Kröte

(Bild: Damir – AdobeStock)

Zum Beispiel den Bau neuer LNG-Terminals, der mit einem nicht weniger symbolischen, aber dafür umso wuchtigeren ersten Rammschlag begann. Das klingt doch gleich viel durchschlagskräftiger, krawumm, ein Beginn wie ein Rammstein-Song. Geschenkt, dass eins der bekanntesten Stücke der Band nicht von Erdgas handelt, sondern das Kommen der Sonne besingt. Dann schon lieber mit „Deutschland“ die sogenannte Unabhängigkeitserklärung von russischem Gas feuern, äh, feiern.

Noch mehr Unabhängigkeit sollen wir alle nicht nur durch Import von Energieträgern gewinnen, sondern durch Energiesparen. Klingt logisch: Wenn wir alle weniger Energie benötigen, müssen wir weniger davon kaufen. Dieser geradezu revolutionäre neue Ansatz war dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz jüngst die Veröffentlichung des „Arbeitsplan Energieeffizienz: Energiesparen für mehr Unabhängigkeit“ wert. Beruhigend, dass nach all dem Gerede über Energieeffizienz auch mal jemand anfängt, die Arbeit daran zu planen.

Lebensraum für lebende Fossilien

Gleich das erste Kapitel befasst sich mit Förderung und Anreizen für Effizienzmaßnahmen. Und wenn es um Förderungsgelder im Energiesektor geht, führt kein Weg am Begriff der Taxonomie vorbei. Taxonomie ist nicht die Wissenschaft der erwerblichen Personenbeförderung und hat auch nichts, oder nur wenig, mit Steuern zu tun. Taxonomie regelt die Zuordnung von Begriffen in verschiedene Kategorien. In der EU legt sie fest, was als nachhaltig gilt und folglich Förderung und Milliardeninvestitionen wert ist, und was nicht. In der Biologie entscheidet die Taxonomie, zu welcher Art, Unterart, Gattung oder Familie ein Organismus gehört und mit welchem wohlklingenden lateinischen Namen er sich schmücken darf.

Dazu hier einige spekulative Beispiele, wo EU-Taxonomie und Biologie sich treffen könnten: Die Art Ventocaptor angustifolia (langblättriger Windfänger) etwa wird derzeit in Offshore-Parks in der Nordsee sehr erfolgreich hochgezüchtet, um unter anderem nachhaltige Energie für die geplante (vegane) Massenhaltung von Hydrogenium verde (grüner Wasserstoff) zu liefern. Aber Biodiversität, vulgo Artenvielfalt, ist wichtig. Daher dient der jüngste Rammschlag auch zum Ausbau des Lebensraums des lebenden Fossils Kompressa ellendschi. Deren östliche Variante (Subspezies K. ellendschi nordstreamschröderi) ist jüngst in Verruf geraten und gilt als invasive Spezies. Zuwanderung der westlichen Variante (Subspezies K. ellendschi americana) soll die Invasion stoppen. Die neuen LNG-Terminals sind damit so etwas Ähnliches wie Krötentunnel und folglich auch für einen grünen Wirtschaftsminister durchaus tragbar.

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