Es brannten unter anderem Rohrleitungen mit den Produkten Ethylen und Propylen. (Bild: BASF)

Laut Staatsanwaltschaft wurde am Brandort ein Winkelschleifer-Schnitt an einer nicht zur Wartung vorgesehenen Rohrleitung gefunden. (Bild: BASF)

| von Armin Scheuermann

Wie die Staatsanwaltschaft Frankenthal gestern mitteilte, befand sich in dem Rohr brennbares Raffinat, das nach dem Schnitt mit einem Winkelschleifer ausgetreten war und zu brennen begonnen hatte. Die angeschnittene Rohrleitung war von den Wartungsarbeiten ausgenommen.  Die Ermittlungen der Polizei konzentrieren sich deshalb nun auf den Ablauf der Wartungsarbeiten, die von einer Fremdfirma ausgeführt worden waren, sowie die Sicherheitsmaßnahmen. Die Klärung der Ursache erfordere aber noch umfangreiche weitere Ermittlungen – das betroffene Leitungsstück muss demnach unter „absolut sicheren Umständen“ herausgetrennt werden. Dazu seien von der BASF in Abstimmung mit den Genehmigungsbehörden umfangreiche Reinigungsarbeiten notwendig.

Gestern war den drei Todesopfern des Unglücks mit einer Trauerfeier im BASF-Feierabendhaus gedacht worden. BASF-Vorstandschef Kurt Bock kündigte eine Überprüfung und weitere Investitionen in Sicherheitsmaßnahmen an.

Aktuelle Pressekonferenz der BASF

In einer aktuellen Pressekonferenz haben heute früh BASF Vorstandschef Kurt Bock und Vorstandsmitglied Margret Suckale über den aktuellen Stand der Ursachenermittlung berichtet. Demnach wurden an einer Propylenleitung bereits am 13. und 14. Oktober von einer Spezialfirma für Rohrleitungsbau vorbeugende Instandhaltungsmaßnahmen ausgeführt. Am Montag, 15. Oktober, kam es dann zu einem Brand an der Rohrleitungstrasse, der um 11:20 bei der Werkfeuerwehr gemeldet wurde. Die Feuerwehr war drei Minuten später vor Ort, wiederum drei Minuten später kam es zu der schweren Explosion, möglichweise infolge des ersten Brandes. Mit hoher Wahrscheinlichkeit fand die Explosion in der Ethylen-Ferngasleitung statt. Diese Explosion hat dann an mehreren Stellen des Rohrleitungsgrabens Folgebrände ausgelöst. Dadurch wurden weitere Produktversorgungsleitungen beschädigt.

Schließlich kam es zum Austritt und Brand von Ethylen, Propylen, Butan-Buten-Gemisch, Pyrolysebenzin und Ethylhexanol. Das Brandbekämpfungskonzept sieht vor, diese gezielt abbrennen zu lassen. Erst um 21:30 Uhr konnte das Feuer gelöscht und der Rohrleitungsgraben mit einem Löschschaumteppich abgedeckt werden.

„Nach der heutigen, vorläufigen Einschätzung halten wir folgende Ursachenkette für möglich“, berichtete Suckale: „Bei den Sicherungsarbeiten hat die Feuerwehr der BASF einen Schnitt in einer Leitung neben der Propylenleitung festgestellt. Der Schnitt wurde nach Auskunft der Staatsanwaltschaft offensichtlich mit einer Trennscheibe vorgenommen. Die angeschnittene Leitung enthielt das Butan/Buten-Gemisch. Wir halten es für möglich, dass dieses Gemisch ausgetreten ist, sich dann an den von der Trennscheibe hervorgerufenen Funken entzündete, was zum ersten Brand führte.“

Dass es in diesem Jahr bereits zu 16 Unfällen – davon 6 meldepflichtigen – gekommen ist, begründete Suckale mit einer gestiegenen Anzahl turnusmäßiger Abstellungen und einer gestiegenen Anzahl von Anfahrvorgängen.

Dem Vorwurf, dass die BASF an der Sicherheit gespart habe, widersprach BASF-Chef Kurt Bock vehement. „Wir haben eine ausgeprägte Sicherheitskultur“. Das Unternehmen belegte dies mit kontinuierlich steigenden Aufwendungen für Instandhaltung, Ersatz, Nachrüstung und Modernisierung, die in Ludwigshafen diesem Jahr knapp 1,6 Mrd. Euro erreichen werden.

(as)

Bilderstrecke: Fakten zur heutigen Pressekonferenz der BASF

Fakten zum Großbrand:

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