März 2015

Für Marktbeobachter
  • Die verschiedenen Theorien für die Prognose des Ölpreises – darunter politisches Kalkül und Marktanteils-Schutz durch Saudi Arabien – ergänzen Marktforscher wie DB Research jüngst auch um den Faktor Klimaschutz.
  • Demnach könnten Ölvorkommen wertlos werden, wenn die Weltgemeinschaft damit ernst machen sollte, den globalen Temperaturanstieg zu begrenzen.
  • Ein Paradigmenwechsel in der Ölpreisfindung scheint wahrscheinlich, weil nicht mehr Saudi Arabien den Preis „für das letzte Fass“ bestimmt, sondern Fracking-Unternehmen in den USA.


Energieprognose der IEA

Die Internationale Energieagentur IEA veröffentlicht jährlich im November ihren World Energy Outlook. In der aktuellen Ausgabe geht die IEA davon aus, dass der globale Energiebedarf bis 2040 um 37 % steigen wird – ein Zuwachs von 1,1 % p.a. Allerdings setzt dieses moderate Wachstum deutliche Anstrengungen in Sachen Energieeffizienz voraus. Das Nachfragewachstum verschiebt sich weg von OECD-Staaten hin zu Nicht-OECD-Ländern. Bis Mitte 2020 wird China den Nachfragezuwachs dominieren, danach werden andere Nicht-OECD-Länder den Bedarf prägen.

In Öl gerechnet, werden laut IEA 2040 täglich 104 Mio. Fass Öl benötigt werden – 14 Mio. Fässer mehr, als derzeit. Bis 2025 wird der Förderzuwachs von nicht-Opec-Ländern wie USA, Kanada und Brasilien kommen, ab 2025 sollen vor allem Förderländer des Mittleren Ostens für den Zuwachs aufkommen. Für Erdgas wird bis 2040 ein lineares Wachstum auf 5.400 Mrd. Kubikmeter prognostiziert. Der Anteil unkonventionellen Erdgases wird von derzeit 17 auf 31 Prozent ansteigen. Voraussetzung dafür werden Investitionen in Höhe von 11 Billionen USD sein. Laut IEA wird der Kohlebedarf deutlich langsamer steigen als bisher – es wird ein Plus von 0,5 % p.a. angenommen.

CT-Umfrage
Ölpreis-Prognose der Anlagenbauer

Auch für den deutschen Anlagenbau ist die Entwicklung des Ölpreises ein wichtiger Faktor. Ende Januar haben wir deshalb rund 160 ausgewählte Teilnehmer des 3. Engineering Summit – allesamt Führungskräfte im deutschen Anlagenbau – nach ihren Erwartungen für den Ölpreis befragt. Unter den 23 Umfrage-Teilnehmern erwartet die Mehrzahl der Befragten für 2015 im Durchschnitt einen Ölpreis zwischen 46 und 60 USD/Fass. Im kommenden Jahr wird sich Rohöl aus Sicht der Anlagenbauer etwas verteuern, aber unter 80 Dollar bleiben. Interessant ist die langfristige Erwartung – hier gibt es eine starke Gruppe, die den Ölpreis unter 80 Dollar sieht, eine andere erwartet Preise über 100 Dollar und einige wenige sehen sogar Preise jenseits 150 USD/Fass. Top31503

Kommentar
180°-Wende

Die jüngsten Entwicklungen beim für die Chemie und die Weltwirtschaft insgesamt so wichtigen Indikator Ölpreis sind dramatisch. Der Wechsel zwischen Monopolmarkt und Wettbewerbsmarkt bedeutet eine 180 °-Wende. Doch noch spannender ist der Gedanke, ob künftig klimapolitische Ziele das Kräftespiel mit bestimmen könnten – nämlich dann, wenn die Erkenntnis reift, dass Öl- und Gasvorkommen zwar im Überfluss vorhanden sind, es sich aber verbietet, diese komplett aus der Erde zu holen und zu verbrennen. Aus Bodenschätzen würden dann „Stranded Assets“. Ohne diese Betrachtung bleibt eine Erderwärmung um maximal 2 °C bis 2050 eine Illusion, und die Folgen der Klimaerwärmung werden massiv sein. Letzeres wird in den aktuellen Prognosen der IEA oder von Exxon Mobil geradezu fatalistisch in Kauf genommen. Wenn die IEA Recht behält, wird der Ölpreis langfristig steigen. Ringen sich die Staatenlenker dagegen zur Umsetzung gemeinsamer Klimaziele durch, dann kann das nur auf Kosten des Öl- und Kohleeinsatzes gehen – mit gravierenden Wertverlusten für die Ölindustrie. Es sei denn, es kommt noch eine disruptive Technologie wie beispielsweise die wirtschaftliche Abscheidung und sichere Speicherung von Kohlendioxid um die Ecke – nur dann können wir weitermachen, wie bisher.

Hier finden Sie eine Auswahl von Quellen und Hintergrund-Beiträgen zu diesem Artikel:

Bloomberg-Artikel zum Interview mit Opec-Generalsekretär El Badri

Nature-Artikel von Christophe McGlade und Paul Ekins über Öl als „Stranded Ressorce“, wenn die Welt ernst macht mit dem 2 °C-Klimaziel sowie von Science Daily veröffentlchte Studie.

Telegraph-Artikel zum Thema „Ölindustrie riskiert stranded assets“

Artikel „What is the future direction of oil prices“ von Anatole Kaleetsky in „The Guardian“ vom 15.1.2015

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