Kernfusion mit kurzer Halbwertszeit

Was bringt der Merger von Dow und Dupont?

Zur Firma
Dowdupont

Aus den Synergien im fusionierten Unternehmen Dowdupont soll, so die Pressemeldung der Unternehmen, ein zusätzlicher Marktwert in Höhe von 30 Mrd. US-Dollar entstehen. Das Gemeinschaftsunternehmen sei an der Börse rund 130 Mrd. USD wert. Die Fusion soll bis zum zweiten Halbjahr 2016 geschehen. Die Aufspaltung in drei eigenständige Unternehmen soll 18 bis 24 Monate nach dem Merger vollzogen werden: Geplant sind separate Einheiten für Agrarchemikalien, Kunststoffe und ein technologie- und innovationsgetriebenes Spezialchemie-Unternehmen.

Andrew N. Liveris, Dow Chairman und CEO wird dem neuen Unternehmen Dowdupont als Executive Chairman vorstehen, Edward D. Breen, derzeit CEO bei Dupont, wird auch im neuen Unternehmen CEO bleiben. Der neue Vorstand soll insgesamt 16 Direktoren umfassen – jeweils die derzeit acht Vorstände der beiden fusionierenden Unternehmen. Der Sitz des Unternehmens wird an zwei Standorten sein: Midland, Michigan, und Wilmington, Delaware.


Zum M&A-Trend
KPMG-Studie zur Übernahmewelle

Die Fusionswelle in der Chemie- und Pharmaindustrie rollt weiter: In Summe wurden im vergangenen Jahr Übernahmen und Fusionen im Wert von 372 Mrd. US-Dollar verzeichnet. Und der Trend ist weiter ungebrochen, verdeutlicht eine aktuelle Studie der Wirtschaftsberatung KPMG.

In der Chemie summierten sich die Übernahme-Aktivitäten (M&A) in 2015 auf einen Wert von 74 Mrd.  US-Dollar. Dabei belief sich der Gesamtwert der zehn größten Transaktionen bereits auf 51 Mrd. US-Dollar, mehr als eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Der Gesamtwert der zehn größten, bisher nur angekündigten Transaktionen in 2015 vervierfachte sich sogar im Vergleich zum vorherigen Jahr auf 149 Mrd.  US-Dollar.
Ein ausschlaggebender Grund hierfür ist der Mega-Deal zwischen Dow Chemical und Dupont.

Diese Mega-Fusion könnte, so die KPMG-Studie, auch zu einem Paradigmenwechsel im Agrarchemiegeschäft führen. Im Laufe des Jahres 2015 hatte der Schweizer Konzern Syngenta bereits großes Interesse auf sich gezogen. Nachdem der Saatgut-Weltmarktführer Monsanto (USA) mit seinem 46-Mrd.-US-Dollar-Übernahmeangebot auf Ablehnung gestoßen war, ließ das Schweizer Unternehmen Syngenta auch das 42-Mrd.-US-Dollar-Angebot des staatlichen chinesischen Chemie­giganten Chem China ins Leere laufen. Nach Ansicht der Wirtschaftsprüfer sei hier das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen.

Generell geht der M&A-Trend im Chemiesektor weg von den Basis­chemikalien, hin zur Spezialchemie. Vir Lakshman, Leiter des Bereichs Chemie und Pharma bei KPMG Deutschland: „Es zeigt sich, dass sich Deals in immer höheren Wertschöpfungsstufen wiederfinden, also in den späteren Schritten der chemischen Verarbeitung bis hin zur Anwendung.“ Diese margenstarken Geschäftsfelder sind nicht nur bei strategischen Investoren beliebt, sondern ziehen auch Finanzinvestoren an, die sich lukrative Renditechancen erhoffen.

Weltweit stieg das Volumen an Fusionen und Übernahmen im vergangenen Jahr in Chemie- und Pharmaindustrie gegenüber 2014 um 74 Prozent. Wesentliche Ursache für den starken Anstieg waren einige sehr große Deals im Pharmasektor. Diese Transaktionen summierten sich auf 298 Mrd. US-Dollar. Top30316, 1604ct999

CT-Berichte zur Megafusion

Heftausgabe: Januar/Februar 2016
Seite:

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
Loader-Icon