Offene Baustellen und große Chancen

VCI-Studie: Chemie muss bei Digitalisierung noch nachlegen

05.11.2018 Eine Studie im Auftrag des VCI hat ergeben, dass digitale Anwendungen in der Chemieindustrie bereits weit verbreitet sind – vor allem im Bereich Produktion gebe es aber noch ein erhebliches Potenzial. Zudem stehe die Branche vor großen Herausforderungen bei der Aus- und Weiterbildung sowie bei der Datensicherheit.

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Der digitale Wandel ist in der Chemieindustrie bereits weit fortgeschritten, aber noch lange nicht am Ende. (Bild: Victoria – Fotolia)

Der Studie zufolge haben mehr als 80 % der Unternehmen zuletzt digitale Anwendungen im Produktions- und Vertriebsprozess eingesetzt, etwa in Form einer digitalen Vernetzung innerhalb der Produktion, zwischen Produktion und Logistik sowie an den Schnittstellen zu Kunden und Lieferanten. In den kommenden Jahren planten vor allem kleine und mittlere Chemieunternehmen einen intensiveren Einsatz digitaler Lösungen für ihre Prozesse – etwa im Bereich Vernetzung mit Kunden.

Innovationspotenziale in Produktion und Forschung

Mit Blick auf Produktionsprozesse arbeite die Branche zwar bereits mit hoch optimierten Anlagen in der Fertigungstechnik und sei somit durchaus effizient. Digitale Technologien versprächen aber weitere Produktivitätsgewinne, beispielsweise durch die Einführung eines digitalen Supply-Chain-Managements oder den Einsatz eines digitalen Anlagenmanagement-Systems und modularer Anlagen, um flexibler produzieren zu können. Daneben erlaubten digitale Technologien Ansätze im Bereich Forschung und Entwicklung (FuE). So ließen sich etwa auf Basis von Big-Data oder künstlicher Intelligenz schnellere Simulationen beim Einsatz neuer Chemikalien oder eine nachhaltigere Herstellung von Chemikalien praktisch umsetzen.

Sicherheitsabstände zu Störfallanlagen sind nicht nur dann ein Thema, wenn neue Anlagen gebaut werden sollen. Die aktuellen Rechtsunsicherheiten verhindern auch, dass in Industrieparks Maßnahmen zur Verbesserung von Störfallanlagen durchgeführt werden. Bild: fotomek – Fotolia

Vor allem beim Thema Aus- und Weiterbildung sieht die Studie noch offene Baustellen. (Bild: fotomek – Fotolia)

Handlungsbedarf bei Ausbildung und Schutz vor Hackern

Neben den Potenzialen definiert die Studie zwei große Baustellen als Herausforderungen und Handlungsbedarfe für die Chemiebranche. So stelle die Digitalisierung auch neue Anforderungen an die Beschäftigten und damit an das Aus- und Weiterbildungssystem – zum Beispiel in Hinsicht auf digitale Lernangebote. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen gehe es zudem darum, die eigenen Betriebsgeheimnisse und sensible Kundendaten besser vor Hacker-Angriffen oder Industriespionage zu schützen. Weitere Schwierigkeiten seien der Breitbandausbau sowie ein Mangel an IT-Fachkräften und fehlende IT-Kenntnisse der Beschäftigten.

Neben dem Thema Digitalisierung beschäftigt sich die Studie unter dem Titel „Innovationsindikatoren Chemie 2018“ auch mit der Forschungs- und Innovationsleistung der Chemie in Deutschland im internationalen und im Branchenvergleich. Durchgeführt wurde die Untersuchung im Auftrag des VCI vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und dem Center für Wirtschaftspolitische Studien (CWS) der Leibniz Universität Hannover.

Die ausführlichen Ergebnisse der Studie finden Sie hier.

(jg)

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