VDMA: Starker Maschinenbau dank hervorragender Exportquote

19.10.2011 Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) rechnet für 2012 mit dem dritten Wachstumsjahr in Folge. „Wir erwarten ein Produktionswachstum von 4 % für 2012. Nominal, also nicht preisbereinigt, könnten wir mit rund 197 Mrd. Euro das Top aus dem Jahr 2008 von 196 Mrd. Euro sogar leicht übertreffen“, erklärt VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner.

In den ersten acht Monaten 2011 ist die Produktion von Maschinen- und Anlagen – im Vergleich zum Vorjahr – um 16,7 % gestiegen. Die Kapazitäts-Auslastung liegt aktuell bei 89,9 %. Die Auftragsreichweite stieg im Juli auf 5,8 Monate im Durchschnitt der Branche. In den letzten drei Monaten erzielten fünf Fachzweige im Auftragseingang ein Plus von über 20 %: die Werkzeugmaschinen, Bergbaumaschinen, Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate, Robotik und Automation sowie Landtechnik.

Die deutschen Maschinenausfuhren lagen im Zeitraum Januar bis Juli 2011 bei 81 Mrd. Euro (2010 bei 69,5 Mrd. Euro), und damit nominal um 16,5 % über dem Vorjahreswert. „Die Region mit dem stärksten Wachstum ist mit 30 % Ostasien“, berichtet Lindner. Allein die Exporte nach China stiegen um 37 % auf fast 11 Mrd. Euro. „Wir erwarten für 2011 ein Gesamtvolumen der deutschen Maschinenausfuhr nach China von etwa 20 Mrd. Euro“, sagt Lindner. „Das ist ohne Frage eine Riesenchance für den deutschen Maschinenbau, aber natürlich wegen der sich daraus ergebenden Abhängigkeit auch ein beachtliches Risiko.“ Fast jede fünfte Maschine (18,8 %) geht mittlerweile nach Ostasien, das ist mehr als doppelt so viel wie nach Nordamerika (9 %).

„Auch im weltweiten Entwicklungstrend liegt der deutsche Maschinenbau gut“, betont der VDMA Präsident. Die deutschen Maschinenexporteure hatten 2010 ihre Ausfuhren um 12,5 % auf 124,8 Mrd. Euro gesteigert und damit einen Weltmarktanteil von 16,8 % erreicht (2009: 18,6 %). Gefolgt von Japan mit 12,1 % (89,8 Mrd. Euro), den USA mit 12 % (88,7 Mrd. Euro). China zog mit 9,7 % (72,1 Mrd. Euro) an Italien vorbei auf Platz 4 im internationalen Ranking. „Wir sind zwar insbesondere im Verhältnis zu vielen unserer Konkurrenten immer noch sehr gut aufgestellt, aber durch die enorme Ausweitung der Produktion und des weltweiten Handels verlieren wir prozentual an Gewicht. Dies muss eine Herausforderung für uns sein, insbesondere für die Anstrengungen in den asiatischen Wachstumsregionen“, sagte Lindner.

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hebt die Prognose für den Beschäftigungszuwachs im gesamten Jahr 2011 (Dezember zu Dezember) auf 30.000 an. Die volle Auslastung der Produktion brachte im August einen kräftigen Beschäftigungszuwachs um 9.000 Mitarbeiter. Seit Jahresanfang stieg die Zahl der Festangestellten sogar um 25.000 auf aktuell 938.000 Beschäftigte. Problem für die Branche ist derzeit der hohe Fachkräftemangel. Aktuell gibt es 17.000 offene Stellen im Maschinenbau, davon rund 8.000 für Ingenieure.

Die deutschen Maschinenbauer befürchten jedoch, dass der eigene Erfolgskurs durch die Schulden- und Finanzkrise beeinträchtigt wird. „Die Realwirtschaft war schon das letzte Mal Opfer der Verschuldungs- und Finanzkrise. Wir möchten das nicht noch ein zweites Mal erleben“, berichtet der VDMA Präsident. „Die Ansteckung der Realwirtschaft durch den Wackelkurs der Banken ist – ohne Frage – gegeben.“ Es entstehe der Eindruck, „als ob das zentrale Geschäftsmodell der Banken eher virtuellen Charakter hätte.“ Bei den mittelständischen Maschinenbauern wachse die Sorge, ob die Banken – bei instabiler Lage – noch bereit seien, die Unternehmen zu finanzieren.

„Was die Verschuldungs- und Eurokrise betrifft, sind wir von den Leistungen der Politik mehr als enttäuscht“, sagt Lindner. „Das gilt nicht nur für die Regierung, sondern auch für die anderen politischen Parteien, die hier gefordert wären, in einer schwierigen Situation endlich Verantwortung zu übernehmen und nicht nur an Wählerstimmen zu denken“, so der VDMA Präsident. Lindner forderte einen klaren „Masterplan“, wie weiter vorzugehen ist. „Zur Not einschließlich eines entsprechenden Schuldenschnittes.“ Die Regierungskoalition müsse sich der Verantwortung für Deutschland und für ganz Europa stellen. „Es muss klare Grenzen der Verschuldung, klare Grenzen des Transfers und klare Perspektiven geben. Die scheinbare Orientierungslosigkeit muss ein Ende haben“, fordert der VDMA Präsident.

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