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Russland war in 2020 der größte Absatzmarkt für die Unternehmen des deutschen Großanlagenbaus. Bild: chris jewiss - Fotolia.com

Ein Blick in den Lagebericht der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im VDMA zeigt, wie wichtig Russland als Absatzmarkt für die Unternehmen des deutschen Anlagenbaus ist: Mit 19 % der Aufträge war der Anteil in 2020 enorm groß. Allerdings war 2020 auch kein normales Jahr: Infolge der Pandemie war es zu einem erdrutscharrtigen Nachfrageeinbruch gekommen - die Bestellungen waren um 42 % von 14,7 Mrd. Euro in 2019 auf 8,6 Mrd. Euro gesunken. Während die Nachfrage in allen Regionen gleichermaßen zurückgegangen war, hielt sich das Bestellniveau in Osteuropa.

Russland ist wichtigster Markt für den VDMA-Chemieanlagenbau

Kunden aus Osteuropa und der GUS – das sind die osteuropäischen EU-Mitglieder sowie die Länder des Balkans und der ehemaligen Sowjetunion – hatten 2020 Aufträge im Wert von 2,3 Mrd. Euro vergeben (2019: 2,4 Mrd. Euro). Im Lagebericht der VDMA AGAB heißt es dazu: "Russland ist aufgrund seines Ressourcenreichtums traditionell der Kernmarkt des Großanlagenbaus in der Region und war im Berichtszeitraum mit Buchungen von 1,6 Mrd. Euro (2019: 1,4 Mrd. Euro) das wichtigste Kundenland weltweit. Allein 80 % dieses Volumens stammte aus Großprojekten, wobei ein Megaauftrag für den Bau einer petrochemischen Anlage im Wert von über 900 Mio. € herausstach. Russland unterstrich damit seine Bedeutung als wichtigster Markt für den VDMA-Chemieanlagenbau: In der vergangenen Dekade wurden Bestellungen im Wert von 8,4 Mrd. Euro in diesem Marktsegment gemeldet, das sind mehr Aufträge für Chemieanlagen als aus Brasilien, China, Indien und den USA, die zusammengenommen auf Aufträge in Höhe von 5,7 Mrd. Euro kommen."

Die Auftragseingänge aus den Industrieländern Westeuropas und Nordamerikas sowie Australien, Neuseeland, Japan und Südafrika – waren im Berichtszeitraum 2020 um 49 % auf 2,6 Mrd. Euro (2019: 5,0 Mrd. €) gesunken. Überdurchschnittlich waren die Rückgänge in Nordamerika, wo die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Aufträge in Höhe von 646 Mio. Euro akquirierten, das waren 62 % weniger als 2019 (1,7 Mrd. Euro). 2019 war das Geschäft noch durch eine Sonderkonjunktur im US-Hütten-und Walzwerksbau mit Rekordaufträgen in Höhe von 1,0 Mrd. Euro geprägt gewesen, denen 2020 Bestellungen von lediglich 100 Mio. Euro gegenüberstanden.

In Westeuropa verzeichneten die Mitglieder der AGAB in den Kernmärkten Frankreich (155 Mio. Euro; -53 %), Großbritannien (133 Mio. Euro; -56 %) und Italien (132 Mio. Euro; -34 %) deutlich weniger Aufträge als im Vorjahr.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in der Ukraine stellt sich nun die Frage, wie sich einerseits die Bestellungen entwickeln werden, andererseits, welchen Einfluss die Situation und die Sanktionen auf laufende Projekte haben werden. Näheres dazu wird voraussichtlich in einem Monat zu erfahren sein, wenn die Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im VDMA ihren neuen Lagebericht vorlegt. Hier finden Sie weitere Informationen der VDMA Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau

Engineering Summit 2022 - Folgen des Russland-Konflikts für den Anlagenbau

Logo Engineering Summit

Wie sich der Russland-Konflikt kurz- und langfristig auf den europäischen Anlagenbau auswirken wird, ist auch Thema des kommenden Engineering Summit, der vom 20. bis 21. Juli 2022 in Darmstadt stattfinden wird. Unter dem Motto „Welcome to the new realities in plant engineering“ werden Führungskräfte aus dem europäischen Anlagenbau die aktuellen Entwicklungen der Branche diskutieren.

Russland war in den vergangenen Jahren einer der Haupt-Auftraggeber des deutschen Großanlagenbaus. Dieses Geschäft wird sich aufgrund der Sanktionen infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine verändern. Gleichzeitig wird die beschleunigte Transformation des Energiesektors in Europa zu neuen Chancen und Projekten führen. Im Summit Talk am 21. Juli werden wir das Thema mit führenden Köpfen des Anlagenbaus ausloten. Mehr Informationen unter www.engineering-summit.de

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