Digitale Heinzelmännchen in explosiver Umgebung

Mobile Instandhaltungslösungen im Ex-Bereich

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23.05.2018 Klemmbrett und Bleistift waren gestern: Komplexe Prozesse und hohe Datenaktualität in der Verfahrenstechnik verlangen nach digitalen Lösungen. Smartphone, Tablet und Co. helfen, wichtige Assets zu verwalten und Instandhaltungsaktivitäten vorausschauend zu planen. Mit geringen Kosten können Anlagen so effizienter betrieben und ausgelastet werden.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Die Instandhaltung und Wartung von Anlagen und Assets im Ex-Bereich ist oft aufwendig und kostenintensiv. Zudem sind Mitarbeiter häufig noch nicht in den modernen Informations- und Datenfluss eingebunden.
  • Mobile Lösungen erleichtern eine effizientere Arbeitsweise und das Asset-Management. Wichtig ist, dass die mobilen Endgeräte und die entsprechenden Anwendungen passend aufeinander abgestimmt sind.
  • Die vorgestellten Geräte bieten ein Lösungskonzept, das auch die Unternehmenskommunikation verbessern und umfassenden Mitarbeiterschutz leisten kann.

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Das explosionsgeschützte Smartphone Smart-Ex 01 liefert mit den passenden Applikationen einen Live-Zugriff und kompakten Überblick über Daten, Wissen und Informationen. Bild: Bilfinger

Mobile Geräte und Applikationen gewinnen nicht nur in unserem täglichen Leben immer mehr an Bedeutung, sondern auch im Arbeitsumfeld. Die Vernetzung von Menschen, Prozessen und Systemen wird in der Prozessindustrie und Verfahrenstechnik immer wichtiger. Industrie-4.0-Lösungen gelten dabei als digitaler Erfolgstreiber.

Doch gerade Mitarbeiter im Ex-Bereich sind häufig nicht in den modernen Informations- und Datenfluss eingebunden. Sei es aus Mangel an wirtschaftlichen Optionen oder weil Geräte nicht kompatibel oder entsprechend zertifiziert sind. Entscheidend ist hier nicht nur eine einzelne Komponente oder Lösung, sondern ein ineinander verzahntes, kompatibles Lösungsportfolio rund um den vernetzten „Mobile-­Worker“. Ein ausgereiftes Mobile-Worker-Konzept ist flexibel, verbessert die Unternehmenskommunikation und macht Produktionsdaten- und -abläufe jederzeit und an jedem Ort verfügbar.

Kosten- und Zeitersparnis durch effizientes Asset-Management

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Mit dem Industrie-Tablet Tab-Ex 02 ist es zu jeder Zeit und an jedem Ort möglich, Informationen zu Assets in Echtzeit zu erhalten und zu senden. Bild: Ecom

In Branchen mit weitläufigen Werksgeländen oder explosionsgefährdeten Bereichen, können Assets und Anlagen meist nur aufwendig und kostenintensiv gewartet und instand gehalten werden. Mobile Lösungen beim Asset-Management können helfen, Anlagenbauteile, Lager- und Standorte zu identifizieren, Daten zu sammeln und sie direkt mit dem Backend-System zu verknüpfen. Dabei ist das Zusammenspiel von eigensicheren, mobilen Endgeräten und den richtigen Anwendungen besonders wichtig.

Das neue Industrie-Tablet Tab-Ex 02 ermöglicht durch Augmented-Reality-Anwendungen, Objekte einer Anlage zu identifizieren und alle zugrunde liegenden, vorhandenen Daten in Echtzeit direkt in das Sichtfeld des Anwenders zu liefern und im Unternehmensnetzwerk zu teilen. Ob Planungsdaten, Instandhaltungsinformationen oder Betriebszustände – die Realität wird hier durch virtuelle Daten, die bereits in der Anlage hinterlegt sind, angereichert und erweitert. Augmented-Reality sorgt für mehr Transparenz sowie schnellere und sichere Prozesse und unterstützt damit das Asset-Management.

