Bild: industrieblick – Fotolia

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  • Die deutsche und europäische Chemie profitiert derzeit von der wachsenden Weltwirtschaft.
  • 2017 sollen Industrieproduktion und Bruttoinlandsprodukt um 2,3 % wachsen, die Chemie rechnet mit einem Produktionsplus von 3,4 %.
  • Vor allem die Produktion von Primärkunststoffen und Petrochemie trägt  aktuell zu den guten Geschäftszahlen der Chemieunternehmen bei.

12-19-24 – diese Werte prägten die Quartalsberichte, die von Bayer, BASF und Covestro in den letzten April-Tagen an die Presse verschickt wurden. Gemeint sind jeweils die Prozentzahlen für das jeweilige Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr. Noch besser wird die Situation, wenn man auf die Unternehmensergebnisse blickt: +14,9 % bei Bayer, +29 % bei der BASF und satte 67 % mehr bei Covestro. Interessanterweise sind es nicht nur Life Science, Pharma und Spezialchemie, welche die deutsche Chemie derzeit glänzen lassen, sondern vor allem die Produktion von Primärkunststoffen und Petrochemie.

Während beim Umsatzplus teilweise der zuletzt gestiegene Ölpreis eine Rolle spielt, profitiert die deutsche und europäische Chemie derzeit von der wachsenden Weltwirtschaft und der steigenden Industrieproduktion. Vor allem die Automobilbranche sorgt mit ihren wachsenden Absatzzahlen aktuell für eine starke Nachfrage. Insgesamt hat die Chemie derzeit einen Lauf: Während Wirtschaftsforscher für 2017 davon ausgehen, dass die Industrieproduktion und das Bruttoinlandsprodukt um 2,3 % wachsen werden, rechnet die Chemie mit einem Produktionsplus von 3,4 %.

Die Chemieproduktion in Europa ist in den ersten beiden Monaten des Jahres gegenüber 2016 gewachsen (Januar:  4,8 %). Besonders gefragt waren Primärkunststoffe und Industriegase (Zahlen für den Zeitraum Jan.–Feb. 2017/2016). Daten: Cefic, Grafik: CHEMIE TECHNIK

Die Chemieproduktion in Europa ist in den ersten beiden Monaten des Jahres gegenüber 2016 gewachsen (Januar: +4,8 %). Besonders gefragt waren Primärkunststoffe und Industriegase (Zahlen für den Zeitraum Jan.–Feb. 2017/2016). Daten: Cefic, Grafik: CHEMIE TECHNIK

Chemie wächst überproportional

Ein Grund dafür dürfte der steigende Exportanteil sein: So rechnet der europäische Chemieverband Cefic damit, dass der Chemiehandel in diesem Jahr weiter zunehmen wird und das Auslandsgeschäft zusätzlich beleben kann. Im vergangenen Jahr erzielten die europäischen Chemieunternehmen einen Handelsüberschuss von 47,6 Mrd. Euro – 3,3 Mrd. mehr als noch im Jahr zuvor. Befeuert wurde der Handelsüberschuss vor allem durch Zuwächse bei anorganischen Basischemikalien und bei Petrochemie, während Polymere und Spezialchemie weniger stark zum Überschuss beigetragen hatten.

Erhebliche Risiken – EU-Chemie verliert Marktanteile

Blickt die europäische und insbesondere die deutsche Chemie in diesem Jahr also neuen Rekorden entgegen? Während der Pharma- und Pflanzenschutzriese Bayer seinen Ergebnis-Ausblick um
2 Mrd. Euro auf 51 Mrd. Euro erhöht hat, zeigt sich Branchenprimus BASF vorsichtig bis skeptisch. „Bei unserem Ausblick für das Gesamtjahr bleiben wir weiterhin zurückhaltend“, kommentiert Konzernchef Kurt Bock die aktuell guten Zahlen: „Wir sehen nach wie vor erhebliche Risiken mit Blick auf die makroökonimische Entwicklung und das politische Umfeld.“ Sorgen, die auch der Chemieverband Cefic teilt: Dieser sieht als Grund für den aktuellen Exportüberschuss vor allem stark sinkende Chemieimporte in Europa. Das Produktionsniveau sei immer noch 3,6 % niedriger, als im ersten Quartal 2008, dem Rekordjahr, das der Wirtschafts- und Finanzkrise vorausgegangen war. „Die Chemieindustrie in der EU verliert Marktanteile und langfristig auch Produktionswachstum, weil die Energie- und Rohstoffkosten höher sind als in anderen Weltregionen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.

Quartalszahlen: Chemiekonzerne in Zahlen:

BASF: Der Branchenprimus BASF ist gut in das Jahr 2017 gestartet. Im Ersten Quartal stieg der Umsatz um 19 % auf 16,9 Mrd. Euro, der Konzern konnte seine Verkaufspreise um 8 % steigern. Das Ergebnis (Ebit) stieg um 29 % auf 2,5 Mrd. Euro, davon wurden 2,0 Mrd. Euro im Chemiegeschäft erwirtschaftet, das die Segmente Chemicals, Performance Products und Functional Materials & Solutions umfasst. Insbesondere höhere Preise bei Petrochemiekalien und Monomeren seien der Grund für das deutliche Wachstum in diesem Segment. Für 2017 rechnet der Konzern aus Ludwigshafen mit einem Umsatzanstieg um 6 % und einem um ca. 10 % höheren Ergebnis und bestätigt damit die bereits früher kommunizierten Erwartungen.

Bayer: Beim Leverkusener Bayer-Konzern ist der Umsatz im ersten Quartal 2017 um 11,7 % auf 13,2 Mrd. Euro angestiegen. Im Life-Science-Geschäft konnte das Unternehmen 9,68 Mrd. Euro umsetzen und um 4,9 % wachsen. Das Ergebnis (Ebit) kletterte um 34,3 % auf 3,116 Mrd. Euro. Während der Umsatz im Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln im ersten Quartal um 7,4 % auf 4,26 Mrd. Euro gestiegen ist, konnte das Unternehmen im Agrargeschäft 3,2 % mehr umsetzen als im Vorjahresquartal.

Covestro: Der 2016 aus dem Bayer-Konzern ausgegliederte Kunststoffspezialist Covestro hat seinen Umsatz im 1. Quartal deutlich gesteigert: ein Plus von 23,6 % führte zu einem Umsatz  von 3,56 Mrd. Euro. Sowohl die Produktion als auch die Verkaufspreise führten zu einem Ergebnisplus (Ebitda) von 66,5 % – 839 Mio. Euro.

Clariant: Ebenfalls zufrieden ist das Management des Schweizer Chemieunternehmens Clariant. Mit einem Umsatzplus von 9 % (1,48 Mrd. Euro) und einem Ergebnisanstieg (Ebitda) um 10 % auf 230 Mio. Euro erreichte das Unternehmen eine Marge von 15,6 %.

Wacker: Auch der Chemiekonzern Wacker berichtet für das 1. Quartal von deutlich höheren Umsätzen (+ 8 %, insgesamt 1,22 Mrd. Euro) und einem um 12 % gestiegenen Ebitda (229,3 Mio. Euro). Die Marge (Ebitda) betrug im 1. Quartal 18,8 %.

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