Dezentral prüfen, zentral dokumentieren

System ermöglicht effiziente Sicherheitsprüfungen und rechtssichere Datenerfassung

12.09.2018 Selbst erstellte Lösungen sind bei der wiederkehrenden Prüfung von Betriebsmitteln nach wie vor an der Tagesordnung. Um Prüfabläufe und die Dokumentation nicht nur rechtssicher, sondern auch effizient zu gestalten, wurde eine IT-Lösung entwickelt, die Betreiber bei Prüfaufgaben unterstützt.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Ein neues Programm schafft Ordnung im Papierdschungel der Anlagensicherheitsprüfungen.
  • Die Planung, Dokumentation und Durchführung notwendiger Inspektionen aller Art lässt sich damit zuverlässig gestalten.
  • Die Multi-User-Software integriert die Prüfung der Explosionssicherheit, der funktionalen Sicherheit sowie weitere betriebliche Prüfungen der Sicherheit und Qualität auf Basis von allen relevanten Gesetzen und Richtlinien.

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Prüfanforderungen in Anlagen mit Ex-Bereichen sind besonders vielfältig. Bild: mhp – AdobeStock

In vielen Betrieben werden vorgeschriebene Prüfungen an Betriebsmitteln noch immer eher individuell, ohne übergeordnete Struktur durchgeführt und dokumentiert. Das ist verständlich: Je nach Prüfgebiet, Prüfungsart und Prüfgegenstand gibt es recht unterschiedliche Anforderungen, unterschiedliche Untersuchungszyklen und auch unterschiedliche interne Zuständigkeiten. Erstellte Unterlagen landen so oft in diversen Aktenordnern in verschiedenen Regalen oder in Dateien auf verschiedenen IT-Systemen. Schnell kommen enorme Datenmengen zusammen – die gängige Praxis ist deshalb eine große Herausforderung für jeden, der sich unter diesen Umständen einen Überblick über anstehende oder erbrachte Prüfungen in seinem Betrieb verschaffen muss.

Papierflut durchs Dickicht der Regelwerke

2 Software PEC

Die anwenderfreundliche Software PEC unterstützt die dezentrale Durchführung von Sicherheitsprüfungen – und zugleich die zentrale Datenerfassung und -verwertung. Bilder: R. Stahl

Die Anforderungen der funktionalen Sicherheit sowie betriebliche Vorschriften ergeben bereits ein erhebliches Pensum an Prüfpflichten. Gerade bei Einrichtungen mit potenziell explosionsfähigen Atmosphären kommen noch einmal vielfältigere Anforderungen durch Verordnungen und technische Regeln hinzu – nebst dem komplexen zugrundeliegenden Normenwerk. Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV, Anhang 2, Nummer 5.1) schreibt für Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen Überprüfungen der Explosionssicherheit mindestens alle sechs Jahre vor. Darüber hinaus sind Lüftungsanlagen, Gaswarneinrichtungen und Inertisierungseinrichtungen – sofern nicht ein geprüftes Instandhaltungskonzept vorliegt – jährlich zu prüfen (ebd., Nummer 5.3) und Schutzsysteme und elektrische und mechanische Geräte gemäß Richtlinie 2014/34/EU im Dreijahresturnus (ebd., Nummer 5.2).

3 Explosionsschutz-Modul PEC Ex

Im Explosionsschutz-Modul PEC-EX erleichtert besonders eine umfangreiche Gerätedatenbank die Prüfung von Betriebsmitteln in verschiedenen Zündschutzarten.

Weithin üblich ist bisher, dass bei der Durchführung von Betriebsmittel-Prüfungen nebeneinander Einzellösungen zum Beispiel mit Excel-Tabellen und Word-Dateien verwendet werden. Die Prüfpläne und Protokolle werden oft auch noch in Papierform gehandhabt: Bei beispielsweise 1.200 Prüfobjekten mit fünfseitigem Prüfplan fallen schon 6.000 Seiten oder 30 kg Papier an. Begleitende Dokumente existieren teils in gedruckter, teils in elektronischer Form auf Netzlaufwerken oder in ERP-Systemen. Es fehlt jedoch eine alles erfassende Dokumentenverwaltung, die das Auffinden aktueller oder historischer Vorgänge erleichtert.

