August 2013

  • Der Standortbetreiber und Dienstleister Pharmaserv investiert am Standort Behringwerke in Marburg jährlich rund 10 Mio. Euro.
  • Noch relativ neu sind die Dienstleistungen des Standortbetreibers im Bereich Pharma-Kühllogistik und Lohnverpackung nach AMG.

Wer bei M484 an ein Flugzeug denkt, liegt daneben: Das Kürzel steht für ein GMP-Lager, in dem Arzneimittel am Marburger Standort Behringwerke unter definierten Temperaturbedingungen gelagert, verpackt und versendet werden. Und zwar nicht vom Pharmahersteller selbst, sondern von den Mitarbeitern des Standortbetreibers Pharmaserv. Im Auftrag der Produzenten wickeln die Spezialisten qualifizierte Kühltransporte ab und übernehmen die komplette Logistik – „bis hin zur kompletten Qualifizierung und Validierung der  Verpackungs- und Transportwege“, verdeutlicht Logistikleiter Dr. Martin Egger. Seit einigen Wochen hat Egger außerdem den „Hut“ des Herstellungsleiters auf, denn Pharmaserv darf nun offiziell auch Medikamente nach Arzneimittelgesetz verpacken.
Dazu wurde im Obergeschoss des kühltemperierten Lagers ein kontrollierter Herstellungsraum eingerichtet, in dem Mitarbeiter in Schutzkleidung primärverpackte Arzneimittel wiegen, zählen und mit Packungsbeilagen zu neuen Verpackungseinheiten zusammenfügen. Alle Herstellungsschritte werden schriftlich dokumentiert. „Es ist für uns der logische nächste Schritt in der Wertschöpfungskette“, erklärt Egger und zielt damit auf Kleinchargen, deren Verpackung für Pharmahersteller selbst zu aufwendig wäre. „Für uns ist das ein Schritt, mit dem wir noch weiter in die Prozesse der Kunden hineinwachsen“, erklärt Thomas Janssen, Geschäftsführer von Pharmaserv:  „Wir wollen im Bereich Lohnverpackung organisch wachsen – und das fängt mit Aufträgen von Standortkunden klein an, aber auch Kunden außerhalb des Standorts nutzen diese Leistungen bereits.“

Lohnverpackung nach AMG
Mit dem Lager M484 hat der Industrieparkbetreiber jüngst die letzte große, zusammenhängende Fläche am Görzhäuser Hof selbst belegt. Um die Expansion der Ansiedler weiter ermöglichen zu können, erschließt das Serviceunternehmen derzeit ein 34.000 Quadratmeter großes Erweiterungsgelände. Die Fläche ist längst Teil des langfristig angelegten Standortentwicklungsplans.
Der Standortbetreiber investiert seit Jahren rund 10 Mio. Euro pro Jahr in Flächen, Infrastruktur und Gebäude des Standorts Behringwerke. Neben der neuen Dampfzentrale entstand im vergangenen Jahr ein neues Rechenzentrum für die sensiblen Daten der Kunden. Nicht zuletzt die Enthüllungen durch den NSA-Mitarbeiter Edward Snowden haben das Bewusstsein für die Bedeutung der Sicherheit von Prozessdaten in jüngster Zeit neu geschärft. „Unser Rechenzentrum kann für Unternehmen im deutschsprachigen Raum so etwas wie eine „regionale Cloud“ sein“, erläutert IT-Leiter Wolfgang Kuhl. In dem schlicht „H004″ genannten Gebäude können Produzenten am Standort oder von außerhalb eigene Server betreiben oder von Pharmaserv betreiben lassen. Entscheidend ist dabei, dass das Rechenzentrum innerhalb des Werkszauns liegt und von den umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen profitiert. Ein Novum ist das Kühlkonzept für die energiehungrigen Rechner: Deren Wärme wird geothermisch in das Erdreich abgeleitet und kann dazu dienen, um Gebäude zu beheizen.

Wärmebedarf durch Gebäudesanierung senken
Überhaupt ist die wärmetechnische Sanierung der Gebäude im Industriepark ein wichtiger Schwerpunkt für den Standortbetreiber. „Wir sind dabei, von der Gebäudeheizung per Dampf nach und nach auf Geothermie umzustellen“, beschreibt Janssen einen Investitionsschwerpunkt. Dampf, so der Plan, soll zukünftig nur noch in Prozessen eingesetzt werden. Dadurch steigt die Energieeffizienz des Industrieparks deutlich. Die Frage, ob sich der Dienstleister damit nicht ein wichtiges Geschäftsfeld – die Versorgung der Ansiedler – abschneidet, kontert Thomas Janssen: „Wenn nicht wir selbst hocheffiziente Versorgungslösungen anbieten, dann wird das ein Anbieter von außerhalb tun.“
Dabei ist für die Pharmaproduzenten am Standort Behringwerke – im Vergleich zu klassischen Chemieparks – die Versorgungssicherheit deutlich wichtiger, als der Energiepreis. Um diese zu sichern, wurde im Oktober 2012 eine neue Dampferzeugungsanlage in Betrieb genommen. Während der Dampf künftig nur noch für Prozesse genutzt werden soll, die eine entsprechend hohe Energiedichte verlangen, werden Gebäudeheizungen sukzessive auf Heißwasser umgestellt. Letzteres soll künftig dezentral in Blockheizkraftwerken erzeugt werden. „Insgesamt sind wir bestrebt, den Wärmebedarf am Standort zu reduzieren – und das, obwohl wir weiter wachsen“, erklärt Thomas Janssen.

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