Mit dem Feldbus ins Digi-Tal

CT-Spotlight: Quo vadis, Automatisierung?

09.12.2019 Aufbruchstimmung herrscht bei den Automatisierern: Das Tal der Tränen sei durchschritten, digitale Technologien stehen vor der Umsetzung. Doch im Prospekt sieht immer alles schöner aus als vor Ort. Zeit für einen Ortstermin im Digi-Tal.

Digi-Tal

Bild: Adobe Stock – Maxim

Durch das Digi-Tal soll einst der direkte Weg zum Kapi-Tal möglich sein, ohne sich viermal im Quar-Tal zu verfahren. Die berühmteste Sehenswürdigkeit in diesem vermeintlichen Tal der Könige, die stolze Automatisierungspyramide, ist allerdings gerade hinter Baugerüsten verborgen. Ohnehin nicht groß genug, ein Anbau soll her, entschuldigt Busfahrer Noa. Viel zu klotzig, am besten abreißen und dezentral neu bauen, grummelt der Opa von der Rückbank. Das Digi-Tal sollte man also nicht mit dem Silicon Valley verwechseln. Gemessen am Stand der Digitalisierungs-Infrastruktur in Deutschland erinnert es eher an das Tal der Ahnungslosen.

5Geht noch nicht

Außerdem sind noch zahlreiche Aspekte in den Bereichen Safety und Security ungeklärt. Fauna und Flora stehen noch nicht ausreichend unter Datenschutz. Täglich fällt ein Heuschreckenschwarm von 320.000 neuen Schadprogrammen ein. An den Panoramafenstern (Windows 7, Update geplant) des Busses zieht das Tal der Gesetzlosen vorbei. Besonders gefährliche Gebiete sind auf dem Schaltplan mit Passwort 123456 markiert.

Viel sicherer wäre es, dieses wilde Land zu überfliegen – kein Wunder also, dass die Prozessautomatisierer die Digitalisierung „zum Fliegen bringen“ wollen. Man freut sich auf den sagenhaften Überflieger 5G, statt mit dem Feldbus durchs Land zuckeln zu müssen. Drahtlos soll‘s gehen, regelrecht von der Leine gelassen. Aber auch alleine gelassen: Die 5 G stehen im Moment offenbar noch für „Geht gegenwärtig an Gegenargumenten und Gezeter zu Grunde“. Das wäre allerdings total faTal.

Die digitale Chemie in Zahlen –
Studie zur Digitalisierung in der chemisch-pharmazeutischen Industrie:

Heftausgabe: Dezember/2019

Über den Autor

Ansgar Kretschmer, Redaktion
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