Kampf dem Papierchaos

Von der digitalen zur effizienten Baustelle

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10.05.2019 Trotz aller Digitalisierungsbemühungen im Anlagenbau – spätestens auf der Baustelle kommt es meist zum Medienbruch: Handnotizen oder Excel-Listen sind dann an der Tagesordnung. Die Dokumentation des Baustellenfortschritts wird oft zur Qual der Projekt- oder Baustellenleiter. Dabei gibt es bereits Abhilfe.

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Entscheider-Facts für Planer und Baustellenleiter

  • Anlagenbauprojekte sind komplex: Spätestens in der Bauphase kommt der Informationsfluss häufig ins Stocken, weil handgeschriebene Notizen oder Excel-Listen genutzt werden.
  • Mit dem Programmpaket „Logistics Materials Site Management“ – kurz „LMS“ hat sich das Softwareunternehmen Insite IT vorgenommen, dies zu ändern.
  • Mit einem gut aufgesetzten Prozess und entsprechender Software und Apps gestalten sich die Arbeiten vor Ort für alle Beteiligten angenehmer und einfacher.

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Die Dokumentation der Baustellenlogistik wird durch den Einsatz der mobilen Software-Applikation deutlich vereinfacht. Bilder: Insite IT

Anlagenbauprojekte sind komplex: Aber in der Bauphase stockt der Informationsfluss häufig: Wann wurde Material angeliefert und wo ist dieses abgelegt? Wo wurden Mängel entdeckt und welche Auswirkungen haben diese auf das Projekt? Und wie steht es um den Installationsfortschritt? Allesamt typische Fragestellungen, die nicht nur den Baustellenleiter, sondern auch den Projektmanager oder die Unternehmensführung beschäftigen. Die klassische Dokumentation auf Papier oder per Excel sowie Tages- und Wochenberichte per Word-File sind dabei einerseits nicht mehr zeitgemäß und andererseits auch fehleranfällig.

Alle Baustelleninformationen auf Knopfdruck verfügbar machen

Mit dem Programmpaket „Logistics – Materials – Site Management“ – kurz „LMS“ hat sich das Softwareunternehmen Insite IT vorgenommen, dies zu ändern. Das Ziel: Sämtliche relevanten Informationen sollen jederzeit und auf Knopfdruck zur Verfügung stehen. So sollen Such- und Stehzeiten minimiert und Abweichungen dokumentiert werden. „Wichtig ist uns, dass die Mitarbeiter auf der Baustelle einen Benefit erfahren“, erläutert CEO und Mitgründer Thomas Roithmeier den Ansatz. So scannt das System über eine App die Barcodes und RFID-Tags an Material und Ausrüstung und erfasst Mängel, die per integrierter Bilddokumentation festgehalten werden können – GPS-Positionierung inklusive.

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Thomas Roithmeier ist CEO von Insite IT: „Noch wichtiger als die Zeitersparnis ist die qualitative Verbesserung in der Bauabwicklung, die dadurch entsteht, dass alle Informationen jederzeit auf Knopfdruck zur Verfügung stehen …“

„Durch automatisierte Baubarkeitsprüfungen liefert das Insite LMS Vorschläge, welche Rohrleitungen zu welchem Zeitpunkt voraussichtlich installiert werden können. Das bringt für uns einen echten Mehrwert, da wir zu jeder Zeit einen exakten Überblick über das zu verbauende Material haben und besser planen können“, berichtet Markus Mook, Gruppenleiter Thyssenkrupp Industrial Solutions über den Einsatz des Tools im Rohrleitungsbau.

„Vor rund zehn Jahren haben wir diesen Papierchaos-Kampf aufgenommen und waren bei Logistik, Material- und Site Management recht erfolgreich“, konstatiert Thomas Roithmeier. „Aber es gibt immer Optimierungspotenzial“, so der Softwarespezialist. Deshalb ist es für ihn unumgänglich, den gesamten Prozess, von Engineering bis Installationstracking, in die Optimierung miteinzubeziehen. „Denn“, so Roithmeier, „digital ist heute schnell etwas, nur baustellentauglich deshalb noch lange nicht“.

Gerade im Industrieanlagenbau ist es wichtig, die Baustellenabläufe und Gegebenheiten zu verstehen. Nur mit genügend „Hands-on“-Baustellenerfahrung ist es möglich, passende praktische Apps und Tools zur Verfügung zu stellen, die jedem Beteiligten einen Mehrwert bieten. „Das allgemeine Beratergeschwafel über agil, smart, und Industrie 4.0 hilft dem Bauleiter selten. Zettel zu scannen und PDFs auf einem Sharepoint abzulegen, ist zwar digital – aber weder effizient noch schnell und einfach“, ist Roithmeier überzeugt.

Um Einfachheit und Durchgängigkeit für den Endanwender zu garantieren, müssen viele wesentliche Baustellenprozesse zentral vereint sein. Von Logistik, Material- und Mängelverfolgung, Fertigungsüberwachung über Fortschrittsbewertung bis hin zu Zeiterfassung und der Erstellung von Bautagebüchern werden wichtige tägliche Aufgaben unterstützt und erleichtert. Die Software soll dabei als Dreh- und Angelpunkt für die Datenerfassung auf der Baustelle agieren. „Wir wollen so verhindern, dass für jeden noch so kleinen Anwendungsfall eine andere App angewendet werden muss“, sagt Florian Altmann, Produktmanager bei Insite IT.

Auf der Baustelle angekommen, wird per App das registrierte Material erfasst, werden Übergaben signiert, mit Fotodokumentation ergänzt und wird das Baustellenlager verwaltet. Die App protokolliert aufgetretene Mängel einfach und schnell und ordnet diese zu. Mit eigens dafür konzipierten Apps für Android, iOS und Windows ist der Aufwand dafür gering und bringt zudem durch den durchgängigen Prozess einen Mehrwert. Die Folgen sind einfachere Kommunikation, rascheres Reagieren auf Mängel und besseres Beweisen, wo der Mangel entstanden ist.

Baubarkeitsplanungen und der Mehrwert durch Daten

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Vordefinierte Dashboards helfen dem Management, den Überblick über das Baustellengeschehen zu behalten.

Unter Einbeziehung von Stücklisten, Terminplänen, Lagerständen, Mängel sowie zukünftig zu erwartenden Lieferungen werden durch die so entstandene Baubarkeitsplanung Bauvorschläge erstellt. Diese können dann weiter priorisiert, durchgeführt oder abgeändert werden. Dadurch erhält der Bauleiter schnell und je nach Bedarf eine Vielzahl an interaktiven Übersichten über komplexe Datenmengen.

Am Ende des Tages werden in einem weiteren Schritt die gesammelten Informationen über die verschiedensten Bereiche automatisch als Basis in das Bautagebuch, in Wochen- und Monatsberichte übernommen. Dies vermeidet doppelte Arbeit und reduziert Fehler und weitere manuelle Aufwände. Zuvor per App erstellte Fotos oder Dokumente können ebenfalls den Berichten zugeordnet werden. Das Resultat ist ein formatierter, standardisierter Report, den der Bauleiter effizient erstellen kann.

„Erst wenn aus dem Einsatz der Software ein direkter Vorteil für den einzelnen Anwender entsteht, wird diese akzeptiert und genutzt“, erklärt Roithmeier. Sei es durch weniger Schreibaufwand, weniger Suchzeiten, rascherem Reporting oder anderen Funktionen. Dies ist der wohl wichtigste Schritt und die Basis für weitere Maßnahmen, wie Management Dashboards, KPI Reports bis hin zu Big-Data-Auswertungen. Mit einem gut aufgesetzten Prozess und entsprechender Software und Apps gestalten sich die Arbeiten vor Ort für alle Beteiligten angenehmer und einfacher. Sobald diese „Benefit-first“-Voraussetzungen erfüllt sind, und der Anwender ein Produkt gerne verwendet, steht einer digitalen, aber vor allem effizienten Baustelle nichts mehr im Weg. [as]

Interview mit Thomas Roithmeier, CEO von Insite IT

„Dokumentationsaufwand um 50 bis 70 Prozent senken“

CT: Digitalisierung ist auch im Anlagenbau aktuell das Hype-Thema. Hat der Trend auch bereits die Baustelle erreicht?
Roithmeier: Auf jeden Fall. Allerdings beschränkt sich die Digitalisierungs-Diskussion häufig auf Schlagworte und weniger auf konkreten Nutzen. Im Hinblick auf die Baustelle bin ich überzeugt, dass Digitalisierung nur dann ein Erfolg wird, wenn die Nutzer sofort einen persönlichen Vorteil daraus ziehen können.

CT: Wie stellen Sie das mit Ihrem System sicher?
Roithmeier: Indem wir beispielsweise Checklisten nicht in Excel, sondern auf dem Smartphone anbieten. Material wird bequem per App am Smartphone und mit GPS-Position erfasst. Auch die Fotodokumentation und die daraus erstellten Berichte entstehen sehr einfach. Das entlastet den Bauleiter und schafft unmittelbaren Nutzen auf der Baustelle.

CT: Worin besteht der Scope der Software?
Roithmeier: Wir wollen alle Bereiche und Vorgänge erfassen, die auf der Baustelle relevant sind. Unsere Kunden wollen schließlich vermeiden, dass sie für jede Anwendung eine eigene App verwenden müssen. Wir sind mit dem Rohrleitungs- und Materialmanagement gestartet und haben das System sukzessive erweitert. Auch die Erfassung des Baufortschritts oder das Erstellen des Bautagebuchs gehören inzwischen dazu. Alle neuen Funktionen entstehen in enger Zusammenarbeit mit den Praktikern auf der Baustelle – unseren Kunden.

CT: Welchen Nutzen bietet die Software im Hinblick auf das Claims-Management?
Roithmeier: Wenn sieben von zehn möglichen Claims nicht durchgesetzt werden, dann liegt das meist an der mangelhaften Baustellendokumentation. Der Bauleiter muss beispielsweise per Foto dokumentieren, welche Fehler gemacht wurden. Gleichzeitig muss er festhalten, wo das aufgetreten ist. Diese Informationen werden mit unserem System automatisch verknüpft und gesammelt.

CT: Wie hoch sind die Zeit- und Kosteneffekte durch die digitale Baustellendokumentation?
Roithmeier: Unsere Kunden reduzieren mit unserem System ihren Dokumentationsaufwand in der Regel um 50 bis 70 %. Viel wichtiger ist allerdings die qualitative Verbesserung in der Bauabwicklung, die dadurch entsteht, dass alle Informationen jederzeit auf Knopfdruck zur Verfügung stehen. So können Projektleiter oder das Management eigene Dashboards zur Projektkontrolle nutzen, die Daten dafür müssen nicht mühsam bei den Bauleitern abgefragt werden. Das entlastet beide Seiten.

CT: … quasi Digitalisierung von unten her?
Roithmeier: Ja. Meiner Meinung nach ist Digitalisierung ein Grundlagenthema, keine Revolution. Die Erwartungen in Sachen Digitalisierung sind zum Teil viel zu hoch geschraubt – oft wird vergessen, die Mitarbeiter ins Boot zu holen. Und das geht nur von Praxisfall zu Praxisfall und indem konkreter Nutzen für die Anwender entsteht. [as]

Zur Homepage von Insite IT.

Heftausgabe: Mai/2019
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