April 2015
| von Armin Scheuermann, Redaktion
  • In Deutschland wird die Plattform Industrie 4.0 neu aufgesetzt. Künftig werden nicht mehr Verbände die Aktivitäten führen. Die Plattform wird in den nationalen IT-Gipfel des Bundeswirtschaftsministeriums eingegliedert.
  • Bei den bisherigen Aktivitäten wurde vor allem die mangelnde Etablierung von technischen Standards bemängelt.
  • In den USA geht das Industrial Internet Consortium dagegen mit großen Schritten voran.

Sigmar Gabriel: „Mit der Neuausrichtung der Plattform wollen wir schnell zu ersten Ergebnissen kommen, damit diese in konkreten Anwendungsbeispielen von den Unternehmen getestet und anschließend in Geschäftsmodellen umgesetzt werden können. Unser Ziel ist es, Industrie 4.0 zu einer Erfolgsgeschichte für Deutschland zu machen und unser Land als Leitanbieter für cyber-physische Produktionssysteme zu etablieren.“

Die erste Halbzeit an die Amerikaner verloren
Höchste Zeit! Denn, wie T-Systems CEO Reinhard Clemens im Januar auf der VDI-Fachtagung Industrie 4.0 feststellte, „wird nicht der Beste, sondern der Schnellste“ das Rennen um die Vernetzung der Industrie gewinnen. Clemens: „Die erste Halbzeit haben wir bereits an die Amerikaner verloren.“

Das IIC in den USA, das im vergangenen Jahr von den Unternehmen AT&T, Cisco, GE und IBM gegründet wurde und inzwischen rund  140 Mitglieder – davon sechs aus Deutschland – umfasst,  hat sich zum Ziel gesetzt, Anwendungsszenarien und Demonstrations-Testfelder für die Verbindung von phyischer und digitaler Welt in der Industrie auf den Weg zu bringen. Ganz konkret untersucht Bosch bereits mit weiteren IIC-Mitglidern im europäischen Testbed beispielsweise, wie ein Akkuschrauber in einer Werkshalle lokalisiert werden kann, um dessen Drehmoment abhängig von der Position automatisch richtig einzustellen. Und weil Klappern ebenfalls zum Handwerk gehört, sieht das IIC auch Marketing als wichtiges Betätigungsfeld. Mit ersten Erfolgen: Gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Accenture gelang es, auf dem World Economic Forum die Industrie-Agenda „Industrial Internet of Things“ vorzustellen.

Das Beispiel zeigt, dass Industrie 4.0 auch durch schiere Marktmacht Realität werden kann – auch außerhalb staatlich gelenkter Aktivitäten. Und sogar hierzulande: Im Forschungszentrum Smart Factory im DKFE Kaiserslautern beschäftigt sich beispielsweise Prof. Detlef Zühlke mit der Vernetzung von Fabriken. Auf der Hannover Messe werden die Forscher eine Industrie-4.0-Demo-Anlage zeigen, die in einer herstellerübergreifenden Kooperation von 17 Unternehmen entstanden ist. Zum Einsatz kommen dort nicht etwa Prototypen aus der Forschung, sondern marktreife Produkte, für deren Vernetzung sich die Hersteller auf gemeinsame Standards geeinigt haben.

Fazit: Bis das eingangs skizzierte Beispiel eines Sensorwechsels auf Basis vernetzter Strukturen und der globalen Auswertung von Anwendungsdaten Realität wird, sind noch einige Hürden zu nehmen. Aber die Dynamik der aktuellen Diskussion zeigt, dass der Weg dahin eingeschlagen ist und es über kurz oder lang zum Wettbewerbsfaktor werden wird, diesen mitzu­gehen.

Auf der Hannover Messe sind die Aktivitäten im Forum Industrie 4.0 in Halle 8 zu sehen.

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