LNG

(Bild: aerial-drone – AdobeStock)

Mit der Stellungnahme „Kurzfristige Substitutions- und Einsparportenziale Erdgas in Deutschland“ hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft zur aktuellen Diskussion beigetragen. Demnach lassen sich insgesamt kurzfristig rund ein Fünftel des gesamten Gasbedarfs substituieren oder einsparen – rund ein Drittel der Gasimporte aus Russland. Die größten Potenziale sieht der bdew aus der ungekoppelten Stromerzeugung gefolgt von privaten Haushalten. Die entfallende Stromerzeugung aus Gaskraftwerken kann demnach mit vorhandenen Erzeugungskapazitäten kompensiert werden.

Was ist der Notfallplan Gas?

Der „Notfallplan Gas“ basiert auf der sogenannten europäischen SoS-Verordnung, konkret der Verordnung (EU) 2017/1938 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2017 über Maßnahmen zur Gewährleistung der sicheren Gasversorgung. Er regelt die Gasversorgung in Deutschland in einer Krisensituation. Der Notfallplan Gas kennt drei Eskalationsstufen – die Frühwarnstufe, die Alarmstufe und die Notfallstufe.

Die Frühwarnstufe ist gem. Art. 11 Abs. 1 der europäischen SoS-Verordnung dann auszurufen, wenn es konkrete, ernst zu nehmende und zuverlässige Hinweise darauf gibt, dass ein Ereignis eintreten kann, welches wahrscheinlich zu einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage sowie wahrscheinlich zur Auslösung der Alarm- beziehungsweise der Notfallstufe führt.

In der Industrie sieht das allerdings anders aus: Dort können lediglich 8 % des gesamten in industriellen Anwendungen eingesetzten Erdgases ersetzt werden. Denn das Gas wird dort – zum Beispiel in der Aluminium- oder Glasproduktion – überwiegend zur Erzeugung von Prozesswärme auf hohem Temperaturniveau benötigt. Weil Erdgas nicht nur Energieträger, sondern auch wichtiger Rohstoff ist, sind die Substitutionspotenziale in der Chemie sogar noch geringer: Lediglich 4 % lassen sich dort laut bdew kurz- bis mittelfristig einsparen. Weil manche Gaskraftwerke über die Kraft-Wärme-Kopplung auch zur Beheizung von Wohnungen laufen, können diese ebenfalls nicht ersetzt werden – das Substitutionspotenzial beim Gaseinsatz in Kraftwerken liegt laut bdew aber immerhin bei 36 %.

Während die Bundesregierung gemeinsam mit Wirtschaftsvertretern versucht, verflüssigtes Erdgas in Katar zu beschaffen, wollen auch die USA ihre Liefermengen nach Europa erheblich erhöhen. US-Präsident Joe Biden hatte zugesichert, noch 2022 15 Mrd. m3 LNG liefern zu wollen, langfristig soll die Menge auf 50 Mrd. m3/a steigen. Zum Vergleich: 2021 importierte die EU rund 155 Mrd. m3 Gas aus Russland. Nach Plänen der EU-Kommission soll noch in diesem Jahr ein Drittel der russischen Gasimporte ersetzt werden. Deutschland plant bis Ende des Jahres 30 % der russischen Importe zu substituieren.

Doch diese Maßnahmen können nur kurz- und mittelfristig helfen, die Abhängigkeit vom russischen Aggressor zu verringern. Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien: Es müsse so schnell wie möglich mehr Fläche für Erneuerbare-Energien-Anlagen ausgewiesen werden, meint der bdew.

Engineering Summit 2022 - Folgen des Russland-Konflikts für den Anlagenbau

Logo Engineering Summit

Wie sich der Russland-Konflikt kurz- und langfristig auf den europäischen Anlagenbau auswirken wird, ist auch Thema des kommenden Engineering Summit, der vom 20. bis 21. Juli 2022 in Darmstadt stattfinden wird. Unter dem Motto „Welcome to the new realities in plant engineering“ werden Führungskräfte aus dem europäischen Anlagenbau die aktuellen Entwicklungen der Branche diskutieren.

Russland war in den vergangenen Jahren einer der Haupt-Auftraggeber des deutschen Großanlagenbaus. Dieses Geschäft wird sich aufgrund der Sanktionen infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine verändern. Gleichzeitig wird die beschleunigte Transformation des Energiesektors in Europa zu neuen Chancen und Projekten führen. Im Summit Talk am 21. Juli werden wir das Thema mit führenden Köpfen des Anlagenbaus ausloten. Mehr Informationen unter www.engineering-summit.de

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