Eine professionelle Barcode-Scan-Applikation, wie etwa Camscan-Keyboard, kann darüber hinaus Kosten einsparen, da keine zusätzliche Hardware zum Scannen von Assets benötigt wird. Zum anderen sorgt sie für eine deutliche Zeitersparnis: Die Scanner-Funktion der Keyboard-App kann direkt in Anwendungen von Drittanbietern aufgerufen werden. So können Daten unmittelbar vor Ort eingegeben und anschließend automatisch über eine speziell zugeschnittene Software ins Backend übertragen und geteilt werden. Dadurch spart sich der Techniker das zusätzliche analoge Notieren der Daten und die manuelle Eingabe im Office. Das ist effizienter und verringert die Fehlerquelle bei der Dateneingabe. Mitarbeiter haben dadurch deutlich weniger Aufwand, und Daten können weitgehend vereinheitlicht erfasst werden.

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Das Tab-Ex 02 eignet sich für Industrie-4.0-fähige Anwendungen und vereinfacht den Datenaustausch mit Scada/DCS-Systemen und Warenwirtschaftssystemen wie SAP oder IBM Maximo. Bild: Ecom

Vorbeugende Instandhaltung mit mobilen Lösungen auch im Ex-Bereich

In der Instandhaltung ist es wichtig, dass jeder am Prozess Beteiligte zu jeder Zeit auf alle relevanten Daten in Echtzeit zugreifen kann. Mit diesen für die Planung verwertbaren Informationen kann Ausfällen vorgebeugt werden. Doch gerade im Ex-Bereich ist der Zugriff auf Daten und Informationen in Echtzeit häufig nicht für alle gegeben. Mitarbeiter müssen daher oft noch Papier und Klemmbrett zu Hilfe nehmen und Informationen über den Zustand von Anlagen oder den Fortschritt spezifischer Aufgaben zunächst handschriftlich festhalten, um sie anschließend ins Firmensystem einzutragen und dort zu dokumentieren. Dieses Verfahren ist zeitintensiv, umständlich und fehleranfällig.

Mit der Applikation „BM@work“ für Tablet oder Smartphone lassen sich alle Instandhaltungsarbeiten lückenlos und schnell erfassen. Das vollständig in SAP integrierbare, windowsbasierte Planungs-Tool dient der Visualisierung von Aufträgen und Ressourcen, dem Live Monitoring, dem Status von zu bearbeitenden Aufgaben und vielem mehr. Der Techniker vor Ort bekommt auf seinem Smartphone oder Tablet den Auftrag angezeigt und erfasst einfach und schnell auf seinem mobilen Endgerät, welche Aufgaben er erledigt hat und wie viel Zeit sowie welche Materialien er dafür benötigte. Die Applikation übermittelt diese Informationen automatisch an die Firmendatenbank. Somit lässt sich die Zusammenarbeit mit Kollegen oder Experten außerhalb der explosionsgefährdeten Bereiche nicht nur verbessern, auch Entscheidungswege verkürzen sich. Probleme und Schäden können effizient und schnell behoben werden, ohne dass ein Spezialist die Anlage oder Offshore-Plattform persönlich besuchen muss.

Effiziente Kommunikation zwischen Mobile-Worker und Spezialisten

Für die Dokumentation, Ferndiagnose, Wartung und Instandhaltung bieten auch Videokonferenz-Applikationen im Ex-Bereich Vorteile. Hier kann der Mobile-Worker eine Anlage in einer potenziell gefährdeten Arbeitsumgebung untersuchen und per Video Schäden direkt an einen Experten außerhalb des Bereichs in Echtzeit weiterleiten. Dieser kann, ohne wertvolle Zeit zu verlieren, eine Ferndiagnose stellen und Anweisungen geben, wie die Schäden behoben oder repariert werden sollen.

