Guter Anlagenservice verbindet

Offene und herstellerunabhängige Serviceplattform für Anlagen und Komponenten

Anlagenbau
Chemie
Pharma
Ausrüster
Planer
Betreiber
Einkäufer
Manager

18.09.2019 Die Digitalisierung bietet ganz neue Möglichkeiten zur Vernetzung. Davon kann auch der Anlagenbau profitieren – zum Beispiel beim Service oder bei der Zuordnung von Komponenten auf der Baustelle. Mit dem offenen und herstellerunabhängigen Baustein „Connect“ führt Zeppelin nun Assettracking und horizontale Serviceplattform zusammen.

Entscheider-Facts

  • Der Anlagenbauer Zeppelin hat für seine neue Automatisierungs- und Digitalisierungsplattform den Baustein „Connect“ entwickelt.
  • Damit lässt sich der gesamte Lebenszyklus eines Assets von der Abnahme in der Fertigung bis hin zur vollständigen Wartungshistorie weltweit abrufen.
  • Auch auf der Baustelle helfen die lückenlose Dokumentation der Packstücke und die zur Verfügung gestellten Aufstellpläne den Überblick zu behalten.

Fertigung im Maschinenbau - Ingenieur in der Planung vor Ort // manufacturing engineering

Bild: industrieblick – AdobeStock

Geplant ist, die Technologie ab Herbst bei allen Komponenten des Unternehmens sukzessive auszurollen. Jede Komponente bekommt dann als serienmäßiges „Add-on“ die Möglichkeit, sich mit einem mobilen Endgerät zu identifizieren. Hierzu gibt es mehrere Möglichkeiten: Bluetooth Transponder mit integrierter Vibration- und Temperaturmessung, NFC Chip, Strich- oder QR-Code. Zukünftig werden die zugelieferten Maschinen und Komponenten ebenfalls mit dieser Technologie ausgestattet sein.

Über eine App lassen sich dann spezifische Daten des Assets abrufen. Der gesamte Lebenszyklus eines Assets, von der Abnahme in der Fertigung über die Versanddokumente und die Dokumentationsunterlagen bis hin zur vollständigen Wartungshistorie, ist auf Knopfdruck weltweit abrufbar. Möglich wird dieser Workflow über eine Internetseite und eine Cloudverbindung zu den Mobilgeräten. Das Besondere daran ist, dass sich jedes Mobilgerät direkt am Asset offline betreiben lässt und die Daten automatisch in die Cloud gelangen, sobald es wieder in Reichweite einer GSM- oder WLAN-Verbindung ist.

Anlagenprojekte Juli – August 2019

Alle Informationen auf Knopfdruck

Smart-Components-App_Zeppelin-Systems_Rotary-Feeder_tablet

Über eine App lassen sich zum Beispiel auf einem Tablet alle spezifische Daten eines Assets abrufen. Bild: Zeppelin

Der Techniker hat somit die Möglichkeit, alle relevanten Informationen zu erhalten und direkt vor Ort Servicetickets in Sekundenschnelle zu erstellen. Auch ein Kontakt zum Hersteller des Assets ist jederzeit über „Mail-to-Service“ möglich. Der Dienst erfasst direkt die Kontaktdaten des Absenders, versendet diese mit der E-Mail und den relevanten Daten wie Seriennummer, Baujahr, Fotos, Videos und Kurzbericht. Der Baustein Backend als Webportal bietet dem Anwender die Möglichkeit, seine Serviceaktivitäten effizient zu planen und zu steuern.

Es handelt sich somit um eine vollständig offene, herstellerunabhängige Serviceplattform. Doch wie funktioniert sie im Detail? Bei der internen Abnahme der Komponenten beim Hersteller stehen die Daten aus dem ERP-System bereits auf der Plattform bereit. Der Abnehmer nimmt alle Dokumente und Fotos direkt mit dem Mobilgerät in die Anwendung auf und verbindet das Asset über die Seriennummer. Je nach Komponente werden diese mit einem Bluetooth-Transponder, NFC-Chip, Strich- oder QR-Code ausgestattet und direkt vor Ort mit der Seriennummer der Komponente „verheiratet“.

