„Klimaschutz ist ein Business Case“

Lanxess will bis 2040 klimaneutral werden

14.11.2019 Erst vor kurzem hat der VCI festgestellt: Eine klimaneutrale Chemie ist technologisch möglich. Nun legt Lanxess mit konkreten Zielen nach. Bis 2040 will der Spezialchemie-Konzern seine Treibhausgas-Emissionen fast vollständig abbauen. Ansetzen will man unter anderem mit neuen Anlagen und bei der Bezahlung von Führungskräften.

Mit seinen Zielen ist das Unternehmen damit sogar noch ehrgeiziger als die VCI-Studie zur Klimaneutralität, die für die deutsche chemische Industrie von einem Zeithorizont bis 2050 ausging. Bereits bis 2030 will Lanxess den Treibhausgas-Ausstoß von derzeit rund 3,2 Mio. t/a CO2e halbieren.

Bis 2040 will der Konzern klimaneutral werden und seine Treibhausgas-Emissionen von derzeit rund 3,2 Millionen Tonnen CO2e abbauen.

Bis 2030 sollen die Treibhausgas-Emissionen (in t/a CO2e) des 2004 gegründeten Konzerns halbiert, bis 2040 fast vollständig abgebaut sein. (Bilder: Lanxess)

„Im Pariser Klimavertrag hat die Weltgemeinschaft beschlossen, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Das erfordert massive Anstrengungen aller Beteiligten“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende Matthias Zachert. Doch ganz selbstlos sind die Ziele natürlich nicht. „Klimaschutz ist ein Business Case“, betonte Zachert mit Blick auf die langfristige Kostensenkung durch mehr Ressourceneffizienz.

Sonderprojekte für 100 Mio. Euro

Um bis 2040 klimaneutral zu werden, will das Unternehmen an drei Stellschrauben drehen. Die erste Säule sind Sonderprojekte mit großem Reduktionshebel: So baut der Konzern am berlgischen Standort Antwerpen derzeit eine Anlage zur Zersetzung von Lachgas. Die neue Anlage geht 2020 in Betrieb und reduziert die Emissionen des Treibhausgases um rund 150.000 t/a CO2e. Nach der Installation einer zweiten Ausbaustufe im Jahr 2023 soll der CO2e-Ausstoß um weitere 300.000 t/a sinken. Weitere 150.000 t/a will der Konzern einsparen, indem er die Energieversorgung seiner indischen Standorte vollständig auf regenerative Quellen umstellt. Für diese und weitere Projekte mit einem Einsparpotenzial von insgesamt  800.000 t/a will Lanxess bis zu 100 Mio. Euro investieren.

Chemieanlagen-Projekte im Monat Oktober

Akquisitionen und Vorstandsboni richten sich nach CO2-Bilanz

Darüber hinaus will der Konzern die CO2e-Bilanz stärker als Grundlage für Geschäftsentscheidungen heranziehen. Sie soll zum Investitionskriterium bei organischem Wachstum und Akquisitionen werden. Geschäftsbereiche, die ihre Treibhausgas-Emissionen überdurchschnittlich stark senken, hättenso einen direkten finanziellen Vorteil. Darüber hinaus soll die CO2e-Reduktion zum Bewertungskriterium im Bonussystem für Führungskräfte und Vorstand.

Neue Produktionsverfahren

Der Vorstandsvorsitzende Matthias Zachert stellte die neue Klimastrategie auf einer Pressekonferenz vor:.

Der Vorstandsvorsitzende Matthias Zachert stellte die neue Klimastrategie auf einer Pressekonferenz vor:.

Als dritte Stellschraube, um Emissionen zu senken, setzt Lanxess auf Prozess- und Technologieinnovationen: Der Spezialchemie-Konzern will zahlreiche bestehende Produktionsverfahren überarbeiten. Dazu gehört es auch, die Verbundstrukturen weiter zu verbessern, etwa im Bereich Wärmeaustausch zwischen den Betrieben oder bei der Abluftreinigung. Andere Verfahren müssten erst noch im großtechnischen Maßstab entwickelt werden. Der Konzern will daher seine Forschung stärker auf klimaneutrale Prozess- und Technologieinnovationen ausrichten.

Stagnation im dritten Quartal

Die Geschäftszahlen fielen im dritten Quartal 2019 relativ stabil aus.

Die Geschäftszahlen fielen im dritten Quartal 2019 relativ stabil aus.

Neben den Klimaschutz-Zielen wären die gleichzeitig mitgeteilten Geschäftszahlen von Lanxess fast untergegangen. Im dritten Quartal zeigt sich der Konzern stabil, Umsatz (ca. 1,78 Mrd. Euro) und Gewinn (Ebitda: 267 Mio. Euro) liegen beide etwa auf Vorjahresniveau. Das entspricht in etwa sowohl den eigenen Erwartungen als auch jenen der Börsenexperten. So kam vor allem die geringere Nachfrage aus der Automobilindustrie wenig überraschend. Darüber hinaus lief das Chromerz-Geschäft schwach. Auch für das Gesamtjahr 2019 erwartetet das Unternehmen ein Ergebnis in etwa auf Vorjahresniveau.

Geschäft mit Organometallen neu ausgerichtet

Darüber hinaus kündigte Lanxess an, sein Geschäft mit Organometallen neu auszurichten und sich dabei künftig auf profitable Wachstumssegmente fokussieren zu willen. Dafür investiert der Konzern an seinem Standort in Bergkamen einen mittleren einstelligen Millionen-Euro-Betrag in den Ausbau der Produktion von Organometallen auf Aluminium-Basis. Diese kommen als Katalysatoren in der Herstellung von hochwertigen Kunststoffen zum Einsatz. Das Geschäft zeichnet sich nach eigener Einschätzung durch attraktive Margen und gute Wachstumsperspektiven aus. Das Geschäft mit Organometallen auf Zinn-Basis, deren Produktion ebenfalls in Bergkamen stattfindet, hat der Konzern dagegen an das US-amerikanische Chemieunternehmen PMC verkauft. (jg)

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