Die Zukunft gehört dem Strom

McKinsey-Studie zum globalen Energiemarkt

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27.03.2019 146 Länder, 55 verschiedene Energiearten und 30 Sektoren umfasst die Analyse des Beratungsunternehmens McKinsey, die im Januar 2019 veröffentlicht wurde. Auf einen kurzen Nenner gebracht: Die Zukunft gehört dem Strom – und dieser wird in einigen Jahren vor allem aus erneuerbaren Energien kommen.

Entscheider-Facts für Interessierte

  • Die aktuelle McKinsey-Studie kommt zur Einschätzung, dass die globale Energienutzung um das Jahr 2030 herum ihren Höhepunkt erreichen wird.
  • Die sinkende Energieintensität in der globalen Wirtschaft wird den Energiehunger der wachsenden Bevölkerung kompensieren.
  • Ein enormes Potenzial haben nach wie vor Energieeffizienz-Maßnahmen. Sie sind der Schlüssel dazu, um den Bedarfszuwachs zu begrenzen.

Grüne Energie

Bild: ©lassedesignen – stock.adobe.com

Einerseits weil die Kosten für Wind- und Solarenergie weiter sinken, und andererseits, weil Speichertechnologien wirtschaftlich werden. Grund dafür sind auch die Skaleneffekte der Elektromobilität, mit denen das Speichern von Strom wettbewerbsfähig werden kann.

Laut der Studie wird die globale Energienutzung um das Jahr 2030 herum ihren Höhepunkt erreichen. Gleichzeitig rechnet das Beratungsunternehmen damit, dass die sinkende Energieintensität in der globalen Wirtschaft den Energiehunger der wachsenden Bevölkerung kompensieren wird. Als Gründe nennt McKinsey den Aufstieg der Dienstleistungsbranchen und den Rückgang der Schwerindustrie sowie neue Technologien, mit denen sich der Energiebedarf in großen Industrienationen wie China senken lässt. Allerdings müssen dabei lokale Besonderheiten berücksichtigt werden: Während der Energiebedarf in den entwickelten Ländern sinkt, steigt dieser in Afrika und Indien deutlich an und wird sich bis 2050 sogar verdoppeln. Dennoch, so die Studie, wird der Energiebedarf nach einem Jahrhundert rapide steigenden Wachstums bereits um das Jahr 2030 ein Maximum erreichen.

Gebäudetechnik verstärkt den Stromhunger

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Das Beratungsunternehmen McKinsey rechnet damit, dass sich der Mix der Primärenergieträger in den kommenden Jahren deutlich zugunsten erneuerbarer Energien verändern wird. Bilder: McKinsey

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Vor allem im Hinblick auf die Stromproduktion verlieren fossile Energieträger an Bedeutung.

Unter den Energieträgern wird Elektrizität in den kommenden Jahrzehnten die dominierende Rolle spielen. Die hauptsächlichen Treiber für den weiter steigenden Bedarf kommen aus der Gebäudetechnik unter anderem für die Klimatisierung, außerdem sorgt der Trend zur Elektromobilität für die steigende Nachfrage nach Strom. Hier wird der Bruch mit dem historischen Trend auf Basis fossiler Energieträger am deutlichsten. Doch der Stromzuwachs aus erneuerbaren Quellen hat auch eine Kehrseite: So steigt der Bedarf nach Regelleistung im elektrischen Netz vor allem dann, wenn der Anteil von Photovoltaik und Windenergie an der Stromerzeugung auf über 30 % steigt.

Unter den fossilen Energieträgern wird Erdgas bis 2035 die höchsten Wachstumsraten zeigen, doch – so das Ergebnis der Studie – nach 2035 wird auch der Gasbedarf weltweit sinken. Erdöl als Energieträger wird der Analyse zufolge bereits in den frühen 2030er-Jahren seinen Zenit erreichen. McKinsey rechnet im Peak mit einem Bedarf von 108 Mio. Barrel/d – zurzeit werden täglich knapp 100 Mio. Barrel benötigt. Sollten die Elektrifizierung des Transportwesens und das Kunststoffrecycling in großem Maßstab deutlich schneller vorankommen, dann rechnet McKinsey damit, dass der Peak-Bedarf beim Energieträger Rohöl bereits vor dem Jahr 2025 erreicht werden wird.

