Marktprognose: Biokunststoffproduktion verfünffacht sich bis 2016

15.10.2012 Eine überdurchschnittlich positive Entwicklung der Produktionskapazitäten bei Biokunststoffen macht bisherige Prognosen obsolet. Die bisherigen Erwartungen werden in den kommenden Jahren weit übertroffen, meldet der Branchenverband European Bioplastics in Berlin.

Anzeige

Der 2011 rund 1,2 Mio. t zählende Markt für Biokunststoffe wird bis 2016 sein Produktionsvolumen verfünffachen – auf voraussichtlich rund 5,8 Mio. t. Dies geht aus der aktuellen Marktprognose hervor, die der Branchenverband jährlich in Kooperation mit dem Institut für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe der Hochschule Hannover veröffentlicht.

Deutlich am stärksten wächst dabei die Gruppe der biobasierten, nicht-biologisch abbaubaren Biokunststoffe. Vor allem die sogenannten „drop-in“ Lösungen, also Massenkunststoffe wie PE und PET, die jetzt auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt werden, bauen große Kapazitäten neu auf. Teil-biobasiertes PET ist hierbei führend: Bereits heute stellt es rund 40 % aller Biokunststoff-Produktionskapazitäten. Diesen Vorsprung wird teil-biobasiertes PET bis 2016 weiter auf über 4,6 Mio. t ausbauen. Das entspräche 80 % der gesamten Produktionskapazitäten.

Hinter PET folgt biobasiertes PE mit 250.000 t, das sind gut 4 % der gesamten Produktionskapazitäten. „Aber auch die Sparte der biologisch-abbaubaren Kunststoffe zeigt stolze Wachstumsraten: um zwei Drittel werden die Produktionskapazitäten voraussichtlich bis 2016 steigen“, sagt Hasso von Pogrell, Geschäftsführer von European Bioplastics. Führende Wachstumsträger sind hier die Biokunststoffe PLA und PHA mit jeweils 298.000 t (+60 %) beziehungsweise 142.000 t (+700 %).

„Das enorme Wachstum trägt der stetig steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen im Kunststoffbereich Rechnung. Biokunststoffe haben mittlerweile einen festen Platz in zahlreichen Anwendungsgebieten, vom Verpackungsmarkt, über den Elektroniksektor, bis hin zur Automobilbranche“, erläutert von Pogrell.

Ein beunruhigender Trend sei bei der geographischen Verteilung der Produktionskapazitäten zu beobachten. Europa und Nord Amerika seien zwar weiterhin interessant als Standort für Forschung und Entwicklung und blieben ebenfalls als Absatzmarkt wichtig. Doch neue Produktionskapazitäten würden bevorzugt in Südamerika und Asien errichtet. European Bioplastics fordert die europäische Politik auf, ihr erklärtes Interesse für Biokunststoffe in konkrete Maßnahmen zu gießen. „Wir erleben viele generelle Unterstützungsbezeugungen auf EU-Ebene und in den Mitgliedsstaaten“, sagt Andy Sweetman, Vorstandsvorsitzender von European Bioplastics. „Doch es mangelt an konkreten Maßnahmen. Wenn Europa vom Wachstum unserer Branche auf allen Stufen der Wertschöpfungskette profitieren will, ist es höchste Zeit die Weichen entsprechend zu stellen“, fordert Sweetman.

(dw)

Loader-Icon