Interview mit Dr. Sönke Brodersen, Vorsitzender VDMA Fachverband Pumpen+Systeme „Themen verzahnen“

Trends zur International Rotating Equipment Conference

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10.09.2012 Die International Rotating Equipment Conference, die vom 27. bis 28. September in Düsseldorf stattfinden wird, ist in diesem Jahr Dreh- und Angelpunkt für den Erfahrungsaustausch unter Anwendern, Entwicklern und Herstellern von Pumpen und Kompressoren. Im CT-Interview erläutert Dr. Sönke Brodersen, Vorsitzender des VDMA-Fachverbands Pumpen+Systeme, die Schwerpunkte sowie aktuelle Trends.

September 2012

„Ziel ist die Diskussion der Themen im breiten Auditorium und die internationale Netzwerkbildung“, Dr. Sönke Brodersen ist Vorsitzender des VDMA-Fachverbands Pumpen+Systeme und leitet bei KSB die Forschung

CT: Im September findet das internationale Pumpen-Anwenderforum zum zweiten Mal als „International Rotating Equipment Conference“ statt. Welche Erfahrungen aus der ersten Konferenz in 2008 bringen Sie mit?
Brodersen: Das Internationale Pumpenanwenderforum baut auf der Tradition der Karlsruher Pumpentagungen auf. Die erste fand 1973 an der Karlsruher Universität statt. Seitdem haben sich die Märkte und Pumpentechnologie stetig entwickelt. Die Märkte wurden internationaler, bei den Anwendern bildeten sich zunehmend Teams, die sich nicht nur mit der Pumpe, sondern dem kompletten „Rotating Equipment“ beschäftigen. So haben wir uns 2008 entschlossen, mit der Wahl des Düsseldorfer Kongresszentrums den Standort zu wechseln, die Internationalität bei Autoren und Besuchern weiter voranzutreiben, und drei im Prinzip eigenständige Foren zur International Rotating Equipment Conference zusammenzuführen. Die Ergebnisse gaben uns Recht. Wir hatten über 900 Besucher aus 35 Ländern, deutlich mehr internationale Betreiber und Anlagenbauer, und gerade die Anwenderseite zeigte sich von dem neuen Konzept einer gemeinsamen internationalen Großkonferenz für Pumpen und Kompressoren beeindruckt. Mit diesen positiven Erfahrungen gehen wir nun in die anstehende Konferenz. 
 
CT: Wo werden die Schwerpunkte im Vortragsprogramm rund um Pumpen liegen?
Brodersen: In dem Call for Papers hatten wir bewusst keine Schwerpunkte gesetzt. Letztendlich wollten wir aus der Summe der eingereichten und vom Programmausschuss ausgewählten Fachbeiträge Themencluster bilden. So ist ein hochinteressantes und inhaltlich relativ breit gestreutes Vortragsprogramm entstanden. Daraus möchte ich Themen nennen wie Energieeinsparung von Pumpen und Pumpensystemen, Anwendungsberichte aus den Branchen Öl & Gas, Chemie, Petrochemie oder Wasser und Abwasser, Werkstofftechnik, Automation oder Zustandsüberwachung. Auch aus der Wissenschaft bieten wir attraktive Themen. Beispielhaft nennen möchte ich hier Kavitation, Schwingungen oder den breiten Einsatz von CFD. Darüber hinaus bieten wir erstmals eine Session „Young Professionals“ an. Hier informieren ausgewählte Diplomanden oder Doktoranten von Universitäten, die mit unserem Forschungsfonds Pumpen zusammenarbeiten, über ihre laufenden Forschungsarbeiten mit Praxisbezug. Dies ist für uns insofern sehr wichtig, da die Hochschullandschaft in Deutschland der Pumpenindustrie im Bereich Technologie und Ingenieurnachwuchs wertvolle Unterstützung bietet.      

CT: Mit gleich drei Sessions ist das Thema computational fluid dynamics, CFD, im Programm besonders stark vertreten – weshalb und wo sehen Sie die wesentlichen Anwendungspotenziale?
Brodersen: Die numerische Strömungsmechanik ist eine etablierte Methode der Strömungsmechanik. Sie hat das Ziel, strömungsmechanische Probleme approximativ mit numerischen Methoden zu lösen. Als Entwicklungs- und Nachrechnungswerkzeug kann die CFD dazu beitragen, Produktentwicklungszeiten zu verkürzen und zeit- und kostenaufwendige Praxisversuche auch vor dem Hintergrund der Variantenvielfalt zu reduzieren. Darüber hinaus bietet der Einsatz von CFD ein breites Optimierungspotenzial für Pumpe-Anlage-Wechselwirkungen, z. B. in den Anwendungsfeldern Wasserversorgung, -entsorgung oder Biogas. Der Nutzen von CFD rückt damit zunehmend in das Interesse von Anlagenplanern und Betreibern.
Neben der reinen Strömungsmechanik bietet die CFD auch großes Potenzial für die Hydroakustik und der Berechnung der Fluid-Struktur-Interaktion. Die Anwendung von CFD ist heute nicht mehr wegzudenken und hat weiteres Entwicklungspotenzial. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass das Thema auf der diesjährigen International Rotating Equipment Conference so stark vertreten ist.

CT: Welche Synergien sehen Sie zu den ebenfalls vertretenen Themen Kompressoren und Kolbenverdichtern?
Brodersen: Synergien sehen wir im organisatorischen und inhaltlichen Bereich. Organisatorisch halten wir die drei Foren für Pumpen, Kompressoren und Kolbenverdichter eigenständig, doch fassen wir sie in einen gemeinsamen Kommunikationsrahmen. Dies betrifft z.B. Call for Papers, Programmbroschüre, Werbung oder Website. Diese Vorteile geben wir den Teilnehmern in Form von Teilnehmergebühren weiter, die im Vergleich zu ähnlichen Großveranstaltungen mit gleichem Leistungsspektrum eher am unteren Rand liegen.
Inhaltlich können wir die Produktgruppen Pumpen, Kompressoren und Kolbenverdichter hervorragend miteinander verzahnen und den Teilnehmern, insbesondere auf der Betreiberseite einen echten Mehrwert bieten. Gerade jene Personen, die sich mit Rotating Equipment befassen, erhalten ein schon fast einzigartiges Angebot an Beiträgen zur aktuellen Pumpen- und Kompressorentechnologie. Bei der detaillierten Programmgestaltung haben wir darauf geachtet, dass jene Besucher, die sich für eines der bereits genannten Schwerpunktthemen besonders interessieren, hierzu zeitlich konsekutiv für die verschiedenen Produktgruppen die relevanten produktbezogenen Vorträge besuchen können.    

CT: Bereits auf der Achema im Juni haben aktuelle Themen bei Pumpen sowie Produktneuheiten und neue Lösungen breiten Raum eingenommen. Welche neuen Themen können die Anwender von der Konferenz erwarten?

Brodersen: Die Achema ist eine Fachmesse. Dort zeigen die Aussteller ihre firmenspezifischen Produktneuheiten. Bei unserem Kongress in Düsseldorf liegt der Schwerpunkt bei den Fachbeiträgen. Diese sind firmenneutral. Ziel ist die Diskussion der Themen im breiten Auditorium, der inhaltliche Austausch über Anwendungsfragen und die internationale Netzwerkbildung. Aus den behandelten Themen leiten wir aus Erfahrung der früheren Jahre auch Aktivitäten für unsere nationale und internationale Normungs- oder Verbandsarbeit ab. Und letztlich sind wir natürlich gespannt, ob aus den intensiven Gesprächen in Düsseldorf nicht auch gänzlich neue Ideen und Themen entwickelt werden, die man so direkt der Programmbroschüre nicht entnehmen kann.

CT: Welche Anforderungen stehen seitens der Pumpenanwender derzeit im Mittelpunkt?
Brodersen: Zunächst hat jeder Pumpenanwender seine ganz spezifischen Anforderungen, die sich aus seinem Produktionsprozess ergeben und für die er vom Pumpenhersteller Lösungen erwartet. Übergreifende Anforderungen liegen aus unserer Sicht im wirtschaftlichen Betrieb von Pumpensystemen. Hier sind Lebenszyluskosten, Energieeffizienz, Verfügbarkeit und Betriebssicherheit sowie die unterschiedlichen Aspekte der Wartung und Instandhaltung zu nennen.
 
CT: Was ist seitens der Gesetzgebung und Normung zu erwarten?
Brodersen: Insbesondere Pumpen sind durch ihre vielfältigen Anwendungsbereiche von vielen europäischen Richtlinien betroffen. Am intensivsten beschäftigt uns derzeit die Ökodesignrichtlinie („ErP-Directive“). Während für Heizungsumwälzpumpen und Wasserpumpen konkrete Umsetzungsmaßnahmen ab 01.01.2013 greifen, gehen die Arbeiten in Brüssel unvermindert weiter. Aktuell behandelt eine Studie die Produktgruppen Abwasserpumpen und „andere Wasserpumpen“ mit Leistungen von 160 W bis 375 W und 7,5 kW bis 1MW. Zudem erkennen wir das Bestreben der Europäischen Kommission, danach etwa ab 2017 noch bestehende Lücken dieser Studien beispielsweise für Lebensmittelpumpen oder Schlammpumpen aufzugreifen, die aus systematischen Gründen bisher nicht behandelt wurden. Ob eine Vorstudie zu Chemiepumpen kommen wird, können wir gegenwärtig nicht abschätzen. Die vorhandenen Kapazitäten bei der Kommission oder auch die Komplexität einer solchen Studie werden hier ausschlaggebend sein.
Im Programm des Internationalen Pumpenanwenderforums nehmen wir diese komplexe Thematik auf und bieten in einer Session einen „EuP/ErP Expert Talk“ an. Hierbei informieren wir über unseren Lösungsvorschlag des „erweiterten Produktansatzes“ und wollen in der Diskussion eruieren, welche Auswirkungen dies für die Anwender hat.
Parallel zu den gesetzlichen Vorgaben setzt die EU zudem auf die Märkte selbst – sprich eine zunehmende Nachfrage nach energieeffizienten Geräten und Maschinen durch die Betreiber. Es ist zu vermuten, dass die EU eine derartige Entwicklung mehr als begrüßen würde, da dies z. B. eine Behandlung der in komplexen verfahrenstechnischen Anlagen integrierten Chemie- oder Prozesspumpe entbehrlich machen würde. Hier wäre auch ein verstärkter Widerstand von der Betreiberseite zu erwarten, die tiefe Eingriffe in ihre Prozesse befürchten müssten.[AS]

Weitere Informationen, Programm und Anmeldung unter
www.introequipcon.com

Heftausgabe: September 2012

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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