Legionellen-Erkrankungen von Warstein – Sicherheitsingenieure unter Zugzwang

26.06.2014 Für Sicherheitsingenieure und Produktionsverantwortliche hat die Legionellenausbreitung in Warstein vom vergangenen Jahr Folgen: Sie müssen Rückkühlanlagen künftig sehr viel genauer unter die Lupe nehmen. „Spätestens nach einem ähnlichen Fall in Ulm im Jahr 2009 hätten diese wach werden müssen“, meint Prof. Peter M. Kunz, der für das Umweltministerium Baden-Württemberg aktuell exemplarische Gefährdungsbeurteilungen erstellt hat.

Legionellen-Erkrankungen von Warstein - Sicherheitsingenieure unter Zugzwang

Legionellen in Aerosolen aus industriellen Anlagen sind ein ernstzunehmendes Risiko (Bild: fotoliaxrender – Fotolia.com)

„Warstein“ steht für 2 Tote und 167 an Legionellose Erkrankte, die nachgewiesener Maßen Aerosole eingeatmet haben, die aus einem Rückkühlwerk vom Dach eines metallverarbeitenden Betriebes stammten. In Ulm waren 2009 ebenfalls durch Aerosole aus einem Rückkühlwerk neun Menschen an Legionellose verstorben.

„Nach § 319 Strafgesetzbuch wird bestraft, wer gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik verstößt und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen gefährdet“, konkretisiert Kunz das Haftungsrisiko: „Auch die Biostoffverordnung, die im Juli 2013 novelliert worden war, scheint an den Sicherheitsingenieuren spurlos vorbeigegangen zu sein“, sagt Prof. Peter Michael Kunz, der an der Hochschule Mannheim das Institut für biologische Verfahrenstechnik leitet. Denn: „Mikroorganismen zählen zu den biologischen Arbeitsstoffen, für die nach Arbeitsschutzgesetz Gefährdungsbeurteilungen aufzustellen sind. Was die Sicherheitsleute meist übersehen haben, sind alle Anlagen, in denen Biozide eingesetzt werden, Mikroorganismen enthaltende Bioreaktoren!“

Betroffen sind Produktionsbetriebe, in denen wässrige Systeme, zu denen neben den Kühlsystemen Wasserlackier- und Färbeanlagen, Kühlschmierstoff- Systeme, Entfettungsanlagen und Waschtische, Sprinkleranlagen etc. gehören. Diese müssen künftig eine Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung durchführen. Für ein Dutzend solcher Fälle hat das Umweltministerium in Baden-Württemberg nun exemplarisch Gefährdungsbeurteilungen erstellen lassen, die derzeit noch mit den Berufsgenossenschaften diskutiert werden. Auf verschiedenen Wegen sollen die Unternehmen und deren Sicherheitsingenieure mit dem erarbeiteten Material versorgt werden. Dadurch sollen diese in die Lage versetzt werden, die eigenen Mitarbeiter nach geltendem Recht vor Infektionen, Allergien o.ä, aber auch Legionellose zu schützen.

Die Inhalte sind auch Gegenstand einer eintägigen Veranstaltung, die von der Technischen Akademie Esslingen am 23.10.2014 angeboten wird.

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