Hier kommen die Abnahmedokumente und Fotos der Komponenten nach vorgegebenem Schema hinzu. Der Versand ergänzt anschließend über das Mobilgerät noch die Packlisten und Packstückfotos nach dem vorgegebenen Prozess. Auch Ladeböden oder Container werden mit einem Bluetooth-Transponder bestückt. So lässt sich auf der Baustelle bei vielen Containern direkt über die Kartographier-Funktion anzeigen, wo sich welcher Container mit welchem Inhalt befindet. Einmal auf der Baustelle eingelesen, steht diese Information jedem freigegebenen Mitarbeiter auf der Baustelle zur Verfügung und hilft somit auch dem Baustellenmanagement, den Überblick auf komplexen Baustellen zu behalten.

 

Volle Transparenz beim Baustellenmanagement

Volle Transparenz erhalten die Anwender zukünftig auch von anderen Lieferanten für Zukaufteile. Diese bekommen alle Daten von Komponenten oder Maschinen mit der identischen Systematik zur Verfügung gestellt. Die lückenlose Dokumentation der Packstücke und die zur Verfügung gestellten Aufstellpläne samt allen Installationsinformationen helfen jedem einzelnen im Baustellenmanagement den Überblick zu behalten. Sollte doch eine Information fehlen, laden das Stammhaus oder der Lieferant die fehlende Information einfach über das Backend hoch. Die Information steht dann jedem der angelegten Benutzer wenige Sekunden später auf der Anlage zur Verfügung. Berichte schreiben auf der Baustelle gehört ebenfalls der Vergangenheit an: Das System fasst die erstellten Servicetickets vollautomatisch zu einem Bericht zusammen, der sich vom Mitarbeiter als PDF-Dokument ausleiten lässt. Transponder, die in Containern oder Ladeböden zur Identifikation zum Einsatz gekommen sind, werden nicht entsorgt, sondern direkt an Fremdkomponenten oder Maschinen angebracht.

Neue Servicewege

Die Bluetooth-Transponder sind mit einem Microprozessor sowie mit Vibrations- und Temperatursensorik ausgestattet. Sie schreiben ständig oder in festlegbaren Intervallen die Daten auf den internen Speicher. Die Entwicklung wird ab 2020 die Möglichkeit bieten, Grenzwerte für Betriebszustände festzulegen und bei Überschreitung automatisch den Service des Kunden oder des Herstellers zu informieren. Die Lösung geht nicht den klassischen Weg über die Kunden-IT und Infrastruktur. Daten aus den Bluetooth-Transpondern lassen sich über das Mobilteil des Servicetechnikers oder über ein separates GSM-Modem, welches mehrere Transponder zusammenfasst, direkt in die Cloud senden. Die Auswertung erfolgt im Backend und ist für den Kunden, der diesen Service gebucht hat, sofort sichtbar. Eine Pushnachricht direkt auf dem Mobilteil der Servicetechniker sorgt für die einfache und schnelle Lösung des Problems. Der Anwender weiß zukünftig, wo und wie er Wartung organisieren muss – sei es in festgelegten Intervallen oder im Falle einer herannahenden Störung.

Betreiber von bereits installierte Anlagen können die Serviceplattform problemlos nachrüsten. Damit besteht die Möglichkeit, eine gesamte Anlagenbasis damit auszustatten – unabhängig von Baujahr, Asset oder Hersteller.

Feldtest bestanden

Das System hat bereits den ersten Feldtest bestanden. Die Testanwender hoben vor allem die intuitive Handhabung sowie die Möglichkeit, Informationen einfach bereitzustellen, hervor. Auch die Kommunikation über Tickets in Sekundenschnelle und das automatisierte Berichtswesen über die App kamen gut an. Die App und das Backend sind in verschiedenen Stufen buchbar, die Hardware lässt sich über eine Internetseite bzw. direkt aus der App beschaffen.

Hier können Sie den CT-Artikel über Schüttgutanlagen auf dem Weg in die Industrie 4.0 lesen, der die neue Automatisierungs- und Digitalisierungsplattform des Herstellers vorstellt.

 

Ranking: Die größten Gefahren für die Sicherheit von Steuerungssystemen

 

Heftausgabe: Oktober/2019

Über den Autor

Dietmar Dieing ist Leiter Digitalisierung und Leiter Vertrieb Komponenten bei Zeppelin Systems
Loader-Icon