November 2014
| von Philip Bittermann, Redaktion

Über seine frühen Jahre ist nur wenig bekannt, auf der Landkarte der Geschichte wurde er nach seiner Geburt erstmals wieder im Jahr 1903 sichtbar, als sich der mittlerweile gelernte Kaufmann zusammen mit Siegfried Schuckert vornahm, die Elektrifizierung Deutschlands voranzutreiben. Gemeinsam gründeten sie das „Consortium für elektrochemische Industrie“, dessen erklärtes Ziel es war, mit Hilfe von elektrochemischen Verfahren aus Carbid und seinem Folgeprodukt Acetylen nutzbringende chemische Verbindungen herzustellen.

Startpunkt Burghausen
1914 dann der nächste, vielleicht wichtigste Meilenstein: Wacker erhält die Genehmigung, unweit der oberbayerischen Stadt Burghausen ein Wasserkraftwerk sowie einen Kanal, der die Flüsse Alz und Salzbach verbindet, zu errichten. Damit sicherte er sich die Stromerzeugung für die noch im gleichen Jahr gegründete „Alexander Wacker Gesellschaft für elektrochemische Industrie“ und löste bereits in diesen Jahren ein Problem, mit dem sich Standortbetreiber auch heute wieder beschäftigen: eine nachhaltige und vor allem unterbrechungsfreie Energieversorgung. Es sollte die Keimzelle des Wacker-Konzerns werden, der heute 16.000 Mitarbeiter auf allen fünf Kontinenten beschäftigt. Wichtigster Umsatzträger in diesen frühen Jahren war Aceton, das Weiterverarbeiter für die Produktion synthetischen Gummis in großen Mengen benötigten. Zum Einsatz kam hier die sogenannte Direktoxidation von Acetylen zu Acetaldehyd, die weltweit lizensiert wurde.

Sprung über den Teich
1947 läutete das Unternehmen dann die Ära des Siliciums ein. Das ab diesem Zeitpunkt produzierte metallurgische Silicium verhalf der Welt zu ihrer heutigen Form – es war Rohstoff für die Produktion von Reinstsilicium für die Halbleiterindustrie. Zehn Jahre später eine erneute Diversifikation: Mit der ersten Anlage zur Produktion von Dispersionspulver betritt das Chemieunternehmen das Feld der Polymerchemie. Kurz darauf entwickelte Wacker auch Co- und Terpolymerisate, die Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten von Dispersionen noch einmal deutlich erweiterten. Ein Höhepunkt war die Entdeckung von Vinylacetat-Ethylen-Copolymer im Jahr 1960, das die Produktion von Kunststoffen mit Eigenschaften wie einer erhöhten Bruchdehnung ermöglichte. Ende der 1960er Jahre dann der Sprung über den Atlantik: Als erstem europäischen Großhersteller von Siliconen gelang es Wacker, Fuß auf dem US-Markt zu fassen. Zeitgleich entstand aufgrund der starken Nachfrage bezüglich Vinylkunststoffen auch die Überlegung, die Herstellung von Acetylen statt aus Carbid – was energieintensiv und teuer ist – durch ein Verfahren auf Erdölbasis zu ersetzen. Ergebnis war das „2. Wacker-Verfahren“ zur Produktion von Essigsäure auf Ethylenbasis. Die kommenden Jahre nutzte das Unternehmen vor allem dafür, weltweit Standorte zu errichten: von Holland über Mexiko und 1983 dann erstmals im asiatischen Markt mit Wacker Chemicals East Asia in Tokio.

Viel Wandel und eine Konstante
1990 war es dann wieder Zeit für ein neues Geschäftsfeld; die Ära der Biotechnologie brach an und das Biotechnikum am Heimatstandort Burghausen nahm seinen Betrieb auf. Generell verschrieb sich der Konzern in den Jahren seit der deutschen Wiedervereinigung mehr und mehr seinen Pharma-
Aktivitäten: Im Jahr 2005 entstand die
Wacker Biotech GmbH, gleichzeitig ging Prothera aus Jena in den Besitz über. Damit erweiterte sich das Firmenportfolio um die Auftragsentwicklung von Pharmaproteinen. Damit nicht genug, stieß im Jahr 2013 Scil Proteins Production aus Halle zur Unternehmensfamilie. Dort entstehen pharmazeutische Wirkstoffe sowohl für klinische Prüfungen als auch für die Marktversorgung. Aber auch mit seinen anderen Sparten verfolgte das Unternehmen einen steten Expansionskurs: 1998 kauft Wacker den Chemiestandort Nünchritz in Sachsen, 2004 beginnt die Siliconproduktion in China, und zuletzt 2011 feiert der Konzern in Charlestown, Tennessee, den Spatenstich für den Bau einer weiteren Produktionsanlage für Polysilicium. Dazwischen: Ein- und Ausstieg der Hoechst AG; am 8. April 2006 dann der Gang an die Börse – und damit Geburtsstunde der heutigen Wacker Chemie AG mit Hauptsitz in München. In den vergangenen 100 Jahren hat sich also vieles verändert. Nur eines nicht: Mit Urenkel Peter-Alexander steht bis heute ein „echter“ Wacker dem Unternehmen vor. Geboren wurde der aber in Tegernsee.

Hier gelangen Sie zur Homepage des Unternehmens.

Über die 150jährigen Jubiläen des Industriepark Hoechst und Bayer können Sie hier lesen.

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