Wo fossile Energieträger genutzt werden, entsteht das Klimagas Kohlendioxid. Und hier zeichnet die Studie ein optimistisches Bild: Demnach werden die weltweiten energiebezogenen Emissionen bis 2024 ihren Höhepunkt erreichen und danach bis 2050 im Vergleich zum Jahr 2016 um 20 % fallen. Grund dafür ist vor allem der sinkende Einsatz von Kohle – speziell in China und im globalen Energiesektor. Allerdings, so die Experten von McKinsey, wird das 1,5-°C- bzw. das 2-°C-Szenario damit immer noch außer Reichweite bleiben. Wasserstoff als Energieträger könnte der Studie zufolge dann eine deutlich größere Rolle spielen, wenn der Preis auf 3,5 Dollar/kg oder noch niedriger fallen würde.

Energiebedarf entkoppelt sich vom Wirtschaftswachstum

Eine der wesentlichen Aussagen der Studie ist, dass sich das globale Wirtschaftswachstum vom Energiebedarf entkoppelt: Während sich das Bruttosozialprodukt zwischen 2016 und 2050 verdoppeln wird, steigt der Primärenergiebedarf lediglich um 14 %. Der Anteil an kohlendioxidfreien Energien, d. h. erneuerbare Energien kombiniert mit Kernenergie, wird zwischen 2018 und 2050 von 19 % auf 34 % Gesamtanteil steigen. 2035, so die Untersuchung, wird mehr als die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Energien oder aus Kernreaktoren stammen. Ein Grund dafür ist die steigende Wettbewerbsfähigkeit der erneuerbaren Energien. Bis 2030, so die Erwartungen, wird Strom aus Photovoltaik und Wind billiger sein, als das Verfeuern von Kohle oder Gas. Der globale Bedarf an Kohle wird sich, so die Erwartungen, zwischen 2040 und 2050 halbieren. Der steigende Bedarf an Erdgas wird in den kommenden Jahren vor allem durch den chinesischen Hunger nach Erdgas befeuert werden.

IEA-Studie

Energieeffizienz ist der Schlüssel
Ein interessantes Schlaglicht auf den Energiemarkt wirft auch der aktuelle Report der Internationalen Energieagentur IEA, in dem das Marktforschungsunternehmen die Rolle der Energieeffizienz untersucht. Energieeffizienzmaßnahmen, so das Fazit der IEA, bergen ein enormes, bislang nicht angezapftes Potenzial, um einerseits die Auswirkungen der Energieproduktion in Sachen Kohlendioxid zu begrenzen und andererseits Kosten zu sparen. Effizienz, so die IEA, ist der wichtigste Treiber, um den Energiebedarf vom Wirtschaftswachstum zu entkoppeln. Seit dem Jahr 2000 haben Energieeffizienzmaßnahmen in den größten Wirtschaftsnationen etwa ein Drittel der aufgrund des Wirtschaftswachstums zusätzlich nötigen Energie kompensiert. Doch die positiven Effekte entsprechender energiepolitischer Maßnahmen in Sachen Energieeffizienz wurden durch das schnelle Wachstum in den aufstrebenden Schwellenländern überstrahlt.

Außerdem ist noch deutlich mehr drin: Was wäre, wenn zwischen 2018 und 2040 überall die verfügbaren und wirtschaftlich sinnvollen Energieeffizienzmaßnahmen implementiert würden? Diese Frage beantwortet das „Efficient World Scenario“ der IEA. Dieses unterstellt bis 2040 ein Bevölkerungswachstum von 20 % und 60 % mehr Gebäudefläche und eine Verdopplung des Bruttoinlandsprodukts. Alle darin betrachteten Effizienzmaßnahmen sind wirtschaftlich sinnvoll und basieren allein auf Energieeinsparungen unter Nutzung bereits heute verfügbarer Technologie. Das Szenario kommt zum Ergebnis, dass sich die Wirtschaftsleistung pro Energieeinheit zwischen 2018 und 2040 verdoppeln kann, ohne dass der Energiebedarf nennenswert steigt. Würde das Szenario Realität, dann könnte das Maximum der jährlichen Treibhausgasemissionen bereits vor 2020 erreicht werden und bis 2040 um 12 % fallen. Dadurch würden mehr als 40 % der Einsparungen erreicht, die auf der Pariser Klimakonferenz beschlossen wurden.

Prognosen der Welt-Energieexperten

Heftausgabe: März/2019
Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK

Über den Autor

Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK
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