Proben mit System

Sichere Probenentnahme für flüssige Medien

Anlagenbau
Chemie
Pharma
Ausrüster
Planer
Betreiber
Einkäufer
Manager

10.07.2018 Eine sichere Probenentnahme ist Grundvoraussetzung zum Überwachen chemischer Reaktionen und damit zur Sicherstellung der angestrebten Qualität der Prozesse. Dabei spielen Arbeitsschutz und Umweltschutz eine entscheidende Rolle, um eine Gefährdung der Mitarbeiter und eine Kontamination der Umwelt auszuschließen.

Anzeige

Entscheider-Facts für Betreiber

  • Bei der Konzeptionierung von Probenentnahmestellen sind sowohl die Eigenschaften des zu beprobenden Mediums als auch die Betriebsparameter entscheidend.
  • Je nach gefordertem Sicherheitsniveau stehen Betreibern unterschiedliche Lösungen zur Probenentnahme zur Verfügung.
  • Besondere Sicherheit bieten Schranksysteme, die unkontrolliertes Entweichen und unbefugten Zugriff verhindern.

Den rechtlichen Rahmen für den Arbeitsschutz regelt die Unfallverhütungsvorschrift: Sie verpflichtet den Betreiber, eine entsprechende Gefährdungsbeurteilung für die Probenentnahmestellen durchzuführen. Es sind entsprechende technische und organisatorischen Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter festzulegen. Dies schließt auch den Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung mit ein.

Medium und Betriebsparameter geben den Ausschlag

Um nun die geeigneten technischen Maßnahmen zu definieren, stellt sich zunächst die Frage nach dem zu entnehmenden Medium. So vielfältig wie die chemischen Prozesse sind auch die dabei verwendeten Medien, das Spektrum reicht von reinem Wasser über Säuren und Laugen bis hin zu hochentzündlichen oder gesundheitsschädlichen Stoffen. Die jeweiligen Gefahrstoffdatenblätter sind hier zwingend zu beachten und für die sicherheitstechnische Betrachtung bei der Auswahl der geeigneten Probenahmesysteme heranzuziehen.

Die Kombination von Medium und Betriebsparametern wie Druck, Temperatur und Viskosität sind weiterhin ausschlaggebend für die abschließende Auslegung der Probenahmestelle. Hier können in der Praxis auch Heizsysteme erforderlich sein, um die Viskosität des Mediums zu erhalten.

Der Einbauort, etwa in eine Rohrleitung oder an einem Behälter, bestimmt darüber hinaus die geeignete Anschlussform. An dieser Stelle ist auch festzulegen, welche Armaturenwerkstoffe für das zu beprobende Medium geeignet sind. Gegebenenfalls ist zusätzlich eine chemisch beständige Auskleidung erforderlich. Bei den geplanten Dichtungssystemen sind die Anforderungen der TA-Luft zu berücksichtigen und entsprechend zertifizierte Produkte zu verwenden. In vielen Anlagen ist auch die EU-Richtline zum Explosionsschutz (Atex) zu berücksichtigen. Zwar verfügen Probenahmesysteme in der Regel über keine potenziellen Zündquellen, jedoch muss eine mögliche elektrostatische Aufladung entsprechend bewertet und berücksichtigt werden.

Weitere Kriterien für die Konzeption eines Probenahmesystems sind die geplante Probenmenge sowie die vom Betreiber projektierten Entnahmezyklen. Für eine automatisierte Probenentnahme ist ein entsprechender Antrieb für das Entnahmeventil vorzusehen.

Mitarbeiterschutz ist grundlegend

Um die prozessseitigen Aspekte sowie die betrieblichen Gegebenheiten in Einklang mit den Sicherheitsanforderung zu bekommen, steht eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, zum Beispiel:

  • Probenahmeventile mit einfacher Handbetätigung, ohne Sicherheitsfunktion,
  • Probenahmeventile mit selbstschließendem Handrad, die sogenannte Totmannschaltung,
  • Probenahmesysteme mit zusätzlichen Absperrarmaturen im Auslauf (Schleusensystem),
  • Probenahmesysteme mit Verschlussmöglichkeit, verhindern unbefugtes Betätigen,
  • Probenahmesysteme mit Schutzschränken.

Die vorgenannten Schranksysteme sind ein einfacher, aber wirkungsvoller Schutz gegen eine ungewollte Beschädigung des Probenahmegefäßes. Sie verhindern ein unkontrolliertes Entweichen des Mediums in die Umgebung. Werden die Schränke um eine Verschlussmechanik erweitert, kann der Betreiber den Probenahmebehälter von außen verschließen. Diese bedeutet einen enormen Zugewinn an Sicherheit. Mit entsprechenden Absaugmöglichkeiten lässt sich das Ge­fährdungspotenzial nochmals deutlich reduzieren. Auch die Möglichkeit einer Inertisierung ist hier gegeben.

Fazit: Für die Auslegung eines optimalen Probenentnahmesystems ist der Informationsaustausch zwischen Betreiber und Hersteller ein unverzichtbarer Aspekt. Nur die Kombination aus den tiefen Kenntnissen der Gegebenheiten vor Ort und die daraus resultierenden Anforderungen sowie den langjährigen Erfahrungen des Systemherstellers in der Konzeption dieser Systeme legen die Basis für eine sichere und effiziente Probenentnahme. Eine abschließende, umfassende Unterweisung des Bedienpersonals durch den Betreiber und der Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung bringen das Projekt „Sichere Probenentnahme“ zu einem erfolgreichen Abschluss. Der Schutz des Mitarbeiters bleibt eine grundlegende Verantwortung.

Mehr CT-Artikel zum Thema Probenahme.

Heftausgabe: Juli/2018

Über den Autor

Jürgen Niemeyer, Vertriebsleiter Inland, Ritag
Loader-Icon