VCI-Quartalsbericht: EU-Schuldenkrise erreicht Chemiegeschäft

06.09.2012 Die chemische Industrie in Deutschland hat nach einem guten Jahresbeginn im zweiten Quartal 2012 einen Dämpfer hinnehmen müssen: Über alle Sparten hinweg ist die Produktion gegenüber dem Vorquartal deutlich gesunken, meldet der Verband der chemischen Industrie (VCI) in seinem Bericht für das 2. Quartal 2012.

VCI-Quartalsbericht: EU-Schuldenkrise erreicht Chemiegeschäft

Nach Einschätzung des Verbands der chemischen Industrie (VCI) hat sich die EU-Schuldenkrise nun auch im Inlandsgeschäft bemerkbar gemacht: Viele Chemiekunden drosseln ihre Produktion und ordern weniger Chemikalien (Bild: shoot4u-Fotolia)

Der Branchenumsatz hat sich allerdings wegen kräftiger Preissteigerungen nur leicht verringert. Grund für die Bremsspuren in Deutschlands drittgrößter Branche: Ihre wichtigste Kundengruppe – die Industrie im Inland wie im europäischen Ausland – bestellte nur zögerlich chemische Erzeugnisse und baute stattdessen die Wareneingangsläger ab.

Zur konjunkturellen Entwicklung der Branche hat VCI-Präsident Dr. Klaus Engel erklärt: „Unsere Hoffnung auf einen stabilen Aufschwung im Chemiegeschäft müssen wir wohl vorerst verschieben. Die EU-Schuldenkrise macht sich nun auch im Inlandsgeschäft bemerkbar. Viele unserer Industriekunden drosseln ihre Produktion und ordern weniger Chemikalien. Unser Lichtblick: Beim Auslandsgeschäft konnte die Dynamik der florierenden Märkte in Südamerika und China den Rückgang der Nachfrage aus Südeuropa kompensieren.“

Prognose: Für das Gesamtjahr geht der VCI nach dem schwachen zweiten Quartal nun von einem Rückgang der Chemieproduktion um 3 % gegenüber dem Vorjahr aus. Bei einem voraussichtlichen Anstieg der Preise um 2,5 % wird der Branchenumsatz bei 184 Mrd. Euro stagnieren.

Produktion: Die Chemieproduktion sank im zweiten Quartal 2012 um 2,8 % gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres. Die Hersteller von Grundchemikalien verzeichneten mit einem Minus von gut 4 % den stärksten Rückgang in allen Sparten. Die Kapazitätsauslastung der Anlagen in der deutschen Chemie blieb jedoch mit 84,1 % im Normalbereich.

Erzeugerpreise: Der Preisauftrieb für chemische Erzeugnisse hat sich im zweiten Quartal 2012 beschleunigt. Gegenüber dem Vorquartal kosteten Chemikalien 1,4 % mehr. Gegenüber dem Vorjahresquartal betrug der Anstieg 2,5 %.

Umsatz: Der Chemieumsatz ging im zweiten Quartal um 0,5 % auf 45,2 Mrd. Euro zurück. Dabei sanken die Inlandserlöse gegenüber dem ersten Quartal 2012 um 4,1 % auf 17,3 Mrd. Euro. Die Umsätze im Auslandsgeschäft konnten dagegen um 1 % auf 27,9 Mrd. Euro zulegen.

Beschäftigung: Die Unternehmen haben ihre Belegschaften im zweiten Quartal 2012 konstant gehalten. Im Vorjahresvergleich stieg die branchenweite Zahl der Mitarbeiter um 2 % auf rund 437.000 Beschäftigte.

Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von rund 1.650 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der Industrieverband steht für mehr als 90 % der deutschen Chemie. Die Branche setzte 2011 über 184 Mrd. Euro um und beschäftigte mehr als 428.000 Mitarbeiter.

(dw)

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