September 2015

Aus heimischem Abbau
Fakt ist: Auch wenn das Licht unserer Industrieanlagen und Privathaushalte mit Strom aus Sonne und Co. am Leuchten bleibt, wird unsere Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen (zumindest vorerst) nicht verschwinden. Denn schließlich sind sie nicht nur Energieträger, sondern auch wichtiger Ausgangsstoff für die Prozesstechnik. Der Charme der Braunkohle ist dabei, dass sie nicht extra importiert werden muss. Milliarden Tonnen bereits zum Abbau genehmigter Vorräte schlummern in deutschem Grund und Boden und schaffen somit Unabhängigkeit von Ländern, deren Beziehungsstatus mit der EU sich in einem dauerhaften „es ist kompliziert“-Zustand befindet. Daher sollte es nur gesunde Vorsicht sein, sich mit der heimischen Alternative zu beschäftigen. Und das am besten möglichst bald, meint Prof. Dr.-Ing. Bernd Meyer, Rektor der Freiberger Ressourcenuniversität: „Wenn wir es in den nächsten fünf Jahren nicht schaffen, eine kohlebasierte Synthesegaserzeugung an einem Kraftwerks- oder Chemiestandort zu demonstrieren, sehe ich die Gefahr eines Fadenrisses für ein weltweit gefragtes ureigenes deutsches Know-how.“ Bereits vor 60 Jahren wurden in Deutschland erste Anlagen für die großtechnische Synthesechemie auf Basis mitteldeutscher Braunkohle errichtet, allerdings geriet deren Weiterentwicklung in den folgenden Jahrzehnten immer wieder ins Stocken. Grund hierfür war, dass die Verantwortlichen auf der einen Seite ausschließlich Großprojekte realisieren wollten. Auf der anderen Seite aber die damit einhergehenden Milliarden-Investitionen scheuten.

Synergieeffekte nutzen
Im Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik arbeiten Wissenschaftler darum gerade an einem speziellen Verfahren, das Braunkohle in die organische chemische Industrie integrieren soll, und das sich an Ergebnissen über die Nutzung von Biomasse orientiert. Die Wissenschaftler der Institutionen sind sich einig, dass Energiewirtschaft, Chemieindustrie und Kohleforschung künftig auf dem Feld der Nutzung von Braunkohle stärker zusammenarbeiten sollten, um Synergieeffekte mit hoher Produktflexibilität vorzubereiten. Am Ende könnten dann Prozesse stehen, die je nach Marktsituation Strom, Wärme oder eben auch Basischemikalien wie Methanol oder synthetisches Erdgas herstellen könnten. Meyer ist sich sicher: „Die Aufgaben in puncto Technologieentwicklung, Forschungs- und Ausbildungsbedarf sind groß, das Innovations- und Industriepotenzial für
den Technologie- und Wirtschaftsstandort Deutschland ist jedoch größer.“ Zum weißen Schwan würde das hässliche Entlein dann sicher auch nicht werden, aber bis nachhaltige, sprich: nachwachsende, Petro-Alternativen die Versorgungssicherheit der chemischen Industrie sichern, wie sie sich derzeit bereits in der Entwicklung befinden, wäre dies sicher ein interessanter Zwischenschritt. Top31015

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