Markt

Locomotive Breath

09.12.2007

Zufriedenheit allerorten: Die Zunft der Prozessausrüster spürt derzeit wie noch nie den heißen Atem der Konjunkturlokomotive Anlagenbau. Aufträge in Höhe von 31,3 Mrd. Euro holten allein die in der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im VDMA zusammengeschlossenen Mitgliedsunternehmen im Zeitraum von Juli 2006 bis Juni 2007 herein, wie der Verband im November vermeldete. Nach 26,3 Mrd. Euro in 2006 hat die Lok noch weiter Fahrt aufgenommen. Ihre Zugwirkung entfaltet die Branche nicht zuletzt auf die Zulieferer von Maschinen, Apparaten, Automatisierungskomponenten, Planungsleistungen und so weiter. Und auch für das Gesamtjahr 2007 sowie für 2008 rechnet die Arbeitsgemeinschaft mit weiterem Wachstum. Ein Weltmarktanteil von zirka 20 % unterstreicht die Bedeutung des deutschen Großanlagenbaus.

Da die Abwicklung solcher Projekte drei bis fünf Jahre dauert, ist auch bis 2012 mit einer anhaltenden Nachfrage zu rechnen – solide Zahlen, die unsere Einschätzung im CT-Trendbericht Anlagenbau (siehe CT 9/2007, abrufbar im Online-Dossier Anlagenbau unter www.chemietechnik.de) stützen.

Ein idealer Zeitpunkt, um „aus dem Dornröschenschlaf aufzuwachen“ – meint Dr. Norbert Kuschnerus, Vorstandsvorsitzender der „Interessengemeinschaft Automatisierungstechnik in der Prozessindustrie“. Auf der diesjährigen Namur-Hauptsitzung (Bericht ab Seite 42) mahnte Kuschnerus an, dass Prozessbetreiber die gute Konjunktursituation dazu nutzen sollten, Prozessführungsmethoden und technische Ausrüstung der Anlagen zu verbessern. Denn von den Rekordzahlen darf sich die Branche nicht blenden lassen: Die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Produzenten hängt angesichts steigender Energie- und Rohstoffkosten davon ab, wie effizient die Verfahrenstechnik mit den eingesetzten Ressourcen umgeht.

Zum Selbstzweck wird die (Automatisierungs-)Technik jedoch auch in der Boom-Phase nicht werden. Das macht schon die revolutionäre Forderung der Interessengemeinschaft nach einem „Namur-Standardgerät“ für die einzelnen Messparameter deutlich, mit dem sich zukünftig 80 % der Anwendungen, beispielsweise in der Massedurchflussmessung, abdecken lassen. Und damit setzen die Prozessbetreiber sowohl die Konjunkturlok Anlagenbau als auch die Zulieferer weiter unter Zug-Zwang. Oder wie es Jethro Tull im Hit „Locomotive breath“ ausdrückt: „The train won‘t stop going.“
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Mail an: armin.scheuermann@chemietechnik.de

Über die aktuelle Situation und die Trends im Anlagenbau informiert Sie auch unser Online-Dossier unter www.chemietechnik.de/dossier

Heftausgabe: Dezember 2007

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Scheuermann
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