Lösemittelproblem gelöst

Sicheres Abfüllen und Dosieren mit Lösemittelpumpen

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25.05.2018 Lösemittel gehören zum Arbeitsalltag in der Industrie, sei es zum Entfetten von Metallteilen oder der Reinigung von Geräten. Darüber hinaus setzen Unternehmen im chemischen und pharmazeutischen Bereich sowie den Bereichen Food & Beverage und Kosmetik Lösemittel vor allem zur Extraktion, Stofftrennung, zum Auflösen oder zur Synthese unterschiedlicher Substanzen ein.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Viele Lösemittel sind brennbar oder gesundheitsschädlich. Um beim Abfüllen solcher Substanzen unnötige Risiken zu vermeiden, ist ein fachgerechter Umgang unerlässlich.
  • Speziell für die Entnahme von Lösemitteln entwickelte Lösemittelpumpen mit manueller Bedienung sind flexibel einzusetzen. Kleine wie große Mengen an Lösemitteln lassen sich damit sicher abfüllen.
  • Die ausgewählte Pumpe sollte aus einem chemisch inerten Material bestehen und dem zu fördernden Maßstab entsprechen. Für den Einsatz mit entzündlichen Lösemitteln lassen sich die Pumpen zusätzlich erden.

Loesemittelpumpe_Fuss_Abfuellen_Stahlfass

Manuelle Lösemittelpumpen funktionieren mit dem Überdruck-Prinzip. Unterschiedliche Modelle ermöglichen das sichere Abfüllen und Dosieren von kleinen und großen Mengen aus unterschiedlichen Behältern. Die Lösemittelpumpe Fußbetrieb eignet sich für das Abfüllen aus großen Behältern bis zu 220 l. Bilder: Bürkle

Die eingesetzten Lösemittel sind vielfältig. So kommen sauerstoffhaltige Lösemittel wie Aceton, kohlenwasserstoffhaltige Lösemittel wie Spezialbenzin oder halogenhaltige Lösemittel wie Perchlorethylen zum Einsatz.

Aufgrund ihrer chemischen und physikalischen Eigenschaften sind zahlreiche Lösemittel im Rahmen der Gefahrstoffverordnung als Gefahrstoff eingestuft. Damit stellt das Arbeiten mit Lösemitteln auch immer ein gewisses Risiko dar: Viele Lösemittel sind leicht entzündlich und können zu Explosionen oder Bränden führen. Außerdem weisen sie oft toxische Eigenschaften auf, die Menschen und Umwelt schädigen können. Die Gefahrstoffverordnung und weitere Gesetze, wie das Arbeitsschutzgesetz, regulieren den Umgang mit Gefahrstoffen genau. Darüber hinaus informieren die Kennzeichnungselemente und Sicherheitsdatenblätter detailliert über das jeweilige Medium und seine Risiken.

Gefahren beim Abfüllen

Ein verantwortlicher Umgang und entsprechende Schutzmaßnahmen sind beim Arbeiten mit Lösemitteln – von der Verwendung über die Lagerung bis zur Entsorgung – immer einzuhalten. Das Abfüllen stellt ein besonderes Risiko beim Arbeiten mit Lösemitteln dar. Die Lösemittel direkt auszugießen oder mittels Trichter abzufüllen, ist nicht sicher. Gerade bei brennbaren oder toxischen Lösemitteln bringt das erhebliche Gefahren mit sich: Das Medium kann auslaufen, verschüttet werden oder sich elektrostatisch aufladen. Parallel werden giftige Dämpfe freigesetzt.

Besonders für den Anwender kann das nicht fachgerechte Abfüllen von Lösemitteln erhebliche Folgen nach sich ziehen. Durch Einatmen, Verschlucken oder die Aufnahme über die Haut können Bestandteile des Lösemittels in den Organismus gelangen und zu gesundheitlichen Schäden führen. Neben akuten Gesundheitsschäden, wie Reizungen und Verätzungen, treten häufig auch chronische Vergiftungen auf. Diese beeinträchtigen die Gesundheit langfristig, wenn beispielsweise die Funktion von Hirn, Leber oder Nerven geschädigt ist.

