child jumping in a wet muddy puddle

Bild: freila – Adobe Stock

| von Ansgar Kretschmer, Redaktion

Denn was tut man doch gleich, wenn Grün die Modefarbe ist, man selbst aber hauptsächlich mit schmutziger Ölfarbe malt oder mit Kohle zeichnet? Regelmäßige Spotlight-Leser erinnern sich vielleicht: Man verfasst Pressemitteilungen mit grünem Anstrich. Beim Ölkonzern Wintershall Dea wollte man jüngst nicht mal mehr warten, bis die grüne Farbe trocken ist.

In grünen Gummistiefeln durchs Watt

Der Betreiber der Mittelplate A, Deutschlands einziger Ölbohrinsel, jubelte: „Bohr- und Förderinsel spart jährlich bis zu 36.000 t CO2 ein.“ Wer nun glaubt, die Förderinsel im Wattenmeer schraubt aus Klimaschutzgründen ihre Förderleistung zurück – zu früh gefreut. Zwar wäre es naheliegend, Emissionen aus fossilen Energieträgern zu senken, indem man diese Energieträger Fossilien bleiben lässt.

Die Mittelplate spart jedoch nur Emissionen, indem sie ihren Eigenbedarf jetzt mit Strom aus regenerativen Quellen deckt. Das Öl fließt weiter, der CO2-Fußabdruck fällt in grünen Gummistiefeln lediglich eine halbe Nummer kleiner aus. Ein „konkreter Schritt zur Senkung der Emissionen und zu mehr Klimaschutz“ wäre mit kleineren Stiefeln vielleicht auch nicht im Fettnäpchen gelandet.
Es drängt sich außerdem die Frage auf: Wie viel mehr ließe sich einsparen, wenn man die ganze Plattform stilllegt? Schauen wir uns das mal näher an: Petroleum hinterlässt als Energiequelle einen Fußabdruck von 0,9 kg CO2/kWh. Praktischerweise noch nicht darin enthalten sind zusätzliche Kosten für Förderung und Verarbeitung, die wir aber in diesem Fall – schließlich wird die Ölplattform jetzt emissionsneutral betrieben – erstmal vernachlässigen. Ein Barrel Öl liefert 70 kWh elektrische Energie, wobei demnach 63 kg CO2 anfallen.

Die Mittelplate fördert täglich 25.000 Barrel, das entspricht einem Fußabdruck von 1.575.000 kg bzw. 1.575 t CO2. Wohlgemerkt, am Tag, im Jahr sind es 574.875 t. Die durch Grünverstromung eingesparten Emissionen der Plattform entsprechen damit etwas mehr als 6 % der Emissionen aus dem geförderten Öl. Eine Stilllegung der Plattform würde die Emissionen um das 16fache senken. Aber den Schuh will sich der Betreiber offenbar nicht anziehen, das drückt dann doch zu sehr am Plattfuß.

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