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Richtig fit für Veränderungen

12.08.2019 Unsere körperliche und geistige Fitness beeinflusst unsere Kreativität. Wenn wir müde und abgespannt sind, beschreitet unser Geist keine neuen Denkwege.

Rock climber at Scenic  Rocks  in beautiful golden light on a sunny day.

Bild: Iuliia Leonova – AdobeStock

Wer kennt die Situation nicht? Stundenlang brüten wir im Büro über der Lösung für eine Aufgabe. Sie fällt uns nicht ein. Kaum sind wir jedoch zuhause, haben das Radio angeschaltet und im Sessel Platz genommen, plötzlich ist sie da: die Idee. Wir müssen sie nur noch umsetzen. Oder: Seit Tagen grübeln wir über eine neue Strategie, wie wir ein Ziel erreichen. Alles scheint in unserem Kopf festgerostet; nur unbefriedigende Lösungen fallen uns ein. Doch dann abends im Restaurant lässt ein Bekannter eine Bemerkung fallen, und plötzlich macht es „Klick“. Wir haben die Lösung; sie ist so einfach und doch so genial, dass wir uns wundern, dass wir sie nicht bereits früher fanden.

Beiden Beispielen ist gemeinsam: Sie beziehen sich auf Situationen, in denen wir uns entspannen und uns wohl in unserer Haut fühlen – Situationen also, in denen uns kein Stress, kein Zeitdruck und keine Angstzustände plagen, weshalb unsere Gedanken sich frei entfalten und neue Wege beschreiten können.

Jeder Mensch ist kreativ

Viele Menschen glauben: Manche Personen verfügen über Kreativität, anderen fehlt sie völlig. Diese Annahme ist falsch! Denn ihr liegt meist ein Kreativitätsverständnis zugrunde, das sich rein auf Tätigkeiten im musisch-künstlerischen oder grafisch-gestalterischen Bereich bezieht. Doch Kreativität ist bei allen schöpferischen Tätigkeiten gefragt – beim Entwickeln neuer technischer Lösungen ebenso wie in der Musik und beim Entdecken und Erschließen neuer Geschäftsfelder ebenso wie in der Malerei. Kreativität brauchen wir immer, wenn wir neue Wege beschreiten müssen, um Aufgaben zu lösen – und dies ist gerade in einer Zeit, in der sich die digitale Transformation der Wirtschaft vollzieht, sehr oft der Fall. Unsere Kreativität hängt auch ganz entscheidend von unserer körperlichen und geistigen Verfassung ab.

Im Berufsalltag zeigen wir, wenn wir uns schlapp, müde oder überfordert fühlen, oft eine Abwehrhaltung, wenn eine neue Aufgabe an uns herangetragen wird. Oder wir reagieren gestresst und gereizt. Unsere Muskulatur verspannt sich. Unser Puls und Blutdruck steigen sowie unsere Atemfrequenz und -tiefe. Und wir verfallen in ein lineares, starres Denken – ein Zustand, der das Finden kreativer Lösungen blockiert.

Oft merken wir dies selbst. Dies lässt uns noch weiter in Stress und Panik verfallen, und unsere Unfähigkeit, das Problem zu lösen, potenziert sich. Aus diesem Teufelskreis können wir nur ausbrechen, wenn wir die Reaktionen unseres Körpers kennen; außerdem wenn wir mit Strategien vertraut sind, um Stress abzubauen bzw. das Entstehen von Stress zu vermeiden. Dann können wir in Situationen, die Stress erzeugen, Handlungen vornehmen, die den körperlichen Reaktionen, die mit dem Stress einhergehen, entgegensteuern – zum Beispiel durch betontes Ausatmen, Aufsagen eines persönlichen Leitsatzes wie „Ganz ruhig bleiben“ oder durch Entspannen aller Muskeln, die wir gerade nicht benötigen, und den Versuch, uns beim Ausatmen jeweils noch weiter zu entspannen.

