst viele Tätigkeiten gemeinsam mit dem Lieferanten erfassen und vertraglich verankern. Sind die Leistungseinheiten vertraglich geregelt und ein Lieferant für einen gewissen Zeitraum verpflichtet, lassen sich über eine partnerschaftliche Kostenoptimierung die Produktivität steigern sowie die Sicherheit erhöhen. Dies kann über eine Vereinbarung mit den Lieferanten von jährlichen Produktivitäts- und Sicherheitszielen für das Gesamtvolumen bzw. für einzelne Leistungseinheiten gelingen. Erreichen lassen sich die Ziele dann zum Beispiel über einen erhöhten Automatisierungsgrad und optimierte Prozessabläufe. Schon heute gibt es erste Produzenten in der Petrochemie, die auf eine vollständig mannlose Reinigung umgestiegen sind. Wärmetauscher, Behälter und Tanks lassen sich bereits vollautomatisiert reinigen. Die Automatisierung kann auch den Lohnsteigerungen entgegenwirken. Gleichzeitig zu diesen Einsparungen verbessert sich auch die Arbeitssicherheit.

10 Tipps für optimierte Reinigungskosten

  • Motivieren Sie die Beteiligten
  • Schaffen Sie Verbindlichkeit
  • Setzen Sie Teams interdisziplinär zusammen
  • Bleiben Sie mit Engagement dran
  • Holen Sie Unterstützung von oben
  • Selektieren Sie Ihren wichtigsten Lieferanten
  • Verlassen Sie alte Pfade und seien Sie kreativ
  • Holen Sie das Projektteam regelmäßig zusammen
  • Dokumentieren Sie
  • Streben Sie Win-win-Situationen für alle Beteiligten an

 

Heftausgabe: September 2020

Über den Autor

Jürgen Theves ist Senior Manager, Andy Pischka ist Manager bei Höveler Holzmann
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