September 2011

CT: Herr Strack, Infraserv Knapsack ist als Betreiber eines Chemieparks bekannt – worin besteht der strategische Ansatz, Anlagenbau-Dienstleistungen intern, aber auch extern anzubieten?
Strack: Im neu aufgestellten Portfolio der Infraserv Knapsack ist Anlagenplanung und -bau eines der drei Elemente – neben den Anlagenservices und dem Standortbetrieb mit seinen Infrastrukturservices. Deutschlandweit und auch im internationalen Anlagenbau machen wir das, was wir am Standort Hürth seit jeher machen: Wir planen Anlagen, nehmen diese in Betrieb und begleiten diese auch später. Mehr und mehr gewinnt das Geschäft außerhalb des Chemieparks an Bedeutung. Und hier setzen wir auf unsere Stärken, die wir an unserem Heimat-Standort entwickelt haben.

CT: Wie wollen Sie sich von der Vielzahl an Wettbewerbern im Engineering-Segment unterscheiden?
Strack: Der wesentliche Unterschied ist der ganzheitliche Ansatz. Klassische Anlagenbau-Anbieter kümmern sich rein um die Abwicklung eines Anlagenprojekts. Wir setzen bereits bei der Prozessidee und -entwicklung an und haben den vollständigen Projekt- und Anlagenverlauf – von der Entwicklung über die Realisierung und Inbetriebnahme bis hin zum Betrieb, der Optimierung und eventuell dem späteren Rückbau – im Blick.

CT: Klassische Owners Engineers der Chemieunternehmen arbeiten in der Regel bis zum Basic Engineering und übergeben die Detailplanung und die Abwicklung dann an EPCs.
Strack: Unser Ansatz ist wirklich ein umfassender. Natürlich können wir mit klassischen EPCs nur bis zu einer bestimmten Anlagengröße mithalten – Megaprojekte haben wir nicht im Blick. Aber für diese Anlagengrößen bringen wir alles mit und bieten auch die schlüsselfertige Realisierung an. Wir arbeiten für die verfahrenstechnischen Grundoperationen den praktikablen Ansatz heraus. Und: Die von uns gebauten Anlagen sind in der Regel Unikate.

CT: Worin zeichnet sich die „Denke“ eines Owners Engineers Ihrer Meinung nach aus?
Strack: Zunächst einmal können Owners Engineers Konzepte für neue Anlagen ergebnisoffen erarbeiten und präsentieren. Wir verfügen über spezielle Methoden, damit wir je nach Anforderung des Kunden eine möglichst schnelle Realisierung der Anlage erreichen oder um für unsere Kunden die günstigste technische Lösung zu entwickeln. Um es an einem aktuellen Beispiel fest zu machen: Sweit 2007 entwickeln wir gemeinsam mit einem Kunden ein neues Verfahren der anorganischen Chemie. Derzeit sind wir beim scale-up vom Labor über das Technikum bis in den großtechnischen Maßstab. Die Produktidee kam vom Kunden, im Labor hat das Verfahren bereits funktioniert. Wir haben die Technik über alle Skalierungsstufen hinweg entwickelt und parallel zur Technikumsanlage bereits am Detail-Engineering für die Produktionsanlage gearbeitet. Das kann nur ein Betreiber-naher Anlagenplaner.
Dazu kommt die Rückkopplung von Betriebserfahrung in die Planung: Derzeit wird beispielsweise bei uns eine Produktionsanlage im Chemiepark erweitert. Diese war 2005 in Betrieb gegangen. Und natürlich fließt nun die Betriebserfahrung in die Planung mit ein.

CT: Für welche Industrien außerhalb der Chemie bieten Sie noch an?
Strack: Neben der Chemie liegt unser Schwerpunkt auf Anlagen der Petrochemie, Randbereiche des Kraftwerksbaus und der Pharmazie sowie branchenübergreifende Lösungen der Umwelttechnologie.

CT: Welche Trends sehen Sie im Chemieanlagenbau?
Strack: In Europa sehen wir einen Trend zu Mehrproduktanlagen für Spezialchemikalien. Diesen bedienen wir mit differenzierten Anlagen, die den Anforderungen Standardisierung, kurze Realisierungszeit – Stichwort „time to market“ – und den geforderten technologischen Aspekten genügen. Bei individuell geplanten Anlagen lässt sich dieser Mittelweg eher realisieren. Die Kunst besteht darin, die richtige Balance aus Individuallösung und Standardisierung zu finden.
Ein weiterer Trend ist der Verteuerung der Rohstoffe geschuldet: Grundchemikalien aus Biomasse und Rückgewinnungsverfahren sind hier als Beispiele zu nennen. In der Anlagenplanung gewinnt das „Simultaneous Engineering“ an Bedeutung. „time to market“ -Projekte erfordern Prozesse, die die Planungs- und Entwicklungszeiten reduzieren. Aber: Wenn das Ziel heißt, die Investitions- und Betriebskosten insgesamt zu reduzieren, dann muss man sich einfach die Zeit für eine sorgfältige Planung nehmen. 

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