Schmutzbad

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| von Ansgar Kretschmer, Redaktion

Der allradgetriebene Geländewagen „Grenadier“ soll Ratcliffe über den Verlust des seit 2016 nicht mehr produzierten Land Rover Defender hinweghelfen. Die dazu ins Leben gerufene Tochter Ineos Automotive sollte für den Bau des Fahrzeugs eigentlich ganz patriotisch auf walisischem Boden britische Arbeitsplätze entstehen lassen. Dann jedoch schien Brexit-Befürworter Ratcliffe aufzugehen, dass der Abschied aus der EU doch ein bisschen mehr Geld kostet als gedacht. Naheliegende Sparmaßnahme: Erstmal den Firmensitz nach Monaco verlegen. Und die Autobau-Marotte lässt sich Vorstand und Aktionären auch viel leichter schmackhaft machen, wenn sie nicht zu teuer wird – also schnell den geplanten Produktionsstandort in Wales durch ein bestehendes Werk in Frankreich ersetzen.

Exzentrik ist Übungssache

Günstig zu haben war in diesem Fall der ehemalige Smart-Produktionsstandort Hambach. Dessen Vorbesitzer Daimler kann dank dieser kanalüberschreitenden Nachfolgeregelung nun guten Gewissens 1.600 Arbeitsplätze einsacken und nach China abwandern: Mit BMW-Motoren und ZF-Getrieben hat der in Frankreich gefertigte britische Geländewagen einen soliden deutschen Kern. Bei so viel europäischer Zusammenarbeit drängt sich der Eindruck auf, der Brexit sei gar nicht nötig.

Vergleiche drängen sich auf zur Vorgehensweise des launischen Milliardärs Elon Musk: Wenn man etwas wirklich haben will, produziert man es am besten selbst – sei es nun ein Elektroauto, ein Flug zum Mars, ein Tunnel unter Los Angeles oder ein Flammenwerfer (auch wenn Letzterer nicht so heißen darf). Exzentrik dieses Ausmaßes, gepaart mit Innovationsversuchen, muss Ratcliffe allerdings noch üben: Ein tonnenschwerer Geländewagen mit Verbrennungsmotor mag zwar den SUV-Trend nicht nur bedienen, sondern auf die Spitze treiben – innovativ ist daran aber erstmal nichts. Selbst die langsamsten aller Automobilhersteller planen mittlerweile mit Elektro- oder Wasserstoff-Antrieben. Für eventuelle Schlammschlachten ist das Gefährt allerdings die richtige Ausstattung.

Möglicherweise ist dies ein britisches Ding. Immerhin hat der Inselstaat mit einem Großauftrag für den Neubau des Kernkraftwerks Hinkley Point C allen Verfechtern regenerativer Energien den ausgestreckten Bil-Finger gezeigt. Andererseits scheint Fachkenntnis im Land vorhanden zu sein: Die jüngste Projektion, dass der Aufstieg regenerativer Energien auch zu günstigem Strom für die Wasserstofferzeugung führt, stammt von einem britischen Unternehmen, nämlich der Beratungsagentur Wood Mackenzie aus Edinburgh. Fast könnte man meinen, die Nachbarn auf der Insel neigen zu unüberlegten Entscheidungen …

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