Zudem lassen sich Smartphone und Tablet per Push-to-Talk-App auch als digitale Funkgeräte nutzen und in den Funkverkehr einbinden. Das stellt den schnellen und effizienten Austausch von Informationen zwischen Kollegen an verschiedenen Standorten sicher – auch in Gruppenanrufen. Die Echtzeit-Kommunikation mit Kollegen und Experten erlaubt dabei auch ein Echtzeit-Handeln, also eine schnelle Schadensbehebung. So können nicht nur Ausfall- und Reparaturzeiten reduziert, sondern auch Kosten gespart werden.

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Wenn Mitarbeiter in gefährlichen Bereichen unterwegs sind, muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass die Rettungskette immer sichergestellt ist. Bild: Keel

Personen in Not schnell auffinden

Werden mobile Lösungen im Ex-Bereich eingesetzt, spielt auch der Alleinarbeiterschutz eine große Rolle. Mit ausgereiften Alleinarbeiterschutz-Applikationen für Smartphones und Tablets lassen sich moderne Kommunikationslösungen mit Personen-Notsignal-Geräten verschmelzen. Ecom Smartphones und Featurephones stellen die Komponenten einer nach BGR-139 geprüften und zertifizierten Lone-Worker-Protection-Lösung bzw. einer Personen-Notsignal-Anlage von Swissphone. Sie sind mit dedizierten Seitentasten für einen One-Touch-Zugang zu Push-to-Talk-Diensten, beispielsweise der gelben PTT-Taste und der roten Notruftaste, ausgestattet. Notfallsignale können entweder durch Tastendruck oder durch einen Lage- oder Aufprallsensor ausgesendet werden. Ein automatischer Rufaufbau im Falle eines ausgelösten Alarms gehört hierbei zu den standardisierten Verfahren, die die Konstitution des Mitarbeiters überprüfen.

Mit speziell für den Ex-Bereich entwickelten Bluetooth-Low-Energy-Beacons (BLE) können Mitarbeiter auch indoor lokalisiert oder im Falle einer Gefahrenquelle gewarnt werden. BLE-Beacons haben in Innenräumen eine Reichweite von 10 bis 30 m. So können Personen schnell und einfach lokalisiert werden. Wie viele Beacons dafür gebraucht werden, hängt von der Fläche der Räumlichkeit und der gewünschten Genauigkeit der Ortung ab. Sogar eine dreidimensionale Ortung ist möglich. Das heißt, es kann auch das Stockwerk angegeben werden, auf dem sich eine Person oder ein Gegenstand befindet und entsprechend an das zentrale Navigationssystem der Leitstelle weitergegeben werden. Die Kombination solcher Lösungen und die ausgelöste Rettungskette bieten damit ein flächendeckendes Sicherheitssystem für alle Mitarbeiter. Mobile-Worker und Arbeitgeber wissen, dass sie sich auf eine sichere und genau auf die Anforderungen der Branche angepasste Alleinarbeiterschutz-Lösung verlassen können und in jedem Fall für schnelle Rettung gesorgt ist.

Fazit: Mobile Lösungen eröffnen neue Möglichkeiten und effizientere Arbeitsweisen im Ex-Bereich. Durch den Zugriff auf Daten jederzeit und von jedem Ort erlauben sie Handlungsempfehlungen in Echtzeit sowie eine direkte Fehlerbehebung und vermindern dadurch ungeplante Ausfälle. Führungskräften verhilft der Informationsfluss in Echtzeit zu einer schnelleren Entscheidungsfindung, Mitarbeiter können sich durch die automatische Übertragung der Daten besser auf ihre Aufgaben konzentrieren und produktiver arbeiten.

Achema 2018 Halle 11.1 – A41

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Heftausgabe: Juni/2018
Paulo Jorge de  Almeida, System  Engineer Mobile  Computing Europe  bei Ecom

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Paulo Jorge de Almeida, System Engineer Mobile Computing Europe bei Ecom
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