Vier Jahrzehnte Chemie

40 Jahre Chemie Technik – Highlights der chemischen Technik

12.02.2013 Schwaben werden bekanntlich im 40. Lebensjahr gescheit. Die Fachzeitschrift CHEMIE TECHNIK war es bereits bei der Geburt. Nicht nur wegen ihrer Inhalte, sondern weil sie bereits bei der Gründung auf 96 Jahre Erfahrung bei der Aufbereitung von Fachwissen zurückgreifen konnte. Denn: Die CHEMIE TECHNIK war ein „Spin Off“ der bereits 1876 gegründeten Chemiker-Zeitung (CZ).

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Als „Technische Ausgabe“ der CZ wendet sich die CT seit 1972 an Praktiker und Entscheider in der Chemie, aber auch an Planer und Anlagenbauer.  Die Startauflage von 10.000 Exemplaren hat sich in den vergangenen 40 Jahren verdreifacht. CHEMIE TECHNIK ist damit das auflagenstärkste IVW-EDA-geprüfte Monatsmagazin unter den deutschen Titeln für chemische Technik. Einige Highlights aus den vergangenen vier Jahrzehnten chemischer Technik haben wir für Sie auf den folgenden Seiten zusammengestellt.

70er und 80er Jahre
Ölkrise sendet Schockwellen durch die deutsche (Chemie-)Industrie

Als die Opec im Oktober 1973 beschließt, den Ölpreis um 70 Prozent anzuheben, sendet dies Schockwellen durch die Industrienationen. Als Protest der arabischen Länder gegen die westliche Unterstützung Israels im Jom-Kippur-Krieg gedacht, führt die Aktion dem Westen seine Abhängigkeit von fossilen Energieträgern vor Augen. Sonntagsfahrverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen zeigten in Deutschland keinen nennenswerten Spareffekt. Das Bundeswirtschaftsministerium startete aber die Kampagne „Energiesparen – unsere beste Energiequelle“. In der Chemieindustrie wurden Projekte wie die Kohleverflüssigung umsgesetzt. Außerdem forcierte der Wunsch nach Energieautarkie den Bau von Kernkraftwerken. Auch die BASF plante, auf ihrem Werksgelände in Ludwigshafen ein Kernkraftwerk zu bauen, gab das Projekt allerdings 1976 auf. Alternative Energiequellen und Energiesparmaßnahmen rückten in den Fokus. 1979 verdoppelte sich der Ölpreis infolge der islamischen Revolution im Iran innerhalb kurzer Zeit und führte zu einer zweiten Ölkrise.

90er Jahre
Chemie-Strukturwandel: Werke werden zu Industrieparks

In den 90er Jahren vollzog sich in der deutschen Chemie ein tiefgreifender Strukturwandel. Konzentration auf das Kerngeschäft lautete die Devise. Jürgen Dormann, Vorstandschef der Hoechst AG, gliederte Chemie-, Pharma- und Standortgeschäft in verschiedene Gesellschaften aus. Aus den einstmals geschlossenen Werksstandorten wurden Chemieparks, die von Infrastrukturgesellschaften wie Infraserv, Bayer Industrie Services (heute Currenta) oder Infracor (ehem. Degussa, heute Evonik Site Services). Die Blaupause für die rechtlich anspruchsvolle Neuordnung der Industrieparks hatten Anfang der 90er Jahre die aufgelösten Chemiekombinate der wiedervereinigten DDR geliefert. Bis heute ist das Chemiepark-Konzept der deutschen Chemieindustrie eine weltweit vielbeachtete Erfolgsstory. Auch Chemiestandorte in China und Indien orientieren sich an diesem Vorbild.

2000 bis heute
China-Boom und Megaprojekte

Die Jahre seit dem Jahrtausendwechsel sind von einer zunehmenden Globalisierung der Chemieindustrie geprägt. Die Direktinvestitionen deutscher Chemieunternehmen im Ausland übertreffen die Investitionen an deutschen Standorten. Einen wichtigen Schwerpunkt bilden neue Werke in China. Sowohl Bayer als auch BASF und Degussa bauen in Ostchina eigene Werke oder integrieren sich in dortige Chemieparks. Aber auch Malaysia und Singapur werden zu wichtigen Sprungbrettern in den asiatischen Markt.
Für den deutschen (Groß-)Anlagenbau werden die Jahre bis 2008 zur goldenen Ära. Linde, Lurgi und Uhde wickeln vor allem im Mittleren Osten  Megaprojekte ab, darunter den World Scale Cracker im Bild oben rechts, den Linde für Borouge in Abu Dhabi baut. Seit der Weltfinanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 hat sich das Projektgeschäft allerdings stark verändert. Globale Anbieter und neue Wettbewerber aus China und Südkorea machen dem deutschen Anlagenbau zu schaffen. Neue Chancen entstehen derzeit in den USA. 

Heftausgabe: Februar 2013

Über den Autor

Armin Scheuermann
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