CT-Umfrage: Investitionsvorhaben und Anlagenbau-Konjunktur 2011

Prima Investitionsklima

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10.03.2011 Der Anlagenbau – so die ersten Signale aus der Branche – ist weitgehend unbeschadet durch die Krise gekommen. Doch was planen die deutschen Chemieunternehmen? Wo werden sie in diesem Jahr die Investitions-Schwerpunkte setzen? Die Redaktion hat in der Branche nachgefragt.

Der Aufschwung in der Chemieindustrie ist ein nachhaltiger. Dieses Fazit lässt sich nach Auswertung der aktuellen Konjunktur-Umfrage der CHEMIE TECHNIK klar vorweg nehmen. Darin sind sich die 44 Teilnehmer unserer Befragung, für die wir 342 Führungskräfte in der Chemie angeschrieben hatten, einig. In den vergangenen Monaten ist die Projekttätigkeit und damit die Auslastung im Chemieanlagenbau deutlich gestiegen. Nach Meinung von 55 Prozent der Befragten, wird der Aufschwung noch mindestens ein bis vier Jahre weiter andauern. 25 Prozent rechnen mit einem sechs bis zwölf Monate dauernden Aufschwung, lediglich acht Prozent schätzten vorsichtig, dass der Boom lediglich sechs Monate andauern könnte.

Was die zahlreichen Projekte belegen, über die wir in der CHEMIE TECHNIK und vor allem dem Online-Portal www.chemietechnik.de berichten, wurde nun auch in unserer Umfrage qualitativ und quantitativ untermauert: Zwar planen nur 41 Prozent der Unternehmen, in denen die Befragten tätig sind, den Bau komplett neuer Anlagen, doch 90 Prozent wollen Anlagen erweitern und 72,5 Prozent haben vor, Investitionen zur Kapazitätssteigerung zu tätigen. Zu den konkreten Maßnahmen gaben 64,1 Prozent an, Methoden der Prozessintensivierung nutzen zu wollen. Und – auch dieses Ergebnis dürfte kaum verblüffen – alle befragten Unternehmen beschäftigen sich mit dem Thema Prozessoptimierung.

Schwerpunkt auf Anlagenerweiterungen

Natürlich wollten wir wissen, wie sich die Investitionstätigkeit in 2011 gegenüber dem Vorjahr verändern wird. Und hier ist ein klarer Trend zu erkennen: Über 60 Prozent der Unternehmen werden mehr in Anlagenerweiterungen und Kapazitätserhöhungen investieren. Knapp 44 Prozent gaben an, auch mehr in Neubauvorhaben investieren zu wollen, als noch im Vorjahr. Doch auch im „Krisenjahr“ 2010 scheint nicht an den Maßnahmen zur Prozessoptimierung und Prozessintensivierung gespart worden zu sein. Darauf lässt die Tatsache schließen, dass die Hälfte bzw. sogar 54 Prozent der Befragten angaben, in 2011 gleich viel wie im Vorjahr in Optimierungs- und Intensivierungsprojekte investieren zu wollen.

Im Gros der befragten Unternehmen (45 Prozent) werden die Investitionen in diesem Jahr zwischen einer und fünf Mio. Euro liegen. Rund ein Viertel der Unternehmen wollen deutlich mehr investieren. Im jeweiligen Verantwortungsbereich der Befragten wird das Investitionsvolumen für Anlagen- und Betriebsausrüstung in den kommenden zwölf Monaten zwischen durchschnittlich 0,5 und 2,5 Mio. Euro liegen (48 Prozent der Befragten). 18 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie in ihrem eigenen Verantwortungsbereich mehr als 2,5 Mio. und bis zu 10 Mio. Euro investieren und mitentscheiden werden.

Die Kehrseite der Medaille: steigende Preise für Anlagenausrüstung und Planungsleistungen. Was in unserem vierteljährlich erscheinenden Anlagenbaupreisindex bereits seit einem halben Jahr zu erkennen ist, wird auch bei den Investoren in der eigenen Arbeit wahrgenommen: 90 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass die termingerechte Beschaffung von Anlagenkomponenten bereits oft schwierig ist. Außerdem beurteilten 60 Prozent die Aussage „Die Preise für Engineeringleistungen sind in jüngster Zeit bereits gestiegen“ mit „eher ja“. Weitere 30 Prozent bejahten diese Feststellung eindeutig. Einen Trend hin zur Abrechnung nach Aufwand und weg von Festpreisverträgen sehen die Beteiligten aber bisher nur teilweise. 42,5 Prozent stimmten mit „eher nein“, fünf Prozent mit einem klaren „nein“.

Projekte werden teurer, Trend zum Value Engineering

Deutlich erkennbar ist allerdings die Tendenz, dass von den Betrieben vermehrt größere Auftragspakete an Lieferanten und Subunternehmer vergeben werden. Und: 60 Prozent der Befragten würden mehr Projekte machen, finden jedoch nicht genügend Fachpersonal bzw. Dienstleister. Dazu kommt noch eine weitere Entwicklung, die sich auf die Art der Chemieprojekte und vor allem für den Anlagenbau auswirken wird: Bereits mehr als die Hälfte der Befragten sehen einen Trend hin zum Value Engineering, d.?h. Anlagen werden so günstig wie möglich und nur so teuer wie nötig geplant und gebaut.

Fazit: Die Vorzeichen für Investitionen der deutschen Chemieindustrie sind in 2011 gut. Vor allem Anlagenerweiterungen und Maßnahmen zur Steigerung der Produktionskapazität stehen im Vordergrund. Hier werden die Investitionen im laufenden Jahr deutlich höher liegen, als noch im Vorjahr. In allen befragten Unternehmen ist die Prozessoptimierung ein Thema. Und auch für die kommenden Jahre ist der überwiegende Teil der Befragten optimistisch. Demnach wird der Aufschwung auch in den kommenden ein bis vier Jahren anhalten.

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Heftausgabe: März 2011

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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