Evonik ersetzt letztes Kohlekraftwerk

Siemens errichtet Industriekraftwerk im Chemiepark Marl

26.09.2019 Siemens wird im Chemiepark Marl in Nordrhein-Westfalen ein hocheffizientes Gas- und Dampfturbinen(GuD)-Kraftwerk schlüsselfertig errichten. Auftraggeber ist der Spezialchemiekonzern Evonik Industries, das Projektvolumen liegt im unteren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Siemens errichtet ein Industriekraftwerk im Chemiepark Marl. (Bild: Siemens)

Siemens errichtet für Evonik ein Industriekraftwerk im Chemiepark Marl. (Bild: Siemens)

Das neue Industriekraftwerk wird aus zwei Kraftwerksblöcken mit einer elektrischen Leistung von je 90 MW bestehen und neben Strom auch Prozessdampf für den Chemiepark produzieren. Aus dem Dampfverbundnetz des Standorts werden auch zukünftig rund 2.000 Haushalte mit Fernwärme versorgt. Dadurch liegt der Brennstoffnutzungsgrad der Anlage bei über 90 %. Mit dem GuD-Kraftwerk ersetzt Evonik sein letztes Kohlekraftwerk im Chemiepark Marl. Durch die Produktion von Strom, Prozessdampf und Fernwärme aus Erdgas kann das Unternehmen künftig bis zu eine Mio. t CO2-Emissionen pro Jahr einsparen. Damit leistet die Anlage einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung.

Der Baubeginn ist noch für 2019 geplant. Voraussichtlich im Jahr 2022 soll das Kraftwerk in Betrieb gehen. Der Lieferumfang von Siemens umfasst neben der schlüsselfertigen Errichtung zweier identischer Kraftwerksblöcke je eine Industriegasturbine sowie je eine Industriedampfturbine. Hinzu kommen Generatoren, Hilfssysteme und das Leittechniksystem. Siemens wird im Rahmen eines Langzeitservicevertrags für beide Gasturbinen vorbeugende Wartungsarbeiten für einen Zeitraum von 15 Jahren übernehmen. Der Servicevertrag beinhaltet zudem Remote Diagnostic Services für die tägliche Anlagenüberwachung und monatliche Auswertungen der Betriebsdaten.

Verschiedene Gase als Brennstoff

Durch den Einsatz spezieller Abhitzedampferzeuger und Katalysatoren lässt sich die Anlage neben Erdgas auch mit regasifiziertem Flüssiggas (LNG) und verschiedenen anderen Gasen, wie Restgasen aus Produktionsprozessen, betreiben. Jeder Kraftwerksblock kann neben Strom bis zu 220 Tonnen Prozessdampf pro Stunde produzieren. Da die Anlage dank ihrer hohen Flexibilität schwankende Einspeisungen erneuerbarer Energien im Stromnetz kompensieren und Fernwärme produzieren kann, leistet sie auch einen Beitrag zur Energiewende in Deutschland.

„Mit der Errichtung dieses Kraftwerks, dessen technisches und kommerzielles Konzept wir gemeinsam mit Evonik erarbeitet haben, helfen wir Evonik nicht nur dabei, seine CO2-Emissionen erheblich zu senken“, sagte Michael Becker, CFO Siemens Gas and Power. „Die hochmoderne Anlage wird zudem eine zuverlässige Versorgung des Chemieparks mit Strom und Prozessdampf sicherstellen. Die Möglichkeit, verschiedene Gase als Brennstoff einzusetzen ist ein zusätzlicher Vorteil, der die Wirtschaftlichkeit der Anlage weiter erhöht.“

„Mit der Entscheidung für den Bau des neuen Kraftwerks beenden wir nach mehr als 80 Jahren die Erzeugung von Strom und Dampf auf der Basis von Steinkohle in Marl und senken so die direkten jährlichen Treibhausgasemissionen unserer Anlagen weltweit um fast ein Fünftel“, sagte Thomas Wessel, Personalvorstand und Arbeitsdirektor von Evonik. „Wir freuen uns, mit Siemens einen verlässlichen Partner an unserer Seite zu haben, der uns dabei unterstützt, unsere ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen.“ (ak)

 

 

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