Es lebe der Filz

Wie Nanoröhrchen Körperwärme in Strom verwandeln

15.03.2012 Wenn mal wieder beim Joggen an einem kalten Tag der Akku des Mp3-Players schlapp macht, sind findige Forscher gefordert, die neue Wege zur Energiegewinnung auftun. Und das Hemd liegt dabei näher als die Jacke.

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März 2012

Auch diese Filzpantinen könnten stromhungrige Nutzer zukünftig elektrisieren (Bild: Vaidas Bucys – Fotolia.com)

Wie viele Dinge werden auf der Welt verschwendet: Strom, Papier, Wasser – und Körperwärme. Die Hitze, die jeder von uns produziert, geht als ungenutzte Abwärme ins Nirwana. Wie also lässt sich dieses, zumindest bis zum Tode, unerschöpfliche Reservoir an Energie nutzen? US-Wissenschaftler von der Wake Forest University haben jetzt die Lösung: Sie machen unsere Kleidung zu Kraftwerken für den Hausgebrauch. Dabei bedienen sie sich einer Technologie, von der die meisten Menschen wegen der verwirrenden Gefahrenlage lieber Abstand halten: der Nano-Technologie.

Ihre Neuentwicklung nennen sie Nano Felt, also Nano-Filz, und sehen darin einen zukunftsträchtigen Weg, um heiße Körper gegen leere Handyakkus einzusetzen. In den thermoelektrischen Stoff sind Kohlenstoff-Nanoröhrchen eingebettet, die mithilfe des Unterschieds zwischen Körperwärme und Raumtemperatur Strom erzeugen.

Ein hübscher Nebeneffekt der neuen Methode: Der Nano-Stoff soll deutlich günstiger zu produzieren sein, als bisherige thermoelektrische Materialien wie Bismut-Tellurid – und ist dazu vermutlich bequemer als ein Sakko aus der Metallverbindung. Auch der Einsatz des Stoffes an anderen heißen Körpern, die ihre Energie geradezu verschwenden, wie Sportwagen und dergleichen ist denkbar, um die Energieverschwendung beispielsweise der Klimaanlage zu kompensieren. Den Anwendungen sind keine Grenzen gesetzt. Künftig kann es also heißen: Ab in die Nano-Hose und an besonders kalten Tagen einfach ein paar warme Gedanken machen – schon ist wieder genug Saft da für ein entspannendes Telefonat mit Frau UND Freundin.

Heftausgabe: März 2012

Über den Autor

Tina Walsweer, Redaktion
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