Die moderne Arbeitswelt macht Stress

Durch solche Übungen können wir uns oft eine momentane Erleichterung erschaffen – außer unser Anspannungsniveau ist schon so hoch, dass ein Abbau des angestauten Stresses mit so einfachen Techniken nicht mehr möglich ist. Die Gefahr, dass dies geschieht, ist in der modernen Gesellschaft und Arbeitswelt hoch, denn hier folgt auf die meisten Situationen, die in unserem Körper Stressreaktionen auslösen, keine völlige Entspannung. Der nächste Stressor (so werden die Stress auslösenden Faktoren genannt) folgt bereits, bevor die körperlichen Reaktionen, die der vorangegangene auslöste, abgeklungen sind.

Wir kennen solche Situationen aus unserem Alltag: Gerade haben wir den Telefonhörer aufgelegt und wollen uns eine Gesprächsnotiz machen, schon wieder klingelt das Telefon. Kaum ist das zweite Telefonat beendet, und wir überlegen, was wir nach dem ersten notieren wollten, schon öffnet sich die Tür, und ein Kollege fragt „Können Sie mal kurz…!“. Ein Reiz, ein Stressor jagt den anderen.

Durch die Vielzahl kurz aufeinander folgender Reize erhöht sich der Spannungszustand unseres Körpers immer weiter. Wird er nicht zwischenzeitlich gesenkt, treten auf Dauer stressbedingte körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen, Hautprobleme oder Bluthochdruck auf.

Unsere Stressresistenz und Resilienz erhöhen

Dieser Entwicklung können wir entgegensteuern, indem wir entweder lernen, Stress zu bewältigen und/oder unsere Stressresistenz – auch Resilienz genannt – erhöhen. Wie stark und schnell wir gestresst reagieren, hängt nämlich stark von unserem körperlichen und geistlichen Befinden ab.

Deshalb sollten wir nicht nur die Reaktionen unseres Körpers sowie gewisse Stressmanagement-Methoden kennen, wir sollten uns auch gesund, das heißt körpergerecht ernähren; außerdem regelmäßig und ausdauernd Sport treiben. Die Betonung liegt hierbei auf regelmäßig und ausdauernd, denn nur dann wirkt sich Sport positiv auf unseren Körper aus. Außerdem werden durch Ausdauersport Stresshormone abgebaut, und Endorphine, körpereigene Hormone, die entspannend wirken, aufgebaut. Deshalb verbessert Ausdauersport auch unser geistiges Befinden. Unser Kopf wird wieder frei zum Denken.

Neue Verhaltensmuster entwickeln

Oft fällt es uns jedoch schwer, unsere gewohnten Handlungsmuster aufzugeben – auch weil uns im Alltag vieles oft wichtiger erscheint, als auf das langfristige Bewahren unserer Gesundheit und Leistungskraft zu achten. Das haben auch viele Unternehmen erkannt und in ihre betriebliche Gesundheitsprävention einfließen lassen. Der Präventionsansatz orientiert sich dabei häufig an folgendem Muster:

  • Schritt 1: Ein medizinischer Check-up informiert die Teilnehmer über ihre aktuellen, individuellen Gesundheitsdaten und Risikofaktoren.
  • Schritt 2: Mediziner, Sport- und Ernährungswissenschaftler erläutern ihnen, was die Daten bedeuten, wie sie aufgrund der Körperreaktionen zustandekommen und wie sie durch bewusste Ernährung, Ausdauersport und Stressmanagement positiv beeinflusst werden können.
  • Schritt 3: Die Teilnehmer üben unter fachlicher Anleitung ein neues gesundheitsförderndes Verhalten.

Ein solcher „pädagogischer“ Drei-Schritt kann bei den Teilnehmern eine langfristige Veränderung ihres Verhaltens herbeiführen.

Heftausgabe: August/2019

Über den Autor

Michael Treixler ist Experte für betriebliches Gesundheitsmanagement und Geschäftsführer der Anbieter Skolawork sowie Skolamed.
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