Jahrespressekonferenz

VDMA bilanziert „Aufschwungsjahr“

19.12.2017 Der VDMA hat die wirtschaftliche Bilanz der Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland für 2017 vorgelegt. Auf seiner Jahrespressekonferenz blickte der Verband auf ein erfolgreiches Jahr zurück und zeigte sich auch für 2018 weitgehend zuversichtlich. Er wies jedoch auf einige Unwägbarkeiten im In- und Ausland hin.

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Nach den Berechnungen des VDMA wird die Maschinenbau-Industrie 2017 erstmals im Umsatz die Marke von 220 Mrd. Euro übertreffen. Der Verband geht von 224 Mrd. Euro am Jahresende aus. Das zu Ende gehende Jahr könne daher als „Aufschwungsjahr“ bezeichnet werden. Auch für 2018 erwartet der VDMA ein Produktionswachstum von 3 % und damit einen Umsatzanstieg auf mehr als 230 Mrd. Euro.

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Auch 2017 war der Export wieder der Wachstumstreiber für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau. (Bild: Anyka – Fotolia)

Export weiterhin Erfolgsgarant

Erfolgsgarant für den Maschinenbau aus Deutschland war auch in diesem Jahr der Export. Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten Waren für 124,4 Mrd. Euro ins Ausland geliefert – ein Zuwachs von real 6,2 % zum Vorjahr. Drei von vier Maschinen waren für den Export bestimmt, wobei die EU die mit Abstand größte Absatzregion blieb: 46,5 % aller Ausfuhren gingen in die 27 Partnerländer der Europäischen Union. An der Spitze der größten Einzel-Exportmärkte behaupteten sich in dieser Periode die USA, das wesentlich stärkere Wachstum wies jedoch China mit einem Zuwachs um 24 % in den ersten neun Monaten auf. Allerdings prognostiziert der Verband, dass sich das Wachstum der Exporte nach China im Jahr 2018 schon wegen des bereits erreichten Niveaus etwas verlangsamen wird.

Forderung nach mehr Verlässlichkeit in China

Auch mangele es im China-Geschäft noch immer an Verlässlichkeit. Der VDMA fordert von der chinesischen Regierung, dieselbe Planungssicherheit und Investitionsbedingungen in China sicherzustellen, die auch für chinesische Investoren gelten, die in Deutschland aktiv werden wollen. Dazu gehören die Möglichkeit für deutsche Maschinenbauer, in lokale chinesische Unternehmen zu investieren oder diese übernehmen zu dürfen, sowie das Verhindern der Einflussnahme von chinesischen Regierungsbeamten auf die Geschäftsführungen der deutschen Unternehmen. Rund 750 zumeist mittelständische Maschinenbauer aus Deutschland sind aktuell in China aktiv.

Brexit-Motiv auf Steinwand

In einem „harten Brexit“ sieht der VDMA eine Gefahr. (Bild: psdesign1 – Fotolia)

Brexit-Verunsicherung zeigt sich in Exportrückgang

Mit Sorgen beobachtet der VDMA die Entwicklungen rund um den Brexit. In den ersten neun Monaten 2017 sanken die Ausfuhren ins Vereinigte Königreich, dem viertgrößten Einzelexportmarkt, um 4,5 % zum Vorjahr. VDMA-Präsident Carl Martin Welcker forderte die Politik auf, einen sogenannten harten Brexit zu verhindern. Eine Zollunion sei ein geeigneter Weg, stabile Marktbedingungen zu sichern. Sollten die Briten die Zollunion verlassen, drohen den deutschen Maschinenbauern nach Berechnungen des VDMA Zusatzkosten im Export von mehr als 180 Mio. Euro im Jahr. Hinzu kämen Zusatzkosten im Import von Maschinen aus Großbritannien von 44 Mio. Euro im Jahr sowie weitere Aufwendungen für den Import von Komponenten.

Politische Unwägbarkeiten gefährden Wachstum

Auch im Inland rechnet der VDMA im kommenden Jahr mit Unwägbarkeiten, die ein höheres Wachstumstempo verhindern könnten. In Deutschland gebe es zwar berechtigte Hoffnung darauf, dass sich der seit langem aufgebaute Investitionsstau nach und nach auflöst. „Viele der älteren Maschinen und Anlagen im Markt dürften die fortschreitende Digitalisierung nicht hinreichend meistern. Das macht uns Mut, dass auch die Inlandsorders endlich wieder Fahrt aufnehmen“, erläuterte Welcker. Die politischen Weichen seien aber noch nicht für ein stärkeres Inlandsgeschäft gestellt. Zu den Kernforderungen des Verbandes gehören unter anderem der flächendeckende Aufbau eines Gigabit-Netzes, die Einführung der Steuerlichen Forschungsförderung sowie eine Arbeitsmarkt-Politik und ein Arbeitsrecht, die sich an der unternehmerischen Praxis orientieren. Neben der Politik seien auch die Tarifparteien gefordert. „Die Forderungen der IG Metall und dabei insbesondere der Einstieg in eine 28-Stunden-Woche würden den mittelständischen Unternehmen im Land erheblichen Schaden zufügen“, warnt der VDMA-Präsident.

Beschäftigtenzahl im Maschinenbau steigt weiter

Mit knapp 1,35 Mio. Erwerbstätigen ist der Maschinen- und Anlagenbau der größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland. Das gilt auch, wenn die Beschäftigtenzahl auf Basis der Betriebe ab 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermittelt wird. Nach dieser Zählung waren im deutschen Maschinenbau im September 1,03 Mio. Menschen beschäftigt – ein Plus von 21.000 Menschen oder 2,1 % im Vergleich zum Vorjahr. Und weiterer Zuwachs deutet sich an: In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres wurden im Maschinenbau (ohne Reparatur und Installation von Maschinen) 24.000 neu zu besetzende Stellen bei den Agenturen für Arbeit gemeldet – fast 37 % mehr als im Vorjahr. Besorgt zeigte sich Welcker über den Mangel an technischen Fachkräften, IT-Spezialisten und Ingenieuren. Er forderte eine mögliche neue Bundesregierung dazu auf, Fachkräften zu ermöglichen, länger in den Unternehmen zu verbleiben, als es die „Rente mit 63“ vorsieht.

(jg)

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