Anwendungen in Medizin und Landwirtschaft

Biotechnologie für Pflanzenschutz: Bayer kooperiert mit US-Unternehmen

06.06.2019 Der Bayer-Konzern hat eine Kooperation mit dem US-Biopharma-Spezialisten Arvinas bekannt gegeben. Das Unternehmen entwickelt Moleküle zum gezielten Proteinabbau, die sowohl im Pflanzenschutz als auch für neue Arzneimittel zum Einsatz kommen sollen. Bayer investiert laut der Vereinbarung zunächst 115, bei Erfolg sogar bis 800 Mio. US-Dollar.

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Die Technologie soll unter anderem beim Pflanzenschutz zum Einsatz kommen. (Bild: Marianne Mayer – Fotolia)

Die von Arvinas entwickelten Moleküle tragen den Namen Proteolysis-Targeting Chimeras (Protac). Diese Technologie nutzt das natürliche Proteinabbausystem der Zelle, um selektiv einzelne Zielproteine durch Proteolyse abzubauen und in ihre Bausteine, die Aminosäuren, zu zerlegen. Im Pflanzenschutz bietet die Technologie neue Möglichkeiten, da die Zielmoleküle somit nicht nur  gehemmt werden. Darüber hinaus könnten Protec-Moleküle theoretisch auch bestehende Wirkmechanismen reaktivieren, wenn der Schadorganismus aufgrund von Resistenzen nicht mehr auf die Behandlung anspricht.

Auch im pharmazeutischen Bereich versprechen proteinabbauende Moleküle gegenüber den niedermolekularen Inhibitoren, die heute in vielen Arzneimitteln zum Einsatz kommen verschiedene Vorteile, weil sie krankheitsauslösende Zielproteine direkt entfernen, anstatt sie nur zu blockieren. Darüber hinaus sind für eine Vielzahl der Zielmoleküle, die für die Arzneimittelentwicklung von Bedeutung sind, noch gar keine Inhibitoren bekannt.

Joint-Venture und Kapitalbeteiligung

Im Agrarbereich besteht die Kooperation in der Gründung eines Joint-Venture. Nach Angaben von Bayern ist das Unternehmen das erste, das die Potenziale der Technologie für Landwirtschaft und Pflanzenschutz erforscht. Dazu will Bayer etwa 55 Mio. US-Dollar über einen Zeitraum von sechs Jahren investieren, um die neue Proteinabbau-Technologie in der Agrarchemie nutzbar zu machen.

Im Pharmabereich startet eine Forschungskooperation mit Arvinas. Das US-Unternehmen erhält eine Vorauszahlung und Unterstützung für pharmazeutische Forschung und Entwicklung während der kommenden vier Jahre. Ferner beinhaltet die Zusammenarbeit eine Kapitalbeteiligung durch Bayer. Zusammengenommen betragen diese Investitionen etwa 60 Mio. US-Dollar. Arvinas hat darüber hinaus Aussicht auf weitere Meilensteinzahlungen in Höhe von insgesamt mehr als 685 Mio. US-Dollar. (jg)

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