Sicheres Abfüllen mit Lösemittelpumpen

Antistatik_Set

Beim Abfüllen brennbarer Flüssigkeiten werden die Pumpen mit dem Antistatik-Set geerdet. Das rote Kabel wird mit dem leitenden Behälter verbunden, das schwarze Kabel stellt die Erdung her. Beim Abfüllen in nicht leitende Behälter sorgt das blanke Kupferkabel für die Erdung.

Für ein fachgerechtes Abfüllen von Lösemitteln bietet sich der Einsatz von Lösemittelpumpen an. Mit diesen lassen sich die gefährlichen Medien sicher abfüllen und genau dosieren. Die chemischen Eigenschaften der unterschiedlichen Medien und die individuellen Anforderungen an das Abfüllen und Dosieren stellen aber spezifische Ansprüche an die Pumpe. Aus diesem Grund muss die Pumpe entsprechend des abzufüllenden Mediums und den Anforderungen ausgewählt werden.

Dabei sollten Anwender folgende Faktoren berücksichtigen: die Beständigkeit des Materials gegen das abzufüllende Medium, die Förderleistung der Pumpe, die Behältergröße und die Menge, die abgefüllt werden soll. Beim Abfüllen von Lösemitteln empfehlen sich besonders Pumpen, die aus hochwertigen und inerten Materialien wie PTFE oder Edelstahl gefertigt sind. Diese Materialien weisen eine hohe chemische Beständigkeit auf und sind gut für gefährliche und leicht entzündliche Medien geeignet.

Sind große Mengen abzufüllen, ist eine hohe Förderleistung effektiv. Sie spart Zeit und schont die Arbeitskraft. Erfolgt das Abfüllen großer Mengen an einem festen Ort, eignet sich eine elektrische Pumpe. Aber oft ist der Einsatz einer elektrischen Pumpe nicht sinnvoll, wenn beispielsweise das Abfüllen an wechselnden Orten passiert, in geringer Frequenz abläuft oder kein Stromanschluss vorhanden ist, etwa im Freien oder auf Montage. Eine Alternative zum Abfüllen von Lösemitteln sind manuelle Abfüllpumpen, die mit dem Überdruck-Prinzip funktionieren und auch für Ex-Bereiche geeignet sind.

Flexibel mit manuellen Pumpen

Loesemittelpumpe_Mini_Verschiedene_Behaelter

Mit der Lösemittelpumpe Mini ist ein kippsicheres Abfüllen aus kleinen Gebinden möglich.

Manuelle Pumpen gibt es sowohl mit Fuß- als auch mit Handbetrieb. Aufgrund der manuellen Funktionsweise sind sie flexibel einsetzbar und eignen sich je nach Ausführung für unterschiedliche Behältergrößen und Abfüllmengen. Für große Behälter sind manuelle Pumpen mit Fußbetrieb zu empfehlen. Mit diesen lässt sich schnell und ohne große Anstrengung ein Überdruck im Behälter herstellen, der die Flüssigkeit aus dem Gebinde drückt.

Die Lösemittelpumpe Fußbetrieb der Firma Bürkle arbeitet nach diesem Prinzip. Die Pumpe aus Edelstahl (1.4301) und PTFE ist für Fässer bis 220 l geeignet. Das stufenlos einstellbare Tauchrohr lässt sich für unterschiedliche Behältergrößen bis zu einer Fasstiefe von 95 cm spezifisch einstellen. Die Pumpe passt auf Stahlfässer mit R-2-Zoll-Gewinde und kann mit Gewinde­adaptern für handelsübliche Behälter erweitert werden. Durch Betätigen des Blasebalgs baut sich im Behälter ein Überdruck auf, und über den Absperrhahn lässt sich das Medium dosieren. Je nach Ausführung hat die Fasspumpe einen festen Auslaufbogen oder einen flexiblen Auslaufschlauch. Dieser macht es möglich, auch in weiter entfernt stehende Behälter abzufüllen.

