VCI-Prognos-Studie: Entwicklung der deutschen Chemie bis 2030

15.10.2012 Die Studie analysiert Entwicklungspfade der deutschen chemischen Industrie bis 2030 im weltweiten Kontext und zeigt verschiedene Szenarien auf. Sie gibt Unternehmen Orientierung für ihr strategisches Handeln und zeigt der Politik die Folgen ihrer Entscheidungen für die Wettbewerbsfähigkeit der Chemiebranche auf.

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VCI-Prognos-Studie: Entwicklung der deutschen Chemie bis 2030

Verteilung der weltweiten Chemieproduktion 2011 und 2030 aus der VCI-Prognos-Studie ‚Die deutsche chemische Industrie 2030‘ (Bild: VCI/Prognos)

Die Chemie als drittgrößter Industriezweig in Deutschland kann einer guten Zukunft entgegen sehen: Ihre Produkte und Leistungen spielen für eine nachhaltige Entwicklung und alle globalen Megatrends, hinter denen das Wachstum der Weltbevölkerung als treibende Kraft wirkt, eine zentrale Rolle. Eine Steigerung der Chemieproduktion am Standort Deutschland um 40 % bis 2030 scheint so möglich. Zu diesem Ergebnis kommt das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos, das im Auftrag des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) in einer umfassenden Studie Entwicklungspfade der Branche analysiert und sich dabei auf das spezifische Wissen von Experten aus Mitgliedsunternehmen und Fachverbänden des VCI sowie aus Kundenindustrien der Chemie gestützt hat.

„Wenn die Politik in Berlin die richtigen Entscheidungen fällt, wird die deutsche Chemie in den kommenden Jahrzehnten weiter wachsen, wirtschaftlich erfolgreich sein und in vielfältiger Hinsicht dazu beitragen, Lebensqualität und Wohlstand unserer Gesellschaft zu mehren“, sagte der vor wenigen Tagen abgelöste VCI-Präsident Dr. Klaus Engel bei der Vorstellung der Studie in Essen. Der Produktionsverbund innerhalb der Branche und der starke industrielle Kern der deutschen Volkswirtschaft mit seinen vernetzten Wertschöpfungsketten, in denen die Chemie überall eine wichtige Rolle spielt, seien dabei Garant für ein solides Wachstum.

Der Studie zufolge kann die Branche von der steigenden weltweiten Nachfrage nach Chemikalien – besonders aus Asien und Lateinamerika – auch in Zukunft profitieren. Die Verschiebung der wirtschaftlichen Wachstumszentren weg von Europa hin nach Asien mit China als Gravitationszentrum führt aber auch zu stärkerem Wettbewerbsdruck für die Chemie am Standort Deutschland. Darauf wird die Branche, so die Studie, mit einer mehrschichtigen Anpassungsstrategie reagieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Als Reaktion auf intensiveren globalen Wettbewerb wird eine vierteilige Strategie angenommen:

1. Innovationsanstrengungen erhöhen: Bis 2030 wird die Branche ihr jährliches Forschungsbudget um weitere 9 Mrd. auf dann fast 18 Mrd. aufstocken. Das entspricht einem Zuwachs pro Jahr von 4 %.

2. Auf Spezialchemikalien fokussieren: Forschungsintensive und höherwertige Spezialchemikalien für Farben, Pflanzenschutzmittel, Spezialkunststoffe und Konsumprodukte werden weitere Produktionsanteile hinzugewinnen. Der Wissensvorsprung der deutschen Chemie auf diesen Gebieten macht auch in Zukunft den Unterschied im Wettbewerb gegenüber anderen Chemienationen aus.

3. Noch effizienter produzieren: Seit 1990 ist der Energieeinsatz in der deutschen Chemie um ein Fünftel gesunken, obwohl die Produktion um fast 60 % gestiegen ist. Globaler Wettbewerb und steigende Energie- und Rohstoffkosten sorgen jedoch dafür, so die Berechnungen von Prognos, dass die Unternehmen die Messlatte für Ressourceneffizienz noch höher hängen: Obwohl die Produktion bis 2030 um 40 % zulegt, soll der absolute Rohstoffverbrauch nur um 15 %, der Energieverbrauch sogar nur um 8 % ansteigen. Eine vollständige Entkopplung von Wachstum und Primärenergieeinsatz sei aber nicht länger machbar, stellt Engel klar: „Das Ziel der EU, den Energieverbrauch absolut zu begrenzen, ist in der chemischen Industrie nicht mit künftigem Wachstum vereinbar.“ Deshalb müsse in Brüssel bei der Diskussion über die Ziele zur Energieeffizienz der Wirtschaft wieder Realismus statt Wunschdenken die Oberhand gewinnen.

4. Rohstoffbasis optimieren: Bis 2030 werden die Chemieunternehmen in Deutschland 50 % mehr nachwachsende Rohstoffe als heute für ihre Verfahren verwenden. Der qualitative Wandel der Rohstoffbasis, der die Abhängigkeit der Branche von endlichen fossilen Ressourcen verringert, hält an.

Die Studie zeigt aber auch andere Szenarien auf, die sich an den politischen Rahmenbedingungen orientieren, die wiederum die Energieversorgung beziehungsweise die Energiepreise als Kernthema haben (Szenario „zerrissene Wertschöpfungsketten“). Dagegen zeigt das Szenario „innovationsfreundliches Umfeld“, dass die Politik mit den richtigen Maßnahmen zusätzliche Wachstumskräfte mobilisieren und so einen beträchtlichen positiven Schub für die deutsche Volkswirtschaft bis 2030 auslösen könnte: Er lässt sich nach den Berechnungen von Prognos auf rund 190 Mrd. Euro beziffern.

Weblink zum Thema

Die vollständige Studie „Die deutsche chemische Industrie 2030″ wird etwa Mitte November 2012 verfügbar sein. Eine 20-seitige Kurzfassung steht auf der Internetseite des VCI zur Verfügung, ebenso die 10-seitigen Erläuterungen von Dr. Klaus Engel zu wichtigen Ergebnissen dieser Studie.

(dw)

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