Die händische Dateneingabe erfordert einen hohen Zeitaufwand. Teils müssen dieselben Daten in verschiedene IT-Systeme (z. B. SAP, CAE-Programme, Dokumentenmanagement) separat eingepflegt werden. Die Aktualität und Korrektheit der Informationen wird oftmals nicht gewährleistet. Ein hoher Aufwand ist erforderlich, um den Überblick über den Status der Anlagenprüfung zu erlangen und die Einhaltung der Prüftermine zu gewährleisten. Im Fall einer Störung ist der Betreiber in der Nachweispflicht. Er muss die Dokumentation aller vergangenen Prüfungen vorlegen können, dafür drägt er die Verantwortung. An vielen fehlerträchtigen manuellen Arbeitsschritten festzuhalten, ist ein entsprechend großes Risiko.

Mit der Software PEC (Plant Engineering Center) steht als Alternative jetzt eine IT-Lösung für die übersichtliche Planung, Organisation und Durchführung von Prüfungen zur Verfügung. Sie unterstützt die Betreiber technischer Anlagen in der Erfüllung ihrer gesetzlichen und normativen Pflichten im Bereich des Explosionsschutzes, der funktionalen Sicherheit und der betrieblichen Sicherheit und Qualität. Das von R. Stahl vertriebene Programm des Softwarehauses AGU ist dazu praxisgerecht für die Nutzung mobiler Geräte ausgelegt.

Praxisnah gestaltete Prüfsätze

Das Plant Engineering Center legt Daten zentral ab, bietet aber auch alle nötigen Schnittstellen zu bestehenden IT-Systemen an. Dadurch wird eine durchgängige Datenkonsistenz erreicht, was den Erfassungsaufwand erheblich reduziert.

Das System beinhaltet eine App (Smartline Plant Engineering Center) für Android sowie für Windows-Systeme. Die Software kann online und offline genutzt werden. Übersichtliche Eingabemasken erleichtern die Durchführung der Inspektionen. Die Daten werden über USB oder WLAN mit der Server­anwendung synchronisiert. Die praxisnah gestalteten Prüfsätze für den Explosionsschutz wurden durch die Betreiber der Niederrheinwerke abgenommen. Sie werden revisionssicher abgelegt. All das ermöglicht ein effizientes, komplett papierloses Prüfen. Das System generiert Ablaufpläne für die auszuführenden Prüfaufgaben und erinnert automatisch an Termine. Das Programm kann die Prüfungen auswerten, Aussagen über den Anlagenstatus treffen und Datensätze, Dokumente sowie Prüfprotokolle archivieren. Effektive Such- und Reportfunktionen erleichtern die Durchführung von Audits und Testatgesprächen.

Prüfung von Ex-Anlagen und funktionale Sicherheit

PEC-Ex, das Modul für die Überprüfung der Explosionssicherheit, erzeugt automatisch Prüfsätze für jedes Gerät bzw. System entsprechend seiner Zündschutzart und der Art der Prüfung (Sicht-, Nah- oder Detailprüfung). Die Prüfsätze basieren dabei auf der aktuellen BetrSichV und der Norm IEC 60079. Die Software ist für alle Betriebsgrößen skalierbar. Weitere Module stehen für die Überprüfung der Sicherheitsfunktionen nach IEC 61508, IEC 61511 und Namur sowie für zusätzliche betriebliche Inspektionen zur Verfügung.

Innerhalb von PEC-FS werden alle wichtigen Aspekte der Funktionalen Sicherheit dokumentiert: Es werden SRS (Safety Requirement Specification) Dokumente erstellt, SIF (Safety Instrumented Functions) aufgebaut und grafisch dargestellt. Davon ausgehend können SIL-Berechnungen durchgeführt, sowie passende Prüfpläne mit dem flexiblen Prüfplaneditor generiert werden. Prüfkonzepte für SIF (Safety Instrumented Function) und Prüfobjekte werden für die mechanische und elektrische Prüfung erstellt und mit Hilfe des eingebauten Schedulings geplant, schließlich durchgeführt und ausgewertet bzw. archiviert.

Heftausgabe: September/2018
Matthias Lange ist Business Development Manager –  Service bei R. Stahl

Über den Autor

Matthias Lange ist Business Development Manager – Service bei R. Stahl
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