Die Bedienung über den Fußbetrieb bietet den Vorteil, dass der Anwender beide Hände frei hat, um das Lösemittel abzufüllen. Das ermöglicht eine einfache und sichere Handhabung. Für das Abfüllen brennbarer Flüssigkeiten ist die Pumpe mit einem Antistatik-Set zu erden. Mit der Fassverschraubung und den beiden Absperrhähnen lassen sich Fass und Pumpe hermetisch verschließen. Das schützt die Gesundheit und Umwelt, denn nach dem Abfüllen können keine lösemittelhaltigen Dämpfe mehr entweichen. Zudem ermöglichen die beiden Absperrhähne, dass die Pumpe dauerhaft auf dem Fass montiert bleiben kann.

Um Lösemittel aus kleineren Behältern sicher abzufüllen, eignen sich handbetriebene Lösemittelpumpen. Die Lösemittelpumpe Handbetrieb ähnelt von Material und Aufbau der fußbetriebenen Pumpe des Herstellers. Sie ist ebenfalls aus Edelstahl (1.4301) und PTFE gefertigt und hat einen festen Auslaufbogen. Der Überdruck wird mit einem Handpumpenball erzeugt. Mit den beiden Kugelhähnen an Auslauf und Gewinde lässt sich das Medium sicher abfüllen. Zudem ermöglichen die Kugelhähne den Druckausgleich und ein gasdichtes und komplettes Verschließen der Pumpe. Somit kann auch diese Pumpe dauerhaft auf dem Behälter montiert bleiben. Die Pumpe hat eine Eintauchtiefe von 60 cm, und das Tauchrohr passt sich automatisch an den jeweiligen Behälter an. Dadurch ist sie für Behälter bis 60 l, beispielsweise Weißblechkanister geeignet. Sie hat ein R-2-Zoll-Gewinde, und auch hier besteht die Möglichkeit zur Erweiterung mittels Gewindeadapter. Mit einem Anti­statik-Set lässt sich auch die handbetriebene Löse­mittel­pumpe erden.

Kleinmengen sicher abfüllen

Eine besondere Herausforderung beim Abfüllen von Lösemitteln stellen Kleinmengen dar, die gerade im Laborbereich häufig benötigt werden. Kleinmengen lassen sich aber mit Pumpen mit hoher Förderleistung nicht präzise entnehmen. Die Lösemittelpumpe Mini ist speziell für das Abfüllen kleiner Mengen entwickelt. Die Pumpe aus PTFE und Edelstahl (1.4301) eignet sich für Kleingebinde bis 10 l, etwa Flaschen oder Kanister, und hat ein Anschlussgewinde GL 45. Mit entsprechenden Adaptern ist auch eine Erweiterung auf S 40, GL 38 und GL 32 möglich.

Der flexible PTFE-Schlauch, der die Flüssigkeit aus dem Gebinde fördert, kann in der Länge angepasst werden. Eine Restentleerung ist somit auch aus Flaschen und Kanistern mit gewölbtem Boden möglich. Die ausbalancierte Konstruktion der Pumpe ermöglicht ein kippsicheres Abfüllen, auch aus kleinen Gebinden. Die Lösemittelpumpe mit dem Handpumpenball funktioniert ebenfalls nach dem Überdruck-Prinzip. Dabei schützt ein Überdruckventil vor übermäßigem Druckaufbau. Um brennbare Medien sicher abzufüllen, kann elektrostatische Aufladung mittels Büschelstecker und Erdungskabel abgeführt werden. Der selbstschließende Auslauf bewirkt ein präzises Abfüllen ohne Nachtropfen. Mit der genauen Dosierung lässt sich Lösemittel auch in sehr kleine Behältnisse wie Reagenzgläser abfüllen. Zudem kann an der Auslauftülle ein Schlauch befestigt werden, um in tiefer stehende Gefäße sicher abzufüllen.

Die verschiedenen Lösemittelpumpen sind speziell für die fachgerechte Entnahme von Lösemitteln entwickelt. Die manuelle Bedingung ermöglicht einen flexiblen Einsatz. Mit den unterschiedlichen Modellen lassen sich kleine sowie große Mengen aus sämtlichen Behältergrößen und -arten sicher und einfach entnehmen. Mensch und Umwelt sind somit geschützt.

Achema 2018 Halle 4.1 – F47

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Heftausgabe: Juni/2018

Über den Autor

Michèle Bötticher, Kommunikationsmanagerin, Bürkle
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