Glossar

Open Process Automation, OPA

04.11.2018 Open Process Automation (OPA) bezeichnet einen Vorschlag der amerikanischen Open Group zur zukünftigen Automatisierung von Anlagen in der Prozessindustrie.

Ursprünglich von Exxonmobil vor dem Hintergrund teurer Migrationsprojekte für Prozessleitsysteme vorangetrieben, wird die Open Process Automation inzwischen vom Open Process Automation Forum (OPAF) weiterentwickelt.

OPA NOA 2

Der Scope der Open Process Automation erstreckt sich über drei Ebenen der Automatisierungspyramide. Bild: CHEMIE TECHNIK

Die Open Process Automation basiert auf der „Open System Architecture“ bei der die eingesetzte Automatisierungstechnik komplett offen ist: Hard- und Software beliebiger Hersteller sollen künftig in einer Anlage genutzt werden und problemlos zusammenarbeiten (plug-and-play-fähige Multi-Vendor-Automatisierungssysteme) und bestimmte Merkmale aufweisen.

Merkmale der Open Process Automation

  • einfachere Automatisierungsstruktur,
  • einfache Portierbarkeit der prozesspezifischen Applikationssoftware,
  • Automatisierungshardware kann unabhängig vom Hersteller eingesetzt werden,
  • einfache Optimierung möglich,
  • niedrige Lebenszykluskosten,
  • geringe Abhängigkeit von einzelnen Automatisierungslieferanten.
OPA NOA 3

Die von Exxonmobil vorgeschlagene Open Process Automation löst die klassische Automatisierungs- pyramide auf. Bild: CHEMIE TECHNIK, Infos: Exxonmobil

Der Ansatz soll künftig von der gesamten Prozessindustrie genutzt werden.

Prozessautomation ohne zentrales Leitsystem

Der neue Ansatz erstreckt sich über alle Funktionen der Prozessautomatisierung, die heute mit Leitsystemen realisiert sind. Zusätzlich gehören dazu Controller, höherwertige Regelstrategien (APC), die Bedienerschnittstellen (HMI) sowie die zugehörigen Engineeringwerkzeuge. In der klassischen Automatisierungspyramide sind das die Aufgaben von der Feld- über die Steuerungs- und Prozessleitebene bis hin zur Betriebsebene. Lediglich die Sicherheitssysteme sollen im Open-Process-Automation-Ansatz separat abgebildet werden.

Im Vorschlag von Exxonmobil werden Aspekte der Betriebstechnik in einer neuen Betriebsplattform – auch „Real-time Advanced Computing – RTAC“ genannt abgebildet. Diese soll standardisierte Software und kommerzielle Hardware (COTS) anstelle spezieller Automatisierungshardware nutzen.

Die Verbindung zwischen Betriebsplattform, Automatisierungs-Hardware und der Unternehmensleitebene (ERP-Welt) sowie künftigen Cloud Services schafft ein neu zu definierender Echtzeit-Servicebus (real-time servicebus), der basierend auf Open-Source-Software Datendienste bereitstellt und flexibel erweitert werden kann.
Ebenfalls neu ist der „DCN“ genannte Distributed Control Node, ein Controllermodul, das im Gegensatz zum Prozessleitsystem (DCS), jeweils einen einzigen Regelkreis steuert. So soll das Ausfallrisiko verteilt und insgesamt reduziert werden. Die Funktionen klassischer Leitsysteme könnten künftig entweder von Diensten der Betriebsplattform oder von den Controllermodulen übernommen werden.

 

Weblinks zum Thema:

Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK

Über den Autor

Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK
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