Wachstum im Blick

Pfeiffer übernimmt französischen Vakuumtechnik-Anbieter / Interview mit Vorstand Wiemer

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03.11.2010 Das Aßlarer Unternehmen Pfeiffer Vacuum, nach eigenen Angaben Marktführer bei Turbomolekular-Vakuumpumpen, will im hart umkämpften Segment der Vorvakuumpumpen wachsen. Neben eigenen Entwicklungen, beispielsweise dem Ausbau des Portfolios an gasgekühlten Wälzkolbenpumpen, hat der Anbieter auch mit der Übernahme von Adixen das Wachstum im Vorvakuum-Segment fest im Blick.

Der Vakuumtechnik-Anbieter Pfeiffer Vacuum macht ernst: Noch im Oktober erklärte Manfred Bender, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens: „Es ist unser erklärtes Ziel, im Bereich der Vorpumpen deutlich zuzulegen“ (wir berichteten). Nun hat der Hersteller der Ankündigung weitere Taten folgen lassen: Zum Jahresende will der Marktführer für Turbomolekularpumpen den unter dem Markennamen „Adixen“ geführten Geschäftsbereich Vakuumtechnologie von Alcatel-Lucent übernehmen. Pfeiffer Vacuum hofft dadurch den Umsatz von 210 Mio. Euro in 2010 auf über 500 Mio. Euro in 2011 mehr als verdoppeln zu können.

Gerade die Komplettierung im Vorpumpenbereich, aber auch ein verbesserter Zugang zum asiatischen Markt, stehen für das Unternehmen aus dem hessischen Asslar bei der Aquisition im Vordergrund. „Mit diesem Schritt erreicht Pfeiffer Vacuum eine neue Geschäftsdimension. Wir werden unsere Marktpräsenz signifikant verbessern“, erklärt dazu Manfred Bender. Adixen hat seinen Vertriebsschwerpunkt auf der Halbleiter- und Photovoltaikindustrie und bietet neben Turbomolekularpumpen, Lecksuchgeräten und Vakuuminstrumenten eine ganze Palette an ölfreien und ölgeschmierten Pumpen zur Erzeugung von Grob- und Vorvakuum an. Laut Unternehmensangaben sollen sich die Portfolios der beiden Anbieter kaum überschneiden (siehe Interview).

In jüngster Zeit hatte Pfeiffer Vacuum Anstrengungen unternommen, das eigene Angebot an Lösungen zur Erzeugung von Vorvakuum auszuweiten. Gerade in der Chemie haben die dafür angebotenen gasgekühlten Wälzkolbenpumpen eine Renaissance erlebt. Gründe dafür liegen in den steigenden Energiekosten, die das Pumpenprinzip gegenüber z.B. Dampfstrahlern wieder interessant macht. Dazu kommen Weiterentwicklungen bei drehzahlgeregelten Antrieben sowie höher beständigen Werkstoffen. Neben der neu aufgelegten gasgekühlten Wälzkolben-Vakuumpumpe Oktaline G plant der Hersteller deshalb die weitere Ausweitung des Portfolios. „Wir werden unseren Umsatz dabei nicht um jeden Preis steigern, sondern setzen auf Premium-Lösungen“, erklärt dazu Dr. Matthias Wiemer, im Vorstand zuständig für Forschung und Entwicklung. Basierend auf der Oktaline G will dere Hersteller seine Bedeutung im Markt „Chemie und Verfahrenstechnik“ weiter steigern.

Das Segment der Pumpen für Vor- bzw. Grobvakuum ist von einem großen Wettbewerbsdruck geprägt. Hier will der Hersteller durch Lösungspakete inklusive Beratung, Auswahl, kurze Lieferzeiten und Service eine Differenzierung erreichen.

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Interview mit Dr. Matthias Wiemer, Vorstandsmitglied Pfeiffer Vacuum

„Vakuum aus einer Hand“

CT: Wo liegen die Schwerpunkte von Adixen hinsichtlich Abnehmerbranchen und -regionen?
Wiemer: Unter dem Markennamen Adixen ist Alcatel-Lucent bislang vor allem im Halbleitermarkt sowie in der Photovoltaik – aber auch in der allgemeinen Industrie – aktiv. Ein regionaler Schwerpunkt liegt dabei in Asien. So fertigt Adixen bereits in Korea für den asiatischen Markt. Das ergänzt unsere Strategie in hervorragender Weise. Zur Strategie von Pfeiffer Vacuum gehört es, unabhängig von Regionen und Marktsegmenten zu sein. Dazu streben wir eine gleichmäßige Umsatzverteilung in den Regionen USA, Europa und Asien an – und hier bringt uns die Aquisition von Adixen einen großen Schritt weiter.

CT: Welche Synergien versprechen Sie sich konkret im Segment der Vorvakuumpumpen?
Wiemer: Adixen bietet hier ein nahezu komplettes Portfolio – von der ölfreien oder aber ölgeschmierten Grobvakuumpumpe bis hin zur trockenlaufenden Prozesspumpe. Zusammen mit den Vorvakuumpumpen von Pfeiffer Vacuum – dazu gehört zum Beispiel die gasgekühlte Wälzkolbenpumpe – können wir nun komplette Lösungen anbieten.

CT: Wie werden Sie mit Überschneidungen im Portfolio von Adixen und Pfeiffer Vacuum umgehen?
Wiemer: Das Schöne an der Aqusition von Adixen ist, dass es kaum Überschneidungen gibt. Im Portfolio der Turbomolekularpumpen steht der Wälzlager-Technik von Pfeiffer die magnetgelagerten Pumpen von Adixen gegenüber. Im Vorvakuum-Bereich können wir nun komplette Lösungen und Pumpstände bieten. Unser Produktportfolio, dessen deutlicher Schwerpunkt bislang bei Turbopumpen lag, ist nun ausgeglichen – auch das gehört zu unseren strategischen Zielen.

CT: Wie wird sich die Aquisition auf das Spektrum der Abnehmerbranchen und -märkte von Pfeiffer Vacuum auswirken? Mit welchen zusätzlichen Angeboten kann die Chemie bzw. Verfahrenstechnikbranche rechnen?
Wiemer: Wir können noch flexibler auf Kundenanforderungen reagieren, da wir nun in allen Segmenten – vom Grobvakuum bis zum Hochvakuum – über technologisch führende Komponenten verfügen, aus denen wir technologisch führende Lösungen zusammenstellen können. Gerade für die Chemie bietet das Portfolio von Adixen eine ganze Palette an trockenlaufenden Vorpumpen. Und durch das globale Vertriebs- und Servicenetz können wir den Kunden vor Ort unterstützen. Denn, machen wir uns nichts vor, Vakuum ist für viele Prozessbetreiber ein notwendiges Übel – so richtig beschäftigen will man sich damit nicht. Unser Ziel ist es, den Produzenten das Thema Vakuum abzunehmen und sie umfassend bei allen Fragen zur Vakuumtechnik zu unterstützen.

Heftausgabe: Dezember 2010

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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