Um vom fossilbasierten Neukunststoff loszukommen und Rezyklate zu fördern, sind produktspezifische Einsatzquoten und ein angemessener CO2-Preis nötig, argumentiert der VDMA. Bild: petovarga – stock.adobe.com

Um vom fossilbasierten Neukunststoff loszukommen und Rezyklate zu fördern, sind produktspezifische Einsatzquoten und ein angemessener CO2-Preis nötig, argumentiert der VDMA. Bild: petovarga – stock.adobe.com

| von Ansgar Kretschmer
  • Der VDMA nennt in einem Diskussionspapier Voraussetzungen und Maßnahmen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft im Kunststoffbereich.
  • Wirksamste Maßnahme zur Stabilisierung des Marktes für Rezyklate ist demnach ein angemessener CO2-Preis, um Parität zwischen Rezyklaten und Neukunststoffen herzustellen.
  • Darüber hinaus sollen Einschränkungen zum Einsatz von Rezyklaten überprüft und Einsatzquoten für Recyclingmaterialien auf EU-Ebene umgesetzt werden. Außerdem fordert der Verband einen Exportstopp für Kunststoffabfälle in Staaten mit geringen Umweltauflagen.

Ziel ist, die Rohstoffmärkte neu auszurichten und die Verwendung von Rezyklaten preislich attraktiver zu machen. Dadurch würden Kunststoffe mehrfach genutzt und die CO2-Bilanz entlastet. Außerdem will der Verband ein Zeichen setzen gegen die Vermüllung der Umwelt durch Plastikabfälle und für einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen. „Einschränkungen zum Einsatz von Rezyklaten gehören auf den Prüfstand. Es ist nicht nachvollziehbar, warum zum Beispiel in einigen Kommunen Abfalltonnen nicht aus recyceltem Kunststoff bestehen dürfen“, sagt Karl Haeusgen, Präsident des VDMA. „Wir brauchen hier Regelungen, die den Einsatz von Rezyklaten flächendeckend fördern oder zumindest nicht unnötig behindern.“

Grundlage für die Diskussionen

Seine Argumente hat der Verband im Diskussionspapier „Für den nachhaltigen Umgang mit Kunststoffen – pro Kreislaufwirtschaft“ vorgelegt. Erarbeitet haben das Papier mehrere Fachverbände, unter anderem für Abfall- und Recyclingtechnik sowie Kunststoff- und Gummimaschinen. Anlass sind die von der EU im Rahmen des Green Deal definierten ambitionierten Ziele zu Klimaschutz und Ressourcenschonung, mit denen bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität erreicht werden soll. „Wir wollen zeigen, dass wir mit Überzeugung hinter den Zielen des Green Deal stehen und uns auch gemeinsam in die Gestaltung der Umsetzung einbringen“, erläuterte VDMA-Präsident Haeusgen. „Das Diskussionspapier sehen wir als gute Grundlage für die Diskussionen mit der Politik, aber auch innerhalb der Kunststoffindustrie.“
Kunststoffprodukte bieten in ihrer Lebensphase große Vorteile bei den Themen Hygiene, Leichtbau oder CO2-Einsparung. Voraussetzung für eine Kreislaufwirtschaft sind ihre Rezyklierbarkeit nach Gebrauch und die Wiederverwendbarkeit in neuen Produkten. Entscheidend ist außerdem ein funktionierender Markt für den Einsatz von Kunststoff-Rezyklaten. Diese sind bislang teurer als neu hergestellte Kunststoffe, weil deren Herstellung sich an den schwankenden und derzeit sehr günstigen Rohölpreisen orientiert. Dadurch gerät der Rezyklat-Markt erheblich unter Druck.

Abhilfe könnte eine angemessene CO2-Bepreisung schaffen, für die sich der VDMA einsetzt: Der „CO2-Rucksack von Rezyklaten“ sei im Verhältnis zur Neuware um 1,5 bis 3,2 t leichter pro Tonne Kunststoff. Fließt dies in die Klimabilanz ein, so wäre eine Parität zwischen Primär- und Sekundärkunststoff möglich, rechnet der Verband. Dieses marktwirtschaftliche Instrument der Wahl bleibe aber seit vielen Jahren unberücksichtigt. Solange dieses Instrument nicht greift, sehen die Maschinen- und Anlagenbauer folgende Handlungsoptionen auf europäischer Ebene:

1. Produktspezifische Rezyklat-Quoten

Solange die Preisparität zwischen Primär- und Sekundärkunststoffen nicht hergestellt ist, schlägt der Verband eine temporäre Rezyklat-Einsatzquote differenziert nach Anwendungsfällen vor. Damit ließe sich der Markt neu ausrichten und die preisliche Schieflage zwischen Rezyklaten und Neuware ausgleichen. Die Ausgestaltung der Quoten sollte schrittweise und dynamisch erfolgen, ausgehend von einfachen Anwendungsfällen außerhalb der Lebensmittelverpackung, bei denen Standardkunststoffe (PE, PP, PET, PS und PVC) eingesetzt werden. Ein guter Startpunkt könnte der sonstige Verpackungsbereich sein. Eine konsequent durchgesetzte Quotenregelung soll den Rezyklat-Einsatz im Markt trotz höherer Kosten und Mehraufwand bei der Verarbeitung steigern. Gleichzeitig soll sie die Materialentwicklung bei Rezyklaten hin zu besseren Qualitäten befördern. Der VDMA betont, dass die Quotenregelung und die Marktüberwachung europaweit gelten und zügig umgesetzt werden müsse. Voraussetzung sei außerdem eine bürokratiearme Umsetzung ohne erhebliche negative wirtschaftliche Auswirkungen, insbesondere auf KMU und die Wettbewerbsfähigkeit.

2. Design für Recycling

Kunststoffprodukte sollten grundsätzlich so designt werden, dass ihre Rezyklierbarkeit am Lebensende gewährleistet ist. Kunststoffe in Produkten seien so zu kombinieren, dass eine klar definierte Materialtrennung bei den Abfallströmen erfolgen kann und damit die Recyclingfähigkeit sichergestellt ist. Dabei dürfe es keine allgemeingültigen horizontalen Design-Vorschriften geben, vielmehr sollten Best-Practice-Verfahren am Markt geteilt werden.

3. Digitale Identifizierbarkeit von Altkunststoffen

Ein entscheidender Faktor bei der Kreislaufführung ist die transparente Verfolgbarkeit von Kunststoffen über ihren Lebenszyklus. Die Kombination aus einem recyclingfähig designten Produkt und dessen digitaler Nachverfolgbarkeit ermöglicht eine größtmögliche Material-Wiederverwertung. Hier könne ein digitaler Produktpass bei richtiger Ausgestaltung ein Lösungsansatz sein.

4. Standardisierung von Kunststoff-Rezyklaten

Kunststoffprodukte, unabhängig davon, ob aus Neuware oder Rezyklat, müssen hohen Qualitätsanforderungen genügen. Umso wichtiger sind definierte und gesicherte Qualitätsstandards auch für Rezyklate und deren Wiedereinsatz, um Sicherheit für die Industrie und Vertrauen bei den Verbrauchern zu schaffen.

5. Keine unnötigen Einschränkungen bei der Verwendung von Rezyklaten

Aktuell bestehen Widersprüche in der Zielrichtung verschiedener Regelsysteme. Einerseits sollen die Recyclingquoten deutlich erhöht werden. Andererseits verhindern oder bremsen Verordnungen und Gesetze sowie öffentliche Ausschreibungen den Einsatz von Rezyklaten. Beispielsweise wird der Rezyklat-Einsatz bei Mülltonnen und Abwasserrohren unterbunden. Im Bereich der Lebensmittelanwendungen gibt es zwar inzwischen Möglichkeiten des Rezyklat-Einsatzes bei PET-Verpackungen, diese lassen sich allerdings aufgrund des abweichenden Polymerverhaltens nicht auf Polyolefine übertragen. Hier stehen starre Vorgaben einer Belebung der Kreislaufwirtschaft im Wege. Einige dieser Regelsysteme müssen aktualisiert werden, um den Stand der Technik besser zu spiegeln, und sie müssen gleichzeitig deutlicher an den umweltpolitischen Vorstellungen ausgerichtet werden, fordert der Verband. Auch dieser Prozess sollte schrittweise erfolgen.

6. Exportstopp von Plastikabfällen aus der EU in Drittstaaten mit geringeren Umweltauflagen

Kunststoffabfälle sind eine wichtige Ressource und damit wertvoll. Diese Ressource ist der Grundstock für neue Kunststoffgranulate und damit neue Kunststoffprodukte. Der Export dieser Ressource schmälert den heimischen Grundstock und führt zu Umweltproblemen, wenn die Exporte in Länder gelangen mit niedrigeren ökologischen Auflagen als in der EU. Die geplante Überarbeitung der Waste Shipment Directive kann hier Lösungen liefern. Deshalb sollten die Kunststoffabfälle im Kreislauf der EU verbleiben, und es sollte ein Exportstopp in Länder außerhalb der EU mit niedrigeren Umweltauflagen verhängt werden.

Trennbarkeit von Materialien ist eine wichtige Voraussetzung für die Recyclingfähigkeit. Ausgerechnet für Mülltonnen ist der Einsatz von Rezyklaten derzeit noch begrenzt.Bild: Olga – stock.adobe.com
Trennbarkeit von Materialien ist eine wichtige Voraussetzung für die Recyclingfähigkeit. Ausgerechnet für Mülltonnen ist der Einsatz von Rezyklaten derzeit noch begrenzt. Bild: Olga – stock.adobe.com

7. Kunststoff für Klima

Kunststoffprodukte helfen in vielen Anwendungsfeldern den CO2-Fußabdruck zu reduzieren – sowohl in der Herstellungs- als auch in der Produktlebensphase. Leichtbauteile aus Kunststoff im Automobil sparen Kraftstoff, Gebäudeisolierungen mindern den Verbrauch von Heizöl, Verpackungen verhindern den Verderb von Lebensmitteln, deren CO2-Fußabdruck besonders groß ist. Kunststoffe tragen zur Verbesserung der CO2-Bilanz bei und schaffen damit echte Vorteile für den Klimaschutz. Um diese Leistungen deutlich zu machen und auch, um noch mehr beitragen zu können, sind Transparenz und wirtschaftliche Anreize notwendig. Im Sinne einer besseren Transparenz sollten Standards für die Bilanzierung des CO2-Fußabdrucks erarbeitet werden.

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