Kernfusion mit kurzer Halbwertszeit

Was bringt der Merger von Dow und Dupont?

Synergien in Höhe von 3 Mrd. Dollar beabsichtigt

Doch wo nun liegen die Synergien konkret, die von Dow und Dupont auf 3 Mrd. US-Dollar geschätzt werden? Als wichtigstes Ziel wird die Schaffung eines neuen Unternehmens im Bereich Material Sciences gesehen: Der neue Kunststoffproduzent käme nach heutigem Stand auf Betriebseinnahmen von 51 Mrd. US-Dollar. Das Volumen der kombinierten Agrochemie wird auf 19 Mrd. USD geschätzt, und der Bereich Spezialchemie steht für 13 Mrd. Dollar. Bereits heute ist Dow im Kunststoff-Segment mit Betriebseinnahmen im Wert von 45 Mrd. Dollar nach der BASF (66 Mrd. USD) der weltweit größte Kunststoffhersteller. Gemeinsam wollen die beiden Hersteller zunächst an der Kostenschraube drehen und dafür Synergien nutzen. Darauf beziehen sich die in der Pressemitteilung vom Dezember auf 3 Mrd. USD bezifferten Synergien, die in den ersten zwei Jahren nach dem Merger realisiert werden sollen – 1,5 Mrd. aus dem Segment Material Science, 1,3 Mrd. aus dem Bereich Agrochemie und 0,3 Mrd. aus der Spezialchemie. Eine weitere Milliarde Dollar Betriebseinnahmen soll durch neues Geschäft generiert werden, das durch die Kombination beider Unternehmen möglich wird.

Doch neben diesen Einsparungen wird vor allem die Versorgung von Dupont-Produktionsanlagen mit Petrochemikalien aus der Wertschöpfungskette von Dow als großes Synergiepotenzial gesehen. Dupont verfügt für die Produktion der Polymer-Rohstoffe Ethylen und Propylen in den USA lediglich über einen eigenen Cracker, während Dow an der Golfküste gleich mehrere der Anlagen betreibt – darunter eine neue Propan-Dehydrogenierungsanlage.

Konsequenzen für die europäische und deutsche Chemie?

Wird das amerikanische Beispiel auch in der europäischen Chemie Schule machen? Zumindest bei den deutschen Unternehmen ist das derzeit nicht zu erwarten. Die BASF verfolgt seit vielen Jahren mit ihrem ausgeprägten Produktionsverbund eine Strategie, die weder eine Zerlegung noch die Integration eines Unternehmens ähnlicher Größenordnung zulassen dürfte. Bayer ist dagegen bereits den Weg der Fokussierung auf Life Sciences gegangen. Bayer-Chef Marijn Dekkers gab sich nach Bekanntwerden des Mergers überzeugt, dass nicht Größe sondern Fokussierung zählt. Dennoch könnte vor allem die neue Größe von Dowdupont im Pflanzenschutz den Übernahmeaktivitäten in diesem Segment neuen Schwung geben. Im vergangenen Jahr war die Übernahme des Schweizer Agrochemiekonzerns Syngenta durch Monsanto gescheitert. Im Januar wurden  bekannt, dass zwischen  Chemchina und Syngenta Übernahmegespräche geführt werden.

Heftausgabe: Januar/Februar 2016
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Armin Scheuermann, Redaktion
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