Zusammenschluss unter Auflagen

US-Behörde genehmigt Linde-Praxair-Fusion

23.10.2018 Doch noch rechtzeitig: Die US-amerikanische Wettbewerbsbehörde FTC hat am 22. Oktober den Zusammenschluss der Industriegas-Konzerne Linde und Praxair genehmigt – unter Auflagen. Deadline für die Milliardenfusion war der 24. Oktober. Deutsche Gewerkschaften erneuerten ihren Protest gegen den 75-Mrd.-Dollar-Deal.

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Genehmigung erteilt, aber noch nicht alle Auflagen erfüllt. Vor der endgültigen Fusion muss sich Linde bis Ende Januar 2019 von weiteren Geschäftsteilen auf dem US-Markt trennen. (Bild: Linde)

Mit dem Zusammenschluss entsteht der größte Industriegas-Lieferant der Welt. Der Konzern soll den Namen Linde plc tragen. Die US-Behörde knüpft jedoch weitere Bedingungen an die Fusion: Linde und Praxair müssen sich von mehr Geschäftsanteilen trennen, als zunächst erwartet. Die Fusion stand deswegen zeitweilig auf der Kippe, da die voraussichtlichen Umsatzeinbußen an die vereinbarte Schmerzgrenze von 3,7 Mrd. US-Dollar stießen.

Getrennt bis Ende Januar 2019

Linde muss nun in den USA nahezu sein gesamtes Bulkgeschäfts sowie Teile der Geschäftsbereiche Kohlenstoffmonoxid, Wasserstoff, Synthesegas und Dampfreformierung abgeben. Der Konzern ist verpflichtet, die Veräußerungen bis zum 29. Januar 2019 zu vollziehen; danach würden die Veräußerungen nach Vorgaben der FTC umgesetzt. Zudem sind Linde und Praxair zunächst verpflichtet, ihre Geschäfte weltweit unabhängig und getrennt voneinander zu führen und ihre Geschäftsaktivitäten nicht miteinander abzustimmen. Diese Vereinbarung ermöglichte es, die Genehmigung noch vor dem 24. Oktober zu erhalten, andernfalls wäre die Fusion aufgrund der deutschen Rechtslage geplatzt. Diese sog. Hold Separate Order wird aufgehoben, sobald der wesentliche Teil der Veräußerungen vollzogen ist. In der Gesamtbetrachtung erwarten die Fusionspartner, dass die angestrebten jährlichen Synergien und Kosteneffizienzen im Bereich von 1,1 bis 1,2 Mrd. US-Dollar innerhalb von etwa drei Jahren erzielt werden. Dieses Ziel liegt etwas niedriger als die zunächst angestrebten 1,2 Mrd. US-Dollar.

Damit seien alle Bedingungen für den Vollzug des Unternehmenszusammenschlusses eingetreten, nachdem auch die Europäische Kommission bereits die ausstehende Käufer-Genehmigung für die Veräußerung des überwiegenden Teils des europäischen Gasegeschäfts von Praxair an den japanischen Industriegasehersteller Taiyo Nippon Sanson Corporation erteilt hatte. Das Tauschangebot der Linde plc an die Linde-Aktionäre soll bis zum 31. Oktober 2018 vollzogen werden. Die Aktien der Linde plc werden an der Frankfurter Wertpapierbörse und an der New York Stock Exchange zum Handel zugelassen sein.

Warnung von Gewerkschaften

Erneuter Protest gegen die Fusion der Gasriesen kam von Seiten der Gewerkschaften: IG Metall und IG BCE zweifeln den wirtschaftlichen Sinn des Zusammenschlusses an und sehen deutlich mehr Arbeitsplätze gefährdet als bislang angenommen. „Es tritt ein, wovor wir seit Beginn der Fusionsverhandlungen  gewarnt haben“, sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall. Linde müsse sich unter Zeitruck von attraktiven Unternehmensbereichen trennen, Praxair von seinem gesamten Gasegeschäft in Europa. Diese Auflagen erhöhten den Druck auf Effizienz und Synergien und damit auf die Beschäftigung.

Zweifelhaft sei auch die Wirtschaflichkeit der Fusion, insbesondere durch den nun gestiegenen Synergiedruck. Ertrag und Kosten stünden in keinem Verhältnis. „Dieser Zusammenschluss rechnet sich nicht – weder für die Aktionäre, noch für die Beschäftigten, noch für den Industriestandort Deutschland“, sagte der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis. Auch das Integrationsrisiko schätzen die Gewerkschaften aufgrund der unterschiedlichen Unternehmenskulturen als hoch ein. Sie kritisieren außerdem, dass der deutlich kleinere Partner Praxair von den USA aus zentrale Schlüsselpositionen besetze und das operative Geschäft steuere. Hofmann und Vassiliadis zeigten sich dagegen überzeugt, „dass Linde alleine sehr gut aufgestellt ist und sehr gute Zukunftschancen besitzt, die auch im Sinne der Beschäftigten eine bessere Lösung darstellen.